Gästeflaute im Goms: Touristen haben Angst vor dem «bösen Wolf»
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Gästeflaute im GomsTouristen haben Angst vor dem «bösen Wolf»

Die Walliser Wölfe lehren nicht nur Schafen das Fürchten. Immer mehr Touristen verzichten wegen den Raubtieren auf Wanderferien im Goms. Auch die Herdenschutzhunde jagen den Wanderern Angst ein.

von
ame

Zuerst reissen sie Schafe, jetzt verjagen sie auch noch die Touristen. Die beiden Wölfe «M35» und «M38» lassen die Gomser Bevölkerung nicht zur Ruhe kommen. «Wir haben einige Mails von Touristen erhalten, die wegen der Wolf-Problematik nicht mehr nach Goms in die Ferien kommen», sagt Nadine In-Albon vom Welcome Center Ernen. Die Gründe dafür seien vielfältig: «Die einen haben Angst vor den Herdenschutzhunden, die anderen können nicht verstehen, wieso einige Leute im Goms den Wolf abschiessen wollen.»

Doch auch die Wölfe selbst haben eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Gäste. «Was den Wolf angeht, gibt es bei den Hotelgästen nur negative Einstellungen. Die Leute wollen die Stille und die Flora geniessen und nicht mit einem Wolf Bekanntschaft machen», sagt Alois Hechenberger, Besitzer des Hotels Mühlebach, gegenüber dem «Walliser Boten».

Wildtiere können auch Gäste anlocken

Nur vereinzelt hilft der Wolf den Gomsern zu Zusatzeinnahmen. «Seit der Wolf so präsent ist, haben wir mehr Ansichtskarten mit Wölfen drauf verkauft», sagt Nadine In-Albon. Überhaupt müssen Wildtiere nicht zwingend einen negativen Effekt auf den Tourismus einer Region haben, sagt Alain Suter, Sprecher von Schweiz Tourismus. «Der Bär in Graubünden hat die einen oder anderen Touristen sogar angelockt.» Dass der Wolf den gleichen Effekt haben wird, bezweifelt Suter aber: «Dem Bären haftet etwas Gemütliches an, während der Wolf für viele etwas bedrohlich wirkt.» Ein zweiter Hotelier bestätigt dies.

Ganz unabhängig von den Auswirkungen des Wolfes fordern vier Walliser Grossräte in einem parlamentarischen Vorstoss die «Touristische Sensibilisierung der gesamten Walliser Bevölkerung». Bereits bei Kindern im «jüngsten Alter» soll begonnen werden. Konkrete Vorschläge enthält das Postulat zwar nicht, das Ziel ist aber eindeutig formuliert: «Es ist ausserordentlich wichtig, dass die gesamte Bevölkerung für diesen Bereich sensibilisiert wird und eine gastfreundliche und tourismusfördernde Haltung einnimmt.»

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