Tourismus-Branche bedauert Abschuss
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Tourismus-Branche bedauert Abschuss

Tierschutzorganisationen laufen Sturm gegen den Abschuss von Bär JJ3. Auch bei der Organisation «Graubünden Ferien» gingen vereinzelt Reaktionen von verärgerten Touristen ein.

«Wir verstehen die Enttäuschung bei allen Gästen», sagt Gieri Spescha, Mediensprecher von Graubünden Ferien. Allerdings könne man den Abschuss nachvollziehen, da der Bär ein zu grosses Risiko dargestellt habe. «Das Wohl und die Sicherheit von Bevölkerung und Gästen im Graubünden hat für uns oberste Priorität.» Ins gleiche Horn bläst Roger Waber, Mediensprecher Schweiz Tourismus: «Wir befürworten den Schutz von Natur und Tier, aber der Schutz von Touristen hat Vorrang.» Er hält fest: «Authentische Natur, und dazu gehört auch der Bär, stellt für den Schweizer Tourismus einen Wettbewerbsvorteil dar.»

Noch gut in Erinnerung ist der Tourismusbranche die euphorische Reaktion von hunderten von Touristen, die vor drei Jahren den ersten wilden Bär seit 1904 am Ofenpass willkommen hiessen. Sie zeigten Neugierde und Begeisterung und verhielten sich nicht immer im Sinn der Tourismusbranche, weil sie sich zu nahe an den Bären heranwagten. «Für unser Image wäre es katastrophal, wenn einem Touristen etwas passieren würde», sagt Spescha. Der Abschuss von JJ3 habe dem Image der Schweiz als Naturparadies wohl weniger geschadet, als wenn ein Unfall passiert wäre.

Auch der Schweizer Tourismus-Verband STV hält in einem Schreiben schon 2006 fest, dass das Erscheinen des Bären von der Öffentlichkeit gut aufgenommen wurde und sich punktuell positiv auf den Tourismus ausgewirkt hat. Sofern Bären auf natürlichem Weg einwandern, sind sie nach Ansicht des STV wie im Gesetz formuliert als schützenswerte Tierart zu werten.

Noch lebt in Graubünden ein Bär. JJ2 verhält sich bisher normal und stellt deshalb keine Gefahr für den Menschen dar. Zwar wollen weder Graubünden Tourismus noch Schweiz Tourismus den Bär aktiv vermarkten, aber beide Organisationen begrüssen den Bär in der Schweiz, solange das Zusammenleben zwischen Mensch und Bär spielt. «Wildbeobachtungs-Angebote sind für uns ein attraktives Angebot», so Spescha. Natur pur sei in der zunehmenden Urbanisierung ein immer wichtiger werdendes Verkaufsargument. (scc/dga)

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