Aktualisiert 13.06.2013 17:15

WC-Mangel in Luzern

Tourist verrichtet Notdurft im Museum

Die WCs beim Löwendenkmal sind geschlossen. Die Touristen müssen aber trotzdem – und suchen sich teils ganz absurde Alternativen.

von
Vroni Fehlmann
Alpineum-Besitzer Daniel Hodel am Ort des Geschehens.

Alpineum-Besitzer Daniel Hodel am Ort des Geschehens.

Eine Angestellte des Museums Alpineum machte kürzlich einen ekligen Fund: Ein Tourist hatte seinen Darminhalt direkt neben einer Vitrine beim Ausgang entleert. Alpineum-Besitzer Daniel Hodel ist bestürzt: «Das ist unzumutbar. Die Stadt schliesst WC-Anlagen und die Gäste wissen nicht mehr, wo sie ihre Notdurft verrichten können.»

Laut «Zentralplus» beklagen sich auch andere Betreiber: «Für Luzern ist das peinlich», sagt Qani Limani vom Restaurant Caravelle. «Was soll ich tun, wenn auf einmal zwanzig Touristen gleichzeitig durch unser Restaurant auf die Toilette marschieren?» Auch Hans Heini von der Confiserie Heini kennt das Problem: «Ich finde, ein WC beim Löwendenkmal wäre zwingend nötig.»

Stadt liess Anlage schliessen

Im städtischen Masterplan für die öffentlichen WC-Anlagen von 2010 wird erklärt, dass bis 2015 insgesamt 23 Standorte aufgehoben werden sollen: «Dies betrifft vor allem die Aussenquartiere. Toiletten sind an Orten sinnvoll, an denen sich viele Menschen über längere Zeit aufhalten», steht in der Mitteilung.

Das Löwendenkmal gehört offenbar nicht zu diesen Orten – die Anlage wurde letzten Herbst definitiv geschlossen. Das Denkmal zählt aber jährlich mehrere hunderttausend Besucher.

Friederike Pfromm, Leiterin Immobilien der Stadt Luzern, bestätigt den Zustand beim Löwendenkmal: «Wir haben kürzlich Kenntnis von der Situation erhalten. Die Situation scheint untragbar zu sein. Wir werden umgehend auf die betroffenen Betreiber zugehen und gemeinsam eine Lösung suchen.»

Situation wird zunehmend schlimmer

Laut Hodel wird der Zustand um das Löwendenkmal herum immer prekärer. Die Touristen verrichten ihr Geschäft offenbar auch in Gebüschen direkt bei der Sehenswürdigkeit. «Die Tourismusstadt Luzern hat ein Problem», findet Hodel. Dass sein Museum mit 5000 bis 6000 Besuchern pro Jahr als öffentliche Toilette herhalten muss, will er nicht hinnehmen. Für Hodel steht deshalb fest: «Wenn sich der Zustand nicht bessert, sehe ich mich gezwungen, das Museum zu schliessen.»

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