Tour-Sieger Contador droht Arbeitslosigkeit
Aktualisiert

Tour-Sieger Contador droht Arbeitslosigkeit

Tour-de-France-Sieger Alberto Contador hat den auf ihm lastenden Dopingverdacht an einer Medienkonferenz mit aller Schärfe zurückgewiesen. Trotzdem wird sein Team «Discovery Channel» Ende Jahr wohl aufgelöst.

Er habe nie verbotene Mittel genommen und werde alles unternehmen, um die Unterstellungen zu widerlegen, erklärte der Spanier.

«Ich habe nie gedopt und war nie in einen Akt von Doping verwickelt», erklärte Contador im Sportministerium in Madrid vor rund 50 Medienschaffenden. Der 24-jährige Spanier befand sich in Begleitung seines sportlichern Leiters von Discovery Channel, Johan Bruyneel. Contador verlas lediglich die angekündigte Erklärung, weigerte sich aber, Fragen beantworten.

In seinem Statement sagte Contador, er sei sowohl im Wettkampf wie im Training Blut- und Urintests unterzogen worden und habe alle Kontrollen ohne einen einzigen positiven Befund überstanden. «Ich verstehe daher die Angriffe, die mich in meiner Ehre als Sportler verletzen, nicht.»

Contador begann seine Profikarriere vor vier Jahren und fuhr stets unter der Leitung von Manolo Saiz, ehe er auf diese Saison hin vom US-Team Discovery Channel unter Vertrag genommen wurde. Indizien deuten auf eine Verbindung Contadors mit dem Arzt Eufemiano Fuentes hin, der im Mittelpunkt der Dopingaffäre «Operacion Puerto» steht. Der deutsche Doping-Experte Werner Franke soll über Unterlagen verfügen, die zeigen, dass Contador seine Leistung mit Testosteron manipuliert hat.

Contador vetritt den Standpunkt, dass die ihm zugeschriebenen Kürzel in den Dokumenten der «Operacion Puerto» irrtümlicherweise dortin gelangten. Im vergangenen Jahr verweigerte er einen DNA-Test, als er von einem Richter zur Affäre befragt wurde. Weil Contador neben vier weiteren Fahrern im Zusammenhang mit Dr. Fuentes genannt wurde, erhielt das Team Liberty Seguros 2006 von den Veranstaltern der Tour de France keine Starterlaubnis.

(si)

Contador bald arbeitslos?

Im Februar hatte Discovery Channel nach einem Wechsel im Direktorium die Beendigung des Sponsorings der Profi-Radsportgruppe angekündigt. Weil seither kein neuer Geldgeber gefunden werden konnte, zieht sich die hinter dem Team stehende Organisation zurück.

Selbst der Triumph in der Tour de France mit dem Spanier Alberto Contador (1.) und dem Amerikaner Levi Leipheimer (3.) auf dem Podium lockt keine Sponsoren mehr an. Der Sportliche Leiter Johan Bruyneel reiste bis nach China, um neue Geldgeber zu finden. Vergeblich. Niemand war willens, für einen Dreijahre-Vertrag 45 Millionen Dollar auf den Tisch zu legen. Das Team Discovery Channel wird seine Startverpflichtungen bis Ende Saison einhalten und dann aufgelöst. Dies bedeutet, dass sich 27 Fahrer und eine ähnlich grosse Zahl von Betreuern und Pflegern nach einer neuen Arbeitsstelle umsehen müssen.

Besitzerin des Teams Discovery Channel ist die texanische Gesellschaft Tailwind Sports, an der auch Lance Armstrong beteiligt ist. «Wir haben zehn erstaunliche Jahre mit US Postal und Discovery Channel erlebt. Mit den sieben Tour-Siegen durch Armstrong und dem neuesten Triumph durch Contador handelt es sich um eine der grössten Erfolgsgeschichten im Sport», erklärte Generalmanager Bill Stapleton. «Es gab eine Reihe von verheissungsvollen Verhandlungen. Doch letztlich mussten wir einen Schlusspunkt hinter alle Diskussionen setzen.»

Aus einer Gruppe von US-Profis baute Johan Bruynel als Manager und Sportlicher Leiter ab 1999 eine der (vor allem in der Tour de France) stärksten Sportgruppen auf. «Ich hätte nie geglaubt, dass wir ein derart hohes Niveau von Erfolgen erreichen würden. Mit den Athleten und den Betreuern habe ich eine grossartige Zeit erlebt», sagte der frühere Berufsfahrer Bruyneel, dessen Zukunft im Moment völlig offen ist.

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