Neu im Kino: «Gegen die Wand»: Traditionen, Mord – und Liebe auf den 2. Blick
Aktualisiert

Neu im Kino: «Gegen die Wand»Traditionen, Mord – und Liebe auf den 2. Blick

Der Siegerfilm der diesjährigen Berlinale «Gegen die Wand» ist ein intensives, rohes Beziehungsdrama.

Der türkischstämmige deutsche Regisseur Fatih Akin hat sich der Secondo-Thematik verschrieben: Wie in seinen früheren Filmen «Kurz und schmerzlos», «Im Juli» und «Solino» behandelt er auch in seinem neusten Film «Gegen die Wand» sein Lieblingssujet: Cahits (Birol Ünel) Selbstmordversuch scheitert. In einer Hamburger Rehabilitationsklinik lernt der Aussteiger, der von seiner türkischen Herkunft nichts mehr wissen will, die Türkin Sibel (Sibel Kekilli) kennen. Die knapp 20-Jährige kämpft gegen die Traditionen ihres Elternhauses. Deshalb heiratet sie einen Mann ihrer Wahl, nämlich Cahit, obwohl sie sich kaum kennen. Aus Eifersucht erschlägt Cahit aus dem Affekt heraus einen von Sibels Liebhabern. Sibel verspricht, auf ihren Mann zu warten, bis er aus dem Gefängnis entlassen wird. Als er die Strafe abgesessen hat, ist Sibel verschwunden: Sie ist in Istanbul.

An der Berlinale sorgte «Gegen die Wand» gleich zweimal für Aufregung: Erstens wurde er zum besten Film des Festivals gekürt und zweitens fand die «Bild»-Zeitung heraus, dass die Hauptdarstellerin Sibel Kekilli früher Pornodarstellerin war. Letzteres spielt eigentlich keine Rolle, denn «Gegen die Wand» ist rohes, spannendes und intensives Kino, das den Zuschauer von Beginn weg auf etwas depressive Weise in seinen Bann zieht.

Benjamin Bögli

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