Aktualisiert 14.07.2009 16:35

Funk-DiskussionTour de France = Tour de Risiko?

Bei der Tour de France steht am französischen Nationalfeiertag nicht der Sport im Vordergrund, sondern der Knopf im Ohr. Die Fahrer dürfen nicht mehr mit Informationen versorgt werden und sollen selber für spannende Rennen sorgen. An diesem Verbot scheiden sich die Geister.

von
Herbie Egli

Fahren wie in alten Zeiten lautet momentan das Motto bei der Tour de France. Der Weltradsportverband UCI und Tour-Organisator A.S.O. haben für die 10. und 13. Etappe ein Verbot der Kopfhörer bei den Fahrern erlassen, damit diese von den sportlichen Leitern nicht gesteuert werden können. Der sportliche Kampf unter den Fahrern allein soll also wieder im Vordergrund stehen.

«Ich will spannende Rennen»

Das Problem mit den Kopfhörern ist, dass die sportlichen Leiter das Renngeschehen jederzeit unter Kontrolle haben und reagieren können. Die Fahrer müssen also nicht mehr selbst aufpassen, sondern werden von ihrem Chef gesteuert, wann sie zu reagieren haben oder etwas Tempo rausnehmen sollen. Marcello Albasini, Sportlicher Leiter des Schweizer Cervélo-TestTeams bei der Tour de Suisse, begrüsst ein Verbot der Kopfhörer: «Sportlich gesehen ist das sinnvoll. Ich will spannende Rennen», so der Ostschweizer zu 20 Minuten Online. «Ich habe von Leuten schon gehört, dass sie nicht mehr fernsehen, weil die Tour nicht mehr interessant ist.»

Genau diesem Problem soll mit dem Kopfhörerverbot Abhilfe geschaffen werden. Die UCI will Fahrer sogar hart bestrafen oder ausschliessen, falls sie trotzdem mit einem Knopf im Ohr am Start erscheinen. Offenbar haben sich beim ersten Verbot aber alle daran gehalten und fahren «oben ohne». Beim französischen Team Bbox Bouygues Telecom hat man damit kein Problem. «Das sei doch eine gute Sache und die Fahrer müssen die Initiative selbst ergreifen, um das Rennen zu fahren», meinte der sportliche Leiter Didier Rous vor dem Start.

«Wieder mit Wolltrikots und Reifen um den Hals fahren»

Viele Fahrer können die Funkstille bei der Tour de France aber auch nicht verstehen. Rekordsieger Lance Armstrong meint zu diesem Thema: «Dann können wir auch wieder wie in alten Zeiten mit Wolltrikots und Reifen um den Hals fahren.» Der Deutsche Jens Voigt vom Saxo-Bank-Team bläst bei «taz.de» ins gleiche Horn: «Wir können ja auch mal eine Etappe ohne Helm fahren oder die Kabel für die Bremsen durchschneiden.»

Auch Astana-Teamchef Johann Bruyneel kann mit diesem Kopfhörerverbot gar nichts anfangen und sammelte Unterschriften dagegen. Er hatte mit seiner Aktion aber keinen Erfolg und setzt sich vor allem aus Sicherheitsgründen weiter für die Knöpfe im Ohr ein. Damit könne man den Fahrern wichtige Informationen durchgeben, wenn z. B ein Ölfleck auf der Strasse sei, meinte der Belgier.

Während den ersten 80 Kilometern der heutigen Etappe von Limoges nach Issoudun harmonierte eine vierköpfige Fluchtgruppe jedenfalls auch ohne Knopf im Ohr sehr gut. Sie hatte zwischenzeitlich drei Minuten Vorsprung auf das Feld und ihre Zeitreserve bekamen sie von einem Mann auf einem Motorrad mitgeteilt, der eine Tafel mit den Zahlen hochhielt. Bis ins Ziel dürften diese Fahrer aber eingeholt werden und dann haben die Fahrer das Rennen gemacht und nicht die Knöpfe im Ohr.

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