Ungewöhnliche Aktion: Touristen lieben Luzerner Hunger-Ritter
Aktualisiert

Ungewöhnliche AktionTouristen lieben Luzerner Hunger-Ritter

Seit 18 Tagen ist «Julius Tell» im Hungerstreik und zieht als Ritter durch die Stadt Luzern. Sehr zur Freude der Touristen.

von
lin
Beliebtes Fotosujet: "Julius Tell" am Schwanenplatz in Luzern.

Beliebtes Fotosujet: "Julius Tell" am Schwanenplatz in Luzern.

Mit schweren Nagelschuhen, Kettenhemd, Schwert und Ritterhelm zieht «Julius Tell» durch die Gassen von Luzern. Jeden Tag läuft er auf seiner Route von der Jesuitenkirche zum Schwanenplatz. Dort ist «Julius Tell» bei den Touristen ein beliebtes Fotosujet. «Er sieht aus wie einer der Schweizergarde», lacht Olga Nedrov aus Russland, nachdem sie ein Foto von ihm gemacht hat.

Doch eigentlich ist «Julius Tell» nicht zum Spass unterwegs: Seit 18 Tagen ist er im Hungerstreik und will mit seiner aussergewöhnlichen Erscheinung auf seinen Fall aufmerksam zu machen. Er fühlt sich von der Mobiliar-Versicherung ungerecht behandelt (siehe Box rechts). «Die Leute sprechen mich oft an und finden meine Aktion gut. Viele haben auch schon Probleme mit Versicherungen gehabt», erklärt «Julius Tell», der seinen richtigen Namen nicht verraten will und sein Gesicht hinter einem angeklebten Bart versteckt.

In den vergangenen Tagen hat er nun mit einem Kollegen Filmaufnahmen in Luzern gemacht. Daraus soll eine kurze Doku entstehen, um auch auf YouTube auf seine Geschichte aufmerksam zu machen. Den Hungerstreik und die Rundgänge als Ritter will er noch so lange wie nötig machen. Er hofft allerdings, dass es noch vor der Fasnacht eine Lösung gibt: «Denn an der Fasnacht würde ich als Ritter in Luzern gar nicht mehr auffallen.»

Ritter will mehr Geld für Kampfjet-Oldies

«Julius Tell» sammelt alte Flugzeuge, darunter einen Hunter, die er in Littau einlagerte. Bei zwei Hochwassern wurde das Material zerstört, und seither streitet der Mann mit der Mobiliar um die Höhe der Schadenssumme. «Tell» behauptet, die Versicherung biete ihm zu wenig Geld; um sich dagegen zu wehren, esse er seit 18 Tagen fast nichts mehr und laufe als Ritter verkleidet jeden Tag durch die Stadt. Zur «Neuen Luzerner Zeitung» sagte Mobiliar-Sprecher Jürg Thalmann: «Wir haben ihm mehrere Angebote gemacht und ihm mehr als die versicherte Summe angeboten. Unser Angebot steht. Mehr können wir nicht tun.» mme

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