Aktualisiert 14.09.2016 13:25

Sicherheit am Oktoberfest

Trachtler und Schützen werden zweimal gefilzt

Nur noch wenige Tage fehlen bis zum Oktoberfest – doch Hotels in München haben immer noch freie Zimmer. Die Angst vor Terroranschlägen dämpft den Ansturm.

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mch
Findet diesmal unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt: Teilnehmer eines traditionellen Schützenzugs am Oktoberfest 2015. (Archivbild)

Findet diesmal unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt: Teilnehmer eines traditionellen Schützenzugs am Oktoberfest 2015. (Archivbild)

Keystone/Mathias Balk/EPA

«Auf eine friedliche Wiesn» – das wird Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Samstag beim Fassanstich zur Eröffnung des Oktoberfests wie in jedem Jahr rufen. Was in den vergangenen Jahren schon fast wie eine Floskel klang, ist in diesem Jahr das Hauptthema des grössten Volksfests der Welt. Nicht der Richtung elf Euro pro Mass galoppierende Bierpreis, nicht die feschen Dirndl – das Thema Sicherheit überlagert alles.

Seit den Anschlägen von Würzburg und Ansbach sowie dem Amoklauf von München richtet sich der Fokus vieler Oktoberfestfans ganz auf die Frage, ob nicht auch die von jährlich um die sechs Millionen Menschen aus dem In- und Ausland besuchte Grossveranstaltung Ziel eines Attentats werden könnte.

Zögerliche Nachfrage

Polizeivizepräsident Werner Feiler betont, es gebe «keine konkreten Bedrohungshinweise». «Jeder Besucher kann sich auf dem Oktoberfest sicher fühlen.» Die Botschaft Feilers bei der Präsentation des diesjährigen Sicherheitskonzepts ist nicht neu, auch die Politiker und die Wirte der 14 grossen Festzelte der Münchener Brauereien sagen seit Tagen Ähnliches.

Doch die Botschaft scheint nicht überall zu verfangen. Während in den vergangenen Jahren wiederholt auf dem Schwarzmarkt für horrende Summen Reservierungen für die Bierzelte verkauft wurden, gibt es jetzt Stornierungen von Plätzen. Und während sonst zu Oktoberfestzeiten die Münchener Hotels nahezu ausgebucht sind, gibt es – bei zwar deutlich erhöhten Preisen – nun noch viele freie Zimmer.

Sicherheitskonzept verschärft

Was bei Wirten und Hoteliers vor dem bis zum 3. Oktober dauernden Volksfest, das für einen Milliardenumsatz steht, Sorgenfalten auslöst, weckt bei Ur-Münchenern dagegen eher freudige Erwartungen. «Vielleicht wird die Wiesn ja dann wieder mehr zu einem richtigen Volksfest ohne Gedränge», sagt ein städtischer Mitarbeiter. Zuletzt gab es das 2001 – nach den Anschlägen vom 11. September kamen aus Sorge vor Attentaten deutlich weniger Besucher.

Schon damals war das Sicherheitskonzept für das Oktoberfest deutlich verschärft worden, über die Jahre wurde es weiter ausgebaut. So wurden rund um die Theresienwiese für mehrere Millionen Euro herausfahrbare Poller installiert, die verhindern, dass etwa wie beim Anschlag in Nizza ein Fahrzeug auf das Gelände fahren und durch die Menschenmengen rasen kann.

Rucksäcke und Taschen verboten

In diesem Jahr nun ermöglichte der Stadtrat das im Frühjahr ursprünglich noch abgelehnte Einzäunen des gesamten Geländes. Die Zäune wurden erst in dieser Woche aufgebaut. Sie sind so feinmaschig, dass niemand einfach drüber klettern kann. Ausserdem sind sie so flexibel, dass sie im Fall einer Panik in Sekunden geöffnet werden können.

Die Zäune sollen dabei helfen, das ebenfalls erlassene Verbot für Rucksäcke und grosse Taschen auch durchzusetzen – denn so müssen alle Besucher durch die offiziellen Eingänge, wo die Kontrollen so scharf sind wie nie zuvor. Ausserdem wurde die Videoüberwachung auf 29 fest installierte Kameras deutlich ausgebaut, die Zahl der eingesetzten Polizisten wurde von 500 auf 600 erhöht.

Die rund 9000 Teilnehmer des traditionellen Trachten- und Schützenzugs am Sonntag werden das deutlich zu spüren bekommen. Wie die Münchner Zeitung «Merkur» schreibt, müssen sie sich gleich zweimal einem Sicherheitscheck unterziehen – vor dem Beginn des Umzugs und kurz vor dem Festgelände.

«Alle Wiesn-Biere sind absolut sicher»

Bei allem Sicherheitsaufwand bemühen sich die Verantwortlichen, wieder mehr darüber zu reden, dass das Oktoberfest das Fest der Münchener Biere ist. Kurz vor dem Fassanstich gab es eine Probe der mit einem Alkoholgehalt von um die sechs Prozent starken Biere. Dabei klopften sich die Brauer gegenseitig auf die Schultern und priesen ihre Biere für beste Rohstoffe.

Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) bemühte sich zudem redlich, die Sicherheitsdebatte aufzulockern: «Alle Wiesn-Biere sind absolut sicher, man braucht für diese auch keinen Rucksack.» (mch/afp)

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