Demo gegen Gewalt an Frauen – «Tragen unsere Wut und Trauer auf die Strasse»
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Demo gegen Gewalt an Frauen«Tragen unsere Wut und Trauer auf die Strasse»

Gewaltverbrechen gegen Frauen haben in der Schweiz zugenommen. Mit Kundgebungen in Zürich und Luzern wollen Demonstrierende auf die Problematik aufmerksam machen.

von
Monira Djurdjevic
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Rund 50 Personen haben sich am Donnerstabend auf dem Helvetiaplatz im Zürcher Kreis versammelt. 

Rund 50 Personen haben sich am Donnerstabend auf dem Helvetiaplatz im Zürcher Kreis versammelt.

20min/sac
Zuvor hatten die Demonstrierenden auf Instagram angekündigt: «Wir tragen unsere Wut und Trauer am Donnerstag auf die Strasse.»

Zuvor hatten die Demonstrierenden auf Instagram angekündigt: «Wir tragen unsere Wut und Trauer am Donnerstag auf die Strasse.»

20min/sac
Auch in Luzern fand eine Kundgebung statt. 

Auch in Luzern fand eine Kundgebung statt.

20min/Tino Limacher

Darum gehts

  • In Zürich und Luzern fanden am Donnerstagabend Kundgebungen statt.

  • Die Demonstrierenden wollen auf die Zunahme von Gewaltverbrechen gegen Frauen aufmerksam machen.

Im Jahr 2021 häufen sich Gewaltverbrechen gegen Frauen: Am Donnerstag ereignete sich mit der Tötung einer 58-Jährigen in Vandoeuvres im Kanton Genf bereits der 25. Femizid im laufenden Jahr. Um auf die Problematik aufmerksam zu machen, fanden am Donnerstagabend Kundgebungen in Zürich und Luzern statt. «Wir erwarten von der Politik und der Gesellschaft, dass man mehr Bewusstsein für Femizide schafft und das Problem beim Namen nennt», sagt eine Demonstrierende in Luzern. Auf dem Bahnhofplatz zündeten die Menschen Kerzen für die Opfer an.

Zur gleichen Zeit versammelten sich auf dem Helvetiaplatz im Zürcher Kreis 4 rund 100 Personen. Zuvor hatten die Demonstrierenden auf Instagram angekündigt: «Wir tragen unsere Wut und Trauer am Donnerstag auf die Strasse, für die Ermordeten, die Überlebenden, die Hinterbliebenen, für die Freiheit und für das Leben, gegen Femizide.» Rund 30 Personen machten sich nach der Kundgebung auf dem Helvetiaplatz auf den Weg zum Bändliquartier in Zürich-Altstetten gehen, um dort ein Zeichen zu setzen. Letzte Woche wurde dort die 30-jährige Mutter F. A.* getötet. Die Polizei nahm den dringend tatverdächtigen Ehemann, einen 46-jährigen Türken, fest.

Nur drei Tage später ereignete sich in Glarus erneut ein Femizid. In Netstal kam es in der Nacht von Samstag auf einem Parkplatz zu Schussabgaben in einem Auto, bei denen die 30-jährige N. K.* tödlich getroffen wurde. Der mutmassliche Täter ist ein 27-jähriger Mann. Am Montag hat dann in Rapperswil-Jona SG ein Vater mutmasslich seine zwölfjährige Tochter und danach sich selbst getötet.

Brunnen rot eingefärbt

Im März wurde der Dorfbrunnen in Oberwinterthur als Reaktion auf den Femizid in Winterthur rot eingefärbt. Die 32-jährige Mutter J. S.* wurde im Februar mit Schussverletzungen in einem Mehrfamilienhaus in Winterthur tot aufgefunden. Der 76-jährige S. M.* aus Serbien wurde vor Ort festgenommen. Er ist der Grossvater des 36-jährigen Ehemanns der Getöteten. Nur kurz darauf wurde in Buchs SG die 22-jährige Mutter L. G.* getötet. Sie hinterlässt ein 1,5-jähriges Kind. Der mutmassliche Täter: ihr Verlobter. N. O.* (24) wurde verhaftet.

Jede Woche erfolgt in der Schweiz ein Tötungsversuch in Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Alle zwei Wochen stirbt eine Frau, durchschnittlich sind es 25 Personen pro Jahr, die infolge häuslicher Gewalt ihr Leben verlieren. Das zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik für die Jahre 2009 bis 2018. Die Chronologie des Rechercheprojekts Stop Femizid listet 25 Fälle auf, die an die Öffentlichkeit gelangt sind. Hinzu kommen acht versuchte Femizide. Zum Vergleich: 2020 zählte die Liste 16 vollendete und fünf versuchte Femizide.

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Die 32-jährige Mutter J. S.* wurde im Februar mit Schussverletzungen in einem Mehrfamilienhaus in Winterthur tot aufgefunden.

Die 32-jährige Mutter J. S.* wurde im Februar mit Schussverletzungen in einem Mehrfamilienhaus in Winterthur tot aufgefunden.

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Der 76-jährige S. M.* aus Serbien wurde vor Ort festgenommen. Er ist der Grossvater des 36-jährigen Ehemanns der Getöteten.

Der 76-jährige S. M.* aus Serbien wurde vor Ort festgenommen. Er ist der Grossvater des 36-jährigen Ehemanns der Getöteten.

20 Minuten
Der Vater der Getöteten berichtete nach der Tat von Eheproblemen des Paares. «Meine Tochter wollte sich von ihrem Ehemann scheiden lassen.» 

Der Vater der Getöteten berichtete nach der Tat von Eheproblemen des Paares. «Meine Tochter wollte sich von ihrem Ehemann scheiden lassen.»

20 Minuten

*Name der Redaktion bekannt

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Suizidgedanken? Oder hast du jemanden durch Suizid verloren?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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