Aktualisiert 02.04.2020 16:55

Coronavirus

«Touristen wären im Tessin nicht willkommen»

Tessiner und Behörden rufen Deutschschweizer auf, wegen des Coronavirus zu Hause zu bleiben. Wer komme, werde wohl nicht freundlich empfangen.

von
B. Zanni
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Aus Angst vor dem «Oster-Strom» fordern die Gemeindepräsidenten des Malcantone deshalb, dass die Zufahrten über den St. Gotthard und den San Bernardino geschlossen werden.

Aus Angst vor dem «Oster-Strom» fordern die Gemeindepräsidenten des Malcantone deshalb, dass die Zufahrten über den St. Gotthard und den San Bernardino geschlossen werden.

Keystone/urs Flueeler
Astrid Longariello aus Brissago hält die Schliessung der Zufahrten für dringend nötig. Sie habe den Eindruck, dass gewisse Touristen jedoch schon im Anmarsch seien, sagt die Journalistin mit Luzerner Wurzeln.

Astrid Longariello aus Brissago hält die Schliessung der Zufahrten für dringend nötig. Sie habe den Eindruck, dass gewisse Touristen jedoch schon im Anmarsch seien, sagt die Journalistin mit Luzerner Wurzeln.

Astrid Longariello
Das Leben im Tessin fühlt sich laut Longariello zurzeit nicht gut an. «Man kommt sich vor wie in einem Katastrophenfilm.» Die Angst der Leute sei überall spürbar. «Wenn hier mal zwei Menschen miteinander reden, dann halten sie mindestens fünf Meter Abstand.»

Das Leben im Tessin fühlt sich laut Longariello zurzeit nicht gut an. «Man kommt sich vor wie in einem Katastrophenfilm.» Die Angst der Leute sei überall spürbar. «Wenn hier mal zwei Menschen miteinander reden, dann halten sie mindestens fünf Meter Abstand.»

Astrid Longariello

Das Coronavirus trifft den Kanton Tessin mit voller Wucht. Zurzeit zählt dieser über 2200 Fälle. Rund ein Drittel aller Todesfälle schweizweit verzeichnet allein der Südkanton. Würden über die Ostertage wie jedes Jahr wieder massenhaft Touristen aus der Deutschschweiz in die Schweizer Sonnenstube fahren, drohte das Tessiner Gesundheitssystem zusammenzubrechen. Aus Angst vor dem «Oster-Strom» fordern die Gemeindepräsidenten des Malcantone deshalb, dass die Zufahrten über den St. Gotthard und den San Bernardino geschlossen werden.

Auch Stefan Blättler, Präsident der Konferenz der kantonalen Polizeidirektoren, warnte an der Medienkonferenz von Donnerstag eindringlich vor unnötigen Reisen. «Es ist jetzt nicht die Zeit, die Region und das besondere Flair des Tessins zu geniessen.»

Touristen seien früher im Anmarsch

Astrid Longariello aus Brissago hält die Schliessung der Zufahrten für dringend nötig. Sie habe den Eindruck, dass gewisse Touristen jedoch schon im Anmarsch seien, sagt die Journalistin mit Luzerner Wurzeln. Am Mittwoch sei ihr in ihrer Gegend, wo es viele Ferienwohnungen habe, ein Auto mit einer Zürcher und eines mit einer St. Galler Nummer aufgefallen.

«Weil der Bundesrat sagte, dass man über Ostern nicht ins Tessin fahren solle, kommen die Touristen wohl einfach früher», vermutet Longariello. Sie warnt: «Zurzeit ins Tessin zu gehen, ist einfach gefährlich.» Käme eine grosse Menge Touristen, würde sich das Virus im Südkanton noch mehr ausbreiten und die Spitäler überlasten.

«Wie in einem Katastrophenfilm»

Das Leben im Tessin fühlt sich laut Longariello zurzeit nicht gut an. «Man kommt sich vor wie in einem Katastrophenfilm.» Die Angst der Leute sei überall spürbar. «Wenn hier mal zwei Menschen miteinander reden, dann halten sie mindestens fünf Meter Abstand.»

Draussen sei die Stimmung gespenstisch, so Longariello. «Die Strassen sind menschenleer. Wer keinen Hund hat und zu lange draussen ist, wird schief angeschaut.» Auch sie kürze die Spaziergänge mit ihren beiden Hunden stark ab. Immer wieder werde sie zudem Zeugin davon, wie der Krankenwagen infizierte Personen in ihrem Quartier abhole. «Da bekommt man Gänsehaut.»

Für Longariello steht fest, dass Touristen ihre Reise ins Tessin sofort bereuen würden. «Hier werden sie sich nur langweilen. Auch würden die Tessiner es die Gäste spüren lassen, dass sie in dieser Krise nicht willkommen sind.»

Feriengast verzichtet

W. G.* (58) aus Wettswil am Albis ZH besitzt seit zehn Jahren eine Ferienwohnung in Ascona. Kommende Ostern fahre er nicht ins Tessin, sagt der Vermögensverwalter. «In einer solchen Situation geht man nicht ins Tessin. Man würde sich dort auch keine Freunde machen.» Er bitte alle Ferienhausbesitzer, es ihm gleichzutun.

Feriengäste wie W. G. handeln auch im Sinne der Tourismusbranche. In seiner #stayathome-Kampagne appelliert Ticino Turismo daran, zu Hause zu bleiben. Ein Videogruss im Namen der Sonnenstube der Schweiz fordert die Deutschschweizer auf: «Ich habe kein Verfallsdatum. Ich bleibe. Bleibt ihr für diesen Moment bitte auch zu Hause, damit wir alle möglichst schnell wieder gemeinsam die Schönheiten unseres Landes und diejenigen des Tessins geniessen können. A presto!»

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*Name der Redaktion bekannt

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