Ausgangsperre nach Putsch: Touristen sagen ihre Thailand-Ferien ab
Aktualisiert

Ausgangsperre nach PutschTouristen sagen ihre Thailand-Ferien ab

Die Urlauber an Thailands Traumstränden bekommen kaum etwas von der politischen Umwälzung im Land mit. Dennoch erhalten Hotels eine Stornierung nach der anderen.

von
Jocelyn Gecker
AP

Als Thailands Militär in der vergangenen Woche putschte, war der Deutsche Phil Könighaus ausgiebig am Schwofen. Er gab sich auf der Insel Koh Phangan der berühmten Half-Moon-Party hin. Nicht ein einziger Soldat war auf den weissen Sandstränden in Sicht, und das laute wilde Festival, stets ein Magnet für Touristen aus aller Welt, lief stundenlang auf vollen Touren. Nach etwas Erholung von zu ausgiebiger Feierei machte sich Könighaus mit seinem Rucksack auf den Weg nach Bangkok – unbeeindruckt von der Machtübernahme der Armee im Land.

«Ich habe mir gedacht, wenn ich die Half-Moon-Party überlebt habe, dann kann ich auch nach Bangkok gehen und dem Putsch ins Auge sehen», sagt der braungebrannte 19-Jährige, während er entspannt durch eines der belebten Nachtclubviertel der Hauptstadt zieht. «So habe ich mir einen Putsch nicht vorgestellt.»

Ausgangssperre verkürzt

Bisher spielt sich das Drama des militärischen Staatsstreiches hauptsächlich in der politischen Arena ab. Während die Armee Journalisten und Akademiker, die dem Putsch kritisch gegenüberstehen, vorlädt, von der Macht vertriebene Politiker festnimmt und via Fernsehen eindringliche Warnungen verbreitet, tummeln sich Touristen an den paradiesischen Stränden oder machen Sightseeing in Bangkok.

Der einzige spürbare Wermutstropfen war bisher eine Ausgangssperre von 22.00 Uhr bis 05.00 Uhr, aber das Militär verkürzte sie am Mittwoch auf Mitternacht bis 04.00 Uhr.

Touristen kaum betroffen

«Es ist wirklich so, als ob sich nichts geändert hätte», ausser, dass man vor 22 Uhr nach Hause musste», schildert die Touristin Rosemary Burt aus den USA. Sie bestaunt zusammen mit ihrer Tochter Dior Tidwell den Grossen Palast in Bangkok, um dann weiter durch die Stadt zu bummeln. Anfängliche Sorgen hätten sich verflüchtigt, sagt Tidwell. «Ich hatte gedacht, dass es ein bisschen gefährlich sein könnte.»

So zeigen denn auch bei Twitter veröffentlichte Fotos idyllische Szenen mit weissem Sand und kristallklarem Wasser in Phuket, Samui und anderen Ferienparadiesen. Ein Titel lautete: «Was für ein Putsch denn?»

Einbusse für Tourismus

Aber für Thailands Tourismusindustrie ist die Lage weniger entspannt. Hatten sich sechs Monate andauernde Proteste gegen die Regierung bereits negativ auf die Buchungen ausgewirkt, könnten der Putsch, die Ausgangssperre und Ungewissheit über die Halbwertszeit der Junta laut Branchenexperten zu herben Einbussen führen. Und ein solcher Schlag ist das Letzte, was die ohnehin schon herumkrebsende Wirtschaft gebrauchen könnte.

Der Tourismus macht etwa sieben Prozent der thailändischen Wirtschaft aus, zwei Millionen Arbeitsplätze hängen von dem Sektor ab. Noch bis vor kurzem zeigte er sich widerstandsfähig, trotz einem Jahrzehnt politischer Turbulenzen. Im vergangenen Jahr kamen 26,7 Millionen Besucher – 20 Prozent mehr als im Jahr davor und ein bisheriger Rekord. Aber die im November eskalierten politischen Protestaktionen im Land haben sich dann doch abschreckend ausgewirkt. Die Zahl ausländischer Touristen im ersten Drittel 2014 ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sechs Prozent zurück, wie Piyaman Tejapaibul vom thailändischen Tourist Council sagt.

Hoffen auf Demokratie

Die Präsidentin der privaten Organisation hat die Junta um eine Aufhebung der Ausgangssperre in Badeorten wie Phuket, Krabi, Pattaya und Samui ersucht. «Jeder im Land, vor allem im Tourismusgewerbe, hofft, dass die Militärherrschaft bald vorbei ist und Demokratie wiederhergestellt wird», sagte sie der «Phuket Gazette».

Mehr als 40 Staaten haben in Reisehinweisen auf die Lage in Thailand aufmerksam gemacht, so auch die USA, die ihren Bürgern von Besuchen abrieten, sofern diese nicht unbedingt nötig seien. In Hongkong, aus dem traditionell viele Thailand-Besucher kommen, haben Reiseveranstalter in den vergangenen Tagen mindestens 70 Gruppenreisen abgesagt. Hotelbetreiber in Bangkok sagen, dass der Putsch sie in Atem hält – mit jeder Menge Stornierungen.

Viele Stornierungen

«Wir haben binnen fünf Tagen mehr als 650 Absagen erhalten», schildert Deepak Ohri, Chefmanager des 358-Betten-Hotels Lebua. Die Fünf-Sterne-Einrichtung mit einer Dachterrassen-Bar in schwindelerregender Höhe versucht die Zimmer mit Hilfe von Sonderangeboten für Einheimische zu füllen. Stadtbewohner sollen zum Essen und Trinken kommen und dann die Nacht über bleiben – also nicht wegen der Ausgangssperre nach Hause eilen zu müssen.

Bevor die Preise für ausländische Touristen gesenkt werden, wollen die meisten Hotels aber noch abwarten, wie sich die Lage weiterentwickelt. Andere Unternehmen, die besonders vom Tourismus profitieren, haben sich auf ihre Weise an die Situation angepasst. Die Gogo-Bars im Rotlicht-Bezirk Patpong etwa öffneten wegen des Ausgangssperre drei Stunden früher als üblich.

Einige Bars haben länger offen

Nicht, dass sich bisher alle an die Sperre gehalten hätten. Bereits zum Wochenanfang liessen es einige Bars darauf ankommen und schenkten auch nach 22 Uhr noch eine Weile aus.

So gönnte sich der 51-jährige Brite Simon Robinson auf einer Pub-Terrasse an der Silom-Strasse noch ein Schlückchen, während die anderen Kneipen und Clubs in der Nachbarschaft schon die Türen geschlossen hatten. Dabei spielte wohl auch der Reiz des Verbotenen eine Rolle, wie Robinson andeutet: «Man fühlt sich ein bisschen unartig, nach Beginn der Ausgangssperre noch draussen zu sein.»

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