Premier League: Traditionsklubs in der Krise
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Premier LeagueTraditionsklubs in der Krise

Die einen ärgern sich über die Transferpolitik, die anderen schlittern von einem Problem ins nächste und die letzten werden womöglich bald übernommen. Gemeinsam haben Tottenham, Newcastle und Everton eines: Die Traditionsklubs stecken in der Krise.

von
Reto Fehr

Ein seltsames Bild eröffnet sich dem Fussball-Fan, der in diesen Tagen einen Blick auf die englische Premier League wirft: Tottenham ist noch sieglos Letzter, nur einen Rang davor findet man mit Newcastle schon den zweiten Traditionsverein in Nöten und gerade noch knapp über dem Strich liegt Everton auf dem enttäuschenden Rang 14.

Falsche Transferpolitik der Spurs

Dunkle Nacht herrscht in Tottenham. Die Spurs sind das einzige Team, welches in dieser Saison noch nie gewonnen hat. Dabei wurden die Neuverpflichtungen unter anderem von Roman Pawljutschenko, Luka Modric oder David Bentley schon vor der Saison gefeiert. Die Abgänge von Robbie Keane (Liverpool) und Dimitar Berbatov (ManU) schienen kompensiert. Der Angriff auf die «Fab Four» der Liga vorprogrammiert. Doch Ernüchterung ist eingekehrt an der White Hard Lane. So fürchtet beispielsweise Pawljutschenko gemäss dem «Mirror» bereits, dass er mit dem Wechsel nach England einen grossen Fehler gemacht hat. Kein Wunder macht sich der Stürmer solche Gedanken. Denn seit dem Carling-Cup-Triumph im Februar haben die Londoner nur drei von 18 Liga-Spielen gewonnen. Boss Juande Ramos bleibt aber (Zweck-)optimistisch: «In diesen schweren Zeiten müssen wir positiv und optimistisch bleiben.»

Dabei muss er jedoch bald Resultate liefern. Am besten schon am Donnerstag im Uefa-Cup-Spiel gegen Wisla Krakau. Eine mögliche Antwort auf die Frage warum Tottenham so schlecht aus den Startblöcken kam, liefert der ehemalige Trainer Terry Venables. Er sieht den Fehler in Dimitar Berbatov, welcher den Verein nach wochenlangem Hickhack in Richtung ManU verliess. Tottenham habe auf ihn gesetzt, er dem Verein aber nur die kalte Schulter gezeigt. Dabei hat der Bulgare immer von seinem «Traum» gesprochen, einmal für ManU zu spielen. Doch was geschieht jetzt mit dem Traum der Spurs?

Newcastle vor Verkauf

Ähnlich düster sieht die Lage bei Newcastle aus. Trotz Stars wie Obafemi Martins, Shay Given oder Michael Owen dümpelt das Team im Tabellenkeller herum. Zur schlechten sportlichen Lage kommen bei den Magpies auch noch ganz andere Probleme. Rund um den St. James Park herrscht Chaos. Schon in der letzten Saison lief es nicht rund, bis Kevin Keegan die Mannschaft übernahm. Doch in dieser Saison wurde der Trainer aus seinem Amt enthoben. Dies erzürnte die Fans. Besitzer Mike Ashley – der Newcastle erst vor rund einem Jahr kaufte - ist nach Fanprotesten gewillt seine Mannschaft wieder zu verkaufen. Rund 300 Millionen Pfund fordert der Besitzer gemäss einem Bericht von «BBC» für das Team noch. Anfänglich waren es rund 450 Millionen Pfund. Doch das war niemand bereit zu zahlen. Möglich ist im Moment gar, dass ein Konsortium aus Nigeria den Verein übernimmt. Wer auch immer den Verein kauft: Die Proteste der Fans werden wohl nicht aufhören und die Rufe, welche Keegan zurück auf dem Trainerstuhl wollen, werden nicht verhallen.

Milliardenschwerer Inder für Everton?

Beim Thema Übernahme kommen wir zum dritten Krisenklub in der Premier League. Dem FC Everton. Auch die Liverpooler wollten in dieser Saison wieder angreifen. Doch das Resultat nach sechs Runden ist ernüchternd: Rang 14. Hinter Hull City, Wigan Athletic oder West Brom. Und noch viel schlimmer: Am Wochenende gabs eine 0:2-Pleite im Heimspiel gegen Stadtrivale und Erzfeind Liverpool. Zudem sollen auch die Kicker der Merseyside vor einer Übernahme stehen. Wie der «Mirror» berichtet, will ein indischer Investor den Verein kaufen. Anil Ambani, so der Name des möglichen Käufers, ist mit einem Vermögen von rund 20 Milliarden Pfund der sechstreichste Mann der Welt. Ambani hielt erst Ausschau nach Newcastle oder Liverpool, aber jetzt soll er sich auf Everton konzentrieren. Und ein milliardenschwerer Investor will sicherlich nicht im hinteren Mittelfeld der Premier League herumdümpeln.

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