Aktualisiert 09.12.2008 12:58

Fall Baby P.Totes Kind kostet Sozialdienst-Chefin die Stelle

Sharon Shoesmith, die Leiterin des Sozialdienstes, die noch vor wenigen Wochen versuchte den Fall des misshandelten Baby P. zu vertuschen, ist nun endgültig entlassen worden. Mit dieser Massnahme soll vor allem die erzürnte Öffentlichkeit beruhigt werden.

Sharon Shoesmith ist in den letzten Wochen das Symbol für das Versagen des britischen Sozialsystems geworden. Nach dem qualvollen Tod des 17 Monate alten Baby P. hatte sie es für nicht nötig gehalten, die Todesumstände zu untersuchen. Dies sei «in Hinblick auf die guten Leistungen (der Abteilung) weder vorteilhaft noch wertschöpfend für den Dienst» gewesen, erklärte sie nach Bekanntwerden des Skandals. Dies obwohl Sozialarbeiter bei über 60 Besuchen nicht gemerkt haben, dass das Kind von seiner Mutter, ihrem Lebenspartner und einem Mitbewohner über Monate hinweg gequält worden war. Im August 2007 ist das Kind seinen Verletzungen erlegen.

«Grundsätzlicher Vertrauensverlust»

Mitte November waren die drei Angeklagten von einem Londoner Gericht verurteilt worden. Als dann die Gerichtsakten publik gemacht wurden und der Fall ans Licht kam, war die Empörung in Haringey im Nordosten Londons gross. Die Einwohner forderten den Rücktritt Shoesmiths und weiterer Sozialarbeiter, die es versäumt hatten, das Leiden des Kindes zu erkennen.

Anfangs Dezember wurden Shoesmith und fünf weitere Sozialarbeiter in einer ersten Massnahme von ihren Ämtern suspendiert – allerdings bei vollem Lohnerhalt. Die Bewohner von Haringey zeigten sich damit nicht zufrieden und forderten die Entlassung Shoesmiths.

Am Montag wurde die Sozialleiterin nun endgültig von ihrem Posten entfernt. «Der Inhalt des Berichts führte zu einem grundsätzlichen Vertrauensverlust gegenüber Frau Shoesmith», lautet der offizielle Kündigungsgrund, den ein Gemeindesprecher den Medien bekannt gab.

Auch Premier Gordon Brown meldete sich in dieser Gelegenheit zu Wort. Die Leute seien über den Fall «schockiert und traurig, aber auch entrüstet» gewesen.

(kle)

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