«Auslandsreisen erst 2021»: Tourismus-Experte entschuldigt sich nach Protestwelle
Aktualisiert

«Auslandsreisen erst 2021»Tourismus-Experte entschuldigt sich nach Protestwelle

Der Seco-Touristikverantwortliche Eric Jakob machte Schlagzeilen mit seiner Aussage, Auslandsreisen würden erst 2021 wieder möglich sein. Nach einer Welle von Entrüstung entschuldigt er sich bei Reiseveranstaltern.

von
Bianca Lüthy

Darum gehts

  • Der Tourismus-Verantwortliche vom Seco, Eric Jakob, sagte an einer Pressekonferenz, Auslandsreisen würde er aufs nächste Jahr verschieben.
  • Jakobs Aussage erzürnte Touristiker und Reisebüros, die bereits jetzt grosse Umsatzeinbussen verzeichnen.
  • In einem Brief entschuldigt er sich bei der Reisebranche und betont, dass es sich nicht um ein offizielles Statement gehandelt habe.

«Meine persönliche Empfehlung ist, Auslandsreisen erst für 2021 zu planen», so der Seco-Touristikverantwortliche Eric Jakob an einer Pressekonferenz. Mit diesem Satz liess er nicht nur das Blut in den Adern von leidenschaftlichen Reisenden gefrieren, sondern löste auch eine Welle der Entrüstung bei Reiseveranstaltern los. Diese leiden ohnehin schon beträchtlich unter der Corona-Krise und müssen grosse Umsatzeinbussen verzeichnen.

Seine Aussage bedauere Jakob, wie ein Entschuldigungsschreiben zeigt, das dem Branchenmagazin «Travel Inside» vorliegt. «Meine Äusserungen gestern im Rahmen des Point de Presse zum Coronavirus hat bei Ihnen Bestürzung und Unverständnis ausgelöst. Ich kann das nachvollziehen. Meine Aussagen auf eine Journalistenfrage hin waren keineswegs als offizielle Empfehlung gedacht, sämtliche Ferienreisen ins Ausland vom Jahr 2020 aufs Jahr 2021 zu verschieben.»

«Persönliche Empfehlung»

Jakob betont, seine Aussage habe einer «persönlichen Empfehlung» entsprochen. Der Seco-Experte habe auf die Analysen der OECD sowie der UN verwiesen, die die Wiederaufnahme der internationalen Reisetätigkeit erst im nächsten Jahr erwarten würden. «Ich habe im Verlauf der Medienkonferenz mehrfach betont, dass definitive Aussagen zur Wiederaufnahme des internationalen Tourismus enorm schwierig seien, da so viele Faktoren mitspielen», so Jakob.

Weiter steht im Entschuldigungsschreiben: «Ich möchte mich aber dennoch für den Wirbel, den meine Aussagen in Ihren Kreisen ausgelöst haben, entschuldigen.» Die Direktion für Standortförderung des Seco arbeite intensiv an einer Lösung für die Reisebürobranche. Bislang habe man diese noch nicht gefunden, bleibe aber dran.

Reiseveranstalter sind anderer Meinung

Gemäss «Blick» teilen Schweizer Reiseveranstalter die Einschätzung des Seco – dass Auslandsreisen erst ab 2021 wieder in Schwung kommen – nicht. «Wir halten es aber für absolut realistisch, dass Reisen ins Ausland in diesem Jahr noch möglich sein werden, natürlich unter der Voraussetzung, dass die Fortschritte bei der Eindämmung des Coronavirus im In- und Ausland dies erlauben», so Dieter Zümpel, CEO von DER Touristik Suisse, der auch Reiseveranstalter Kuoni angehört.

Die Einhaltung von Hygieneregeln seien zudem entscheidend für den Tourismus nach Corona: «Aus heutiger Sicht halten wir es für wahrscheinlich, dass diese Kriterien im Laufe des zweiten Halbjahres für eine immer grössere Anzahl unserer insgesamt über hundert angebotenen Reiseländern erfüllt sein werden», so Zümpel.

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