Anzeige auf Airbnb: Touristen mieten Zimmer in besetzten Häusern
Aktualisiert

Anzeige auf AirbnbTouristen mieten Zimmer in besetzten Häusern

Studenten in zwischengenutzten Liegenschaften vermieten ihre Zimmer online an Touristen. Weil sie kaum Miete bezahlen, verdienen sie damit Geld.

von
tam
An der Freiestrasse in Zürich wird ein Zimmer in einem besetzten Haus vermietet.

An der Freiestrasse in Zürich wird ein Zimmer in einem besetzten Haus vermietet.

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In Winterthur und Zürich können Touristen Zimmer in besetzten und zwischengenutzten Gebäuden mieten. Unter anderem auf der Online-Plattform Airbnb gibt es mehrere entsprechende Angebote. Die Inserenten aus der linksautonomen Szene zahlen selbst nur wenig oder gar keine Miete, schlagen mit der Vermietung aber viel Profit.

Ein Insider sagt der «NZZ am Sonntag», dass die Praxis, die in Deutschland bereits üblich ist, auch in der Schweiz immer häufiger praktiziert werde. Bei Airbnb heisst es, dass bei Hinweisen auf unrechtmässige Vermietungen die Anzeigen gelöscht werden. Doch da sich Hausbesetzer nicht in einem Mietverhältnis befinden, werden Fälle meist nur von Gästen gemeldet, die nicht in abbruchreifen Gebäuden logieren wollen, so die Sonntagszeitung.

Für 45 Franken pro Tag

Ein Zimmer in einer zwischengenutzten Liegenschaft gibt es beispielsweise an der Freiestrasse in Zürich. Der Student wirbt mit der Nähe zu See und Bahnhof, weist aber auch darauf hin, dass «Lärm-Potenzial» besteht. Zu haben ist das Zimmer mit Doppelbett für 45 Franken pro Tag. Die Besitzerin der Liegenschaft sagt der «NZZ am Sonntag», man störe sich nicht an dieser Praxis.

«Dass Touristen ein Zimmer in besetzten und zwischengenutzten Liegenschaften angeboten wird, höre ich zum ersten Mal», sagt Walter Angst, AL-Politiker und Präsident des Stadtzürcher Mieterverbandes. Mit einem Preis von 45 Franken orientiere sich das Angebot an der Übernachtung in einem 6-Bettzimmer der Jugendherberge. «Von Bereicherung kann sicher nicht gesprochen werden. Deshalb kann ich im Angebot auch keinen Skandal erkennen.» Für die Eigentümer gebe es keinen Grund für eine Intervention.

«Geschäftsmodell ist entlarvend»

Michael Schmid, Fraktionschef der FDP Stadt Zürich, ist anderer Meinung: «Dieses neue Geschäftsmodell ist entlarvend für die Szene.» Hausbesetzer gäben sich sozial, versuchten aber mit fremdem Eigentum Geld zu erwirtschaften. «Das geht nicht. Bei null Aufwand 45 Franken zu verlangen, ist eindeutig zu viel.»

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