09.05.2018 14:11

Umfassende StudieTouristen sind grössere Klimakiller als gedacht

Australische Forscher haben neue Berechnungen zur CO2-Bilanz des globalen Reisens angestellt. Das Ergebnis: Wir müssen uns alle noch mehr an der Nase nehmen.

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Der Tourismus schadet dem Klima stärker als bislang angenommen. Auf ihn entfallen rund acht Prozent der globalen Treibhausgasemissionen, wie Forscher um Arunima Malik von der University of Sydney im Fachjournal «Nature Climate Change» schreiben.

Der Tourismus schadet dem Klima stärker als bislang angenommen. Auf ihn entfallen rund acht Prozent der globalen Treibhausgasemissionen, wie Forscher um Arunima Malik von der University of Sydney im Fachjournal «Nature Climate Change» schreiben.

Keystone/Christian Beutler
Frühere Studien waren auf geringere Werte gekommen. Doch die hätten nicht alle mit dem Tourismus zusammenhängenden Aspekte untersucht, sondern vor allem den mit dem Fliegen zusammenhängenden Treibhausgasausstoss, so das Team um Malik.

Frühere Studien waren auf geringere Werte gekommen. Doch die hätten nicht alle mit dem Tourismus zusammenhängenden Aspekte untersucht, sondern vor allem den mit dem Fliegen zusammenhängenden Treibhausgasausstoss, so das Team um Malik.

Keystone/ina Fassbender
So hätten jene Untersuchungen nicht die dem Tourismus zugrunde liegenden Lieferketten abgedeckt. Daher stellen sie nach Ansicht von Malik und ihren Kollegen keine echten CO2-Fussabdrücke dar. In der aktuellen Studie seien dagegen auch die Lieferketten für beispielsweise Speisen und Getränke berücksichtigt worden.

So hätten jene Untersuchungen nicht die dem Tourismus zugrunde liegenden Lieferketten abgedeckt. Daher stellen sie nach Ansicht von Malik und ihren Kollegen keine echten CO2-Fussabdrücke dar. In der aktuellen Studie seien dagegen auch die Lieferketten für beispielsweise Speisen und Getränke berücksichtigt worden.

Getty Images/Gilaxia

Der Ausstoss klimaschädlicher Treibhausgase durch den weltweiten Tourismus ist einer im Fachjournal «Nature Climate Change» publizierten Studie zufolge grösser als bisher angenommen. Ein Forschungsteam beziffert ihn auf rund acht Prozent der globalen Treibhausgasemissionen.

Die Wissenschaftler um Arunima Malik von der University of Sydney bezogen dabei mehr als nur die Auswirkungen von Transportmitteln und Hotels in ihre Analyse ein.

Genauer als frühere Arbeiten

Frühere Untersuchungen erbrachten nach Angaben der Forscher geringere Werte. So sei eine Studie von 2010 auf einen Treibhausgasausstoss mit der Klimawirkung von 1,12 Milliarden Tonnen Kohlendioxid (CO2-Äquivalente) für den globalen Tourismus gekommen. Dies habe damals etwa drei Prozent der weltweiten Emissionen ausgemacht.

«Diese Analysen decken jedoch nicht die dem Tourismus zugrunde liegenden Lieferketten ab und stellen daher keine echten CO2-Fussabdrücke dar.» Deshalb zählten Malik und Kollegen auch die klimaschädlichen Auswirkungen von Speisen und Getränken sowie Einzelhandelsangeboten zu den Folgen des internationalen Tourismus.

Fussabdruck von Touristen

Die Forscher stützten sich auf umfassende Daten zum Tourismus in 189 Ländern, unter anderem von der Weltorganisation für Tourismus (UNWTO). Diese Daten brachten sie in eine eigene Datenbank ein, um den CO2-Fussabdruck nach der Herkunft von Touristen aufschlüsseln zu können.

In einem weltweiten Ranking der Treibhausgasverursacher belegten die Touristen aus den USA und China die Ränge 1 und 2. Es folgten die Touristen aus Deutschland, Indien, Mexiko, Brasilien, Kanada und Japan.

Die wichtigsten Reisebewegungen. (Bild: University of Sydney)

Nach einer weiteren Teiluntersuchung ist der Treibhausgasausstoss durch den Tourismus von 2009 bis 2013 von 3,9 auf 4,5 Milliarden CO2-Äquivalente gestiegen. Das entspreche einer jährlichen Steigerungsrate von 3,3 Prozent, schreiben die Wissenschaftler.

Mit wachsendem Wohlstand erhöhe sich der Treibhausgasausstoss durch touristische Reisen sogar überproportional: Bei einem Bruttoinlandprodukt von mehr als 40'000 Dollar pro Kopf führe ein Anstieg des Wohlstands um 10 Prozent zu einem Anstieg des CO2-Fussabdrucks durch Reisen um bis zu 13 Prozent.

«Wahre Kosten»

Unter optimistischen Annahmen könne der Anstieg der Treibhausgasemissionen durch Touristen bis 2025 auf fünf Milliarden Tonnen begrenzt werden, prognostizieren die Forscher. Sollte sich am gegenwärtigen Trend allerdings nichts ändern, werde der tourismusbedingte klimaschädliche Ausstoss in sieben Jahren 6,5 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente betragen, denn die Nachfrage nach Reisen sei viel schneller gewachsen als der Konsum anderer Produkte und Dienstleistungen.

«Unsere Analyse ist ein erster weltweiter Blick auf die wahren Kosten des Tourismus – inklusive aller Konsumprodukte wie Essen ausser Haus und Souvenirs», sagte Malik. Die Forscher fordern, generell weniger zu fliegen und mehr Ausgleichsmassnahmen für den CO2-Ausstoss zu bezahlen.

Es gibt verschiedene Agenturen zur CO2-Kompensation, die mit diesem Geld Projekte für erneuerbare Energien unterstützen. Auch Steuern auf Kohlendioxid oder ein Emissionshandel – speziell für den Flugverkehr – seien wichtig, um die Emissionen durch den Tourismus einzudämmen, sagte Ko-Autorin Ya-Yen Sun von der National Cheng Kung University in Taiwan. (fee/sda)

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