Aktualisiert 21.01.2005 11:22

Tränen an Moshammers Sarg

Schon ab 08.30 Uhr warten am Freitag rund 40 Münchner vor der evangelischen Lukaskirche, um Rudolph Moshammer an seinem aufgebahrten Sarg die letzte Ehre zu erweisen.

Als sich die Tür endlich öffnet, drängen sie ins Innere. Vor dem Altar steht der mit weissen Lilien, Moshammers Lieblingsblumen, geschmückte Mahagoni-Sarg. Daneben ein Bild von Moshammer, wie ihn München kannte und liebte: Das lackschwarze Haar hochtoupiert, auf dem Arm die Yorkshire-Hündin Daisy, seine treueste Begleiterin. Aus den Lautsprechern erklingt Haydn, den er auch in seiner Edelboutique «Carnaval de Venise» häufig spielte.

Manchen rührt die Szene zu Tränen. «Es tut mir weh, wie er gestorben ist. Ich möchte mich daran erinnern, was er alles für die Armen getan hat», sagt Therese Kölbl und wischt sich die feuchten Augen. «Eine grossartige Trauerfeier, das war sein Wille. So einen wie ihn wird es nicht mehr geben, er hatte immer etwas für die kleinen Leute übrig», stimmt Franz Xaver Reichl zu.

Die Motive der Besucher sind so vielfältig wie Moshammers Facetten: Die einen vermissen den schrägen Showmenschen, die anderen den sozial engagierten Millionär und mancher gar seine gewagten Kreationen. Reine Schaulust scheint kaum jemanden an den Sarg zu treiben. Die meisten tragen sich in die Kondolenzliste ein, die neben dem Ausgang aufliegt.

«Er war ein Symbol für das Andersdenken. Er verkörperte München, wie es sein soll», sagt Sandra Mendheim über «Mosi», der seine grossen Auftritte gerne auch in Gewändern nach Art des 18. Jahrhunderts zelebrierte. «Er wird uns sehr fehlen», pflichtet Luise Griesbeck bei. Ihren Verein für sozial schwache Jugendliche habe Moshammer unterstützt. Er sei öfter zum Kaffee gekommen: «Er war sehr zugänglich und hat gespürt, wer Hilfe braucht.» Die Trauerzeremonie sei zwar pompös, aber «er hat es verdient», sagt Griesbeck.

Apotheker Philipp Rank kaufte regelmässig bei Moshammer in der Maximilianstrasse ein: «Ich habe sehr viele Krawatten und Hemden zu Hause.» Er sei immer sehr freundlich gewesen. «Ich bin gekommen, um ein letztes Mal für Herrn Moshammer zu beten», sagt Rank leise.

Am (morgigen) Samstag wird Rudolph Moshammer mit einem Trauerzug durch die Münchner Innenstadt zum Ostfriedhof gebracht. Zu seiner Beerdigung sind 300 Gäste geladen. Im Mausoleum neben seiner Mutter Else soll Moshammer die letzte Ruhe finden. (dapd)

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