Staatschef Chávez: Totgesagte leben länger

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Staatschef ChávezTotgesagte leben länger

Über den Gesundheitszustand von Venezuelas Staatschef Hugo Chávez kursieren widersprüchliche Informationen. «Stabil», «nicht frei von Risiken», «heikel» oder «komplex» wird sein Zustand umschrieben.

Chávez-Anhänger beten in Caracas während eines Gottesdienstes zu Ehren des Staatschef für dessen Gesundheit.

Chávez-Anhänger beten in Caracas während eines Gottesdienstes zu Ehren des Staatschef für dessen Gesundheit.

Bei vielen Venezolanern sorgen die widersprüchlichen Regierungsangaben über den Zustand ihres Präsidenten Chávez für Nervosität. Inmitten heisser Spekulationen liess Vizepräsident Nicolás Maduro seine Landsleute am Neujahrstag wissen, dass er sich in Kuba zweimal mit Chávez getroffen habe.

Der Staatschef befinde sich in «einer komplexen und heiklen Situation», verfüge jedoch über die «gleiche Kraft wie immer.» Der Präsident trage seine Krankheit mit Würde und Mut, sagte Maduro weiter. Chávez wisse jedoch, dass er sich nach seiner Operation in einem «komplexen postoperativen Zustand» befinde.

Am Mittwoch erklärte Maduro in einem im TV-Sender Telesur übertragenen Interview, dass es «mal eine leichte Verbesserung, mal keine Fortschritte» gegeben habe.

Maduro wandte sich zudem gegen Gerüchte und «Lügen» über eine angebliche Verschlechterung von Chávez' Gesundheitszustand. Dahinter stecke der «Hass der Feinde Venezuelas», sagte er. Chávez-Gegner hatten unter anderem verbreitet, der Präsident sei bereits gestorben.

In Kuba im Spital

Wissenschaftsminister Jorge Arreaza hatte am Montag den Zustand des krebskranken Staatschefs als «stabil» bezeichnet. Chávez habe einen ruhigen Tag gehabt, teilte der Schwiegersohn des Präsidenten über Twitter aus Havanna mit.

Der 58-jährige Linkspopulist war am 11. Dezember zum vierten Mal wegen seiner Krebserkrankung operiert worden. Am Sonntag hatte Vizepräsident Maduro in einer Fernsehansprache mitgeteilt, Chávez kämpfe weiter mit Komplikationen infolge einer Atemwegentzündung.

Derweil forderte Informationsminister Ernesto Villegas die Bevölkerung auf, sich nicht von Informationen in die Irre führen zu lassen, die über Twitter verbreitet werden. Zuvor hatte der venezolanische Arzt José Rafael Marquina getwittert, Chávez habe eine Lungenembolie erlitten.

Marquina hält sich im US-Bundesstaat Florida auf und berichtet anhand angeblicher Quellen in Kuba ständig über den Zustand des Staatschefs.

Amtsantritt am 10. Januar?

Der im Oktober wiedergewählte Chávez soll am 10. Januar seine neue, bis 2019 dauernde Amtszeit antreten. Sollte er dazu nicht in der Lage sein, gibt es verfassungsgemäss Neuwahlen.

Maduro und Parlamentspräsident Diosdado Cabello erklärten jedoch bereits, dass Chávez auch später vereidigt werden könnte. Auch der konservative Oppositionsführer Henrique Capriles stimmte dem zu. Cabello sagte zudem, er werde nicht, wie in der Verfassung vorgesehen, Chávez im Fall seiner Verhinderung vertreten.

Vor seiner Abreise nach Kuba hatte sich Chávez für den 50-jährigen Maduro als seinen möglichen Nachfolger ausgesprochen. Zudem übertrug er ihm in einem Dekret einen Teil seiner Befugnisse.

Laut dem Dekret erhielt der Vizepräsident unter anderem Mitspracherechte beim Staatshaushalt sowie bei Devisenkäufen und Enteignungen. Mit der Übertragung dieser Aufgaben soll nach offiziellen Angaben die «Arbeitsbelastung» von Chávez reduziert werden. (sda)

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