Spannender Prozess: Tragischer Unfall oder brutale Tötung?

Aktualisiert

Spannender ProzessTragischer Unfall oder brutale Tötung?

Seit Freitag steht ein 40-jähriger Physiotherapeut vor dem Zürcher Obergericht. Er soll seiner schwangeren Freundin das Genick gebrochen haben.

von
Attila Szenogrady

Am Freitag standen sich vor dem Zürcher Obergericht extreme Anträge gegenüber. «Beim Beschuldigten gibt es von Anstand, Reue und Einsicht keine Spuren», plädierte Staatsanwältin Bettina Groth und forderte Schuldsprüche wegen vorsätzlicher Tötung sowie strafbaren Schwangerschaftsabbruchs. Zudem wegen Vergewaltigung, da der heute 40-jährige Schweizer tschechischer Abstammung bereits im Frühjahr 2007 in Horgen eine Freundin vergewaltigt haben soll. Wofür die Anklägerin eine hohe Freiheitsstrafe von 20 Jahren verlangte.

Der Hauptvorwurf geht auf den 26. August 2009 zurück. Damals besuchte der Beschuldigte seine schwangere Freundin in deren Stadtzürcher Wohnung. Als er ihr eröffnete, dass er mit einer tschechischen Ärztin ein Verhältnis habe, die ebenfalls ein Kind von ihm erwarte, rastete die Fitnesstrainerin aus und griff ihren Partner an.

Fest steht, dass es zu einem Gerangel kam, wonach die Geschädigte mit einem Genickbruch tot am Boden lag. Ebenso sicher ist, dass der Beschuldigte eine Leiter neben die Leiche stellte und das Weite suchte. Wenige Tage später wurde er von der Polizei festgenommen, wobei er ausführte, seine Freundin sei während der Keilerei bei einem Sturz aus Versehen ums Leben gekommen.

In erster Instanz 15 Jahre kassiert

Beim ersten Prozess vor dem Bezirksgericht Zürich hatte der Beschuldigte mit seiner Unfallversion keinen Erfolg: Er kassiert wegen vorsätzlicher Tötung und weiteren Delikten eine hohe Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Das Bezirksgericht lastete dem Beschuldigten in erster Linie an, dass er nach dem angeblichen Unfall keine Sanität beigezogen habe.

Die Verteidigung, ein anderer Anwalt als vor Bezirksgericht, legte Berufung ein und fordert nun vor Obergericht erneut einen vollen Freispruch. Dabei kritisierte der Verteidiger vor allem einen Rechtsmediziner, der einen Unfall ausgeschlossen hatte. Aufgrund der Verletzungen am Halswirbel sei es erwiesen, dass kein Tötungsdelikt vorliege, zeigte sich der Verteidiger überzeugt. «Es war ein Unfall», plädierte er. Der Beschuldigte hinterliess in seinem Schlusswort nicht den besten Eindruck. Er holte zu einem emotionalen Rundumschlag gegen viele Beteiligte des Verfahrens aus und hielt fest, dass er sich um seine getötete Ex-Freundin und das Kind trotz der Trennung fürsorglich gekümmert hätte.

Gibt es nun 20 Jahre Gefängnis oder Freispruch? Das Obergericht wird das Urteil am kommenden 20. März eröffnen und mündlich begründen. So lange muss der Physiotherapeut sicher noch im Gefängnis bleiben.

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