Aktualisiert 09.01.2017 05:55

Nahrungshype Traditionelles Fasten wird zum Lifestyle-Ritual

Freiwillig auf Nahrung zu verzichten, werde immer populärer, sagt eine Berner Fastenberaterin. Während diese den Trend begrüsst, ist ein Konsumpsychologe mehr als skeptisch.

von
miw / sul

Natur-Heilkundlerin Astrid Flender gibt Tipps für die Fastenzeit.

Aus einer religiösen Tradition wird zunehmend ein Lifestyle-Trend: «Fasten wird immer beliebter», weiss Astrid Flender, Inhaberin der Praxis für Homöopathie und Fasten in Bern. Gerade im Frühling – während der 40-tägigen Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Karsamstag – wird öfters aufs Essen verzichtet. Frauen und Männer ab 20 Jahren würden freiwillig und bewusst über kürzere Zeiträume nur von Tee, Wasser und flüssiger Gemüsesuppe (ohne Gemüse) leben. «Fasten boomt!»

Nicht nur tierische oder etwa laktosehaltige Produkte werden so vom Menüplan 2.0 gestrichen, es wird gar ganz aufs Essen verzichtet. «Je länger und intensiver man fastet, desto mehr reinigt und regeneriert sich der eigene Körper», sagt die Berner Fastenberaterin. Was etwa für gläubige Christen eine Art Enthaltsamkeit vor dem grossen Osterfest war, soll heute also der eigenen Gesundheit dienen.

Gesunde Ernährung zelebrieren

Während die Berner Fastenberaterin vom Absterben kranker und Stärken gesunder Zellen spricht, ist Konsumpsychologe Christian Fichter alarmiert. Gesundes Essen an sich sei bereits ein Mega-Trend, «mit dem Fasten-Boom nimmt das Ganze aber ungesunde Formen an», so Fichter. Was vor rund zehn Jahren mit Bio-Produkten begann, würde durch den vermehrten Nahrungsverzicht extremer und radikaler.

Erstaunt über die Entwicklung ist Fichter dennoch nicht: «Bewusstes, gesundes Essen wird derzeit in der Schweizer Gesellschaft als Norm betrachtet und gegen aussen auch stark zelebriert.» Der grösste Teil sei so durchschnittlich auf den Ernährungs-Hype aufgesprungen. Während sich wenige gar nicht dafür interessieren, gibt es laut Fichter auch das gegenteilige Verhalten: «Einzelne trieben diesen Trend auf die Spitze», sagt der Konsumpsychologe, «etwa in dem sie ihren Körper mit Anabolika aufpumpen – oder eben, in dem sie auf feste Nahrung verzichten.»

Genug Flüssigkeit, kein exzessiver Sport

Flender teilt die Bedenken des Konsumpsychologen nicht. Fasten gehöre schliesslich zur Geschichte des Menschen dazu. «Bis in die 50er Jahre gab es immer wieder Zeiten, in denen Menschen nicht ausreichend Nahrung zur Verfügung hatten», sagt die Heilkundlerin. Gerade während der traditionellen Fastenzeit im Frühling sei der Verzicht auf Nahrung ideal; «die Temperaturen sind angenehm; es ist weder zu kalt, noch zu heiss», so Flender. Wichtig sei zudem, sich während des Fastens an gewisse Regeln zu halten. «Man sollte genug Wasser und Tee trinken und exzessive sportliche Aktivitäten vermeiden.»

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