Aktualisiert 09.04.2020 07:55

Handschuhe beim Einkaufen

«Tragt keine Handschuhe, desinfiziert die Wägeli!»

Coop bietet seinen Kunden neu Einweghandschuhe an, damit sich diese beim Einkaufen sicherer fühlen. Laut einem Experten vermitteln sie aber eine trügerische Sicherheit.

von
Qendresa Llugiqi

Weil gewisse Kunden beim Einkaufen den Griff des Einkaufswagens und des Körbchens nicht berühren wollen, bietet Coop ihnen seit Anfang Woche Einweghandschuhe an. Sprecherin Rebecca Veiga sagt: «Es handelt sich um eine Option für diejenigen Kundinnen und Kunden, die sich so sicherer fühlen. Die Verwendung ist freiwillig.» Die Einweghandschuhe bestehen aus demselben Material wie die Raschelsäckli aus der Gemüseabteilung, die zuvor von den Kunden über die Hände gestülpt wurden. Ohnehin findet sich am Ein- und Ausgang Desinfektionsmittel. Dieses wird laut der Sprecherin von den meisten Kunden verwendet.

Bei Aldi Suisse werden je nach Region ebenfalls Handschuhe angeboten, wie Sprecher Philippe Vetterli sagt. «Etwa in unseren Tessiner Filialen. Die Handschuhe werden auf Nachfrage vom Sicherheitspersonal am Eingang ausgehändigt. Dies tun wir, um zu vermeiden, dass grössere Mengen für andere Zwecke entwendet werden.» Bei Migros und Lidl gibt es zwar keine Einweghandschuhe, doch auch sie bieten den Kunden die Raschelsäckli zur alternativen Nutzung an.

In anderen Ländern – etwa in Slowenien und den Vereinigten Arabischen Emiraten – ist das Tragen von Handschuhen und Masken in Geschäften und öffentlichen Räumen in Corona-Zeiten sogar Pflicht. Zwar gibt es in Tokio keine Pflicht, doch dort gilt es mittlerweile als unhöflich und fahrlässig, keine Handschuhe und keine Maske zu tragen.

«Desinfiziert besser den Einkaufswagen»

Andreas Widmer, Leiter der Spitalhygiene am Unispital Basel, rät allerdings von Handschuhen ab: «Im besten Fall schützt man sich selbst. Weil man sich aber sicher fühlt, fasst man alles an und riskiert so Viren zu verschleppen, mit denen sich andere anstecken.» Auch würden viele die zwingend notwendige Händedesinfektion nach dem Tragen der Handschuhe vergessen: «Beim Ausziehen kontaminieren sich viele die Hände mit der Aussenseite des Handschuhes und desinfizieren danach die Hände nicht. Damit haben sie letztlich mehr Keime auf der Haut als ohne Handschuhe. Das ist insbesondere dann fatal, wenn man sich danach – im Irrglauben, sich ja geschützt zu habe – mit den nicht desinfizierten Händen ins Gesicht fasst», sagt Widmer. «Ohne Handschuhe ist man generell vorsichtiger – das gilt übrigens ebenso im Spital.»

Weiter weist er darauf hin, dass Plastikhandschuhe keine genormte Sicherheit haben: «Daher haben sie häufig schon nach dem Anziehen Löcher. Spätestens nach einigen Minuten.» Man denke bloss an die eingeschweissten Produkte mit den spitzen Ecken.

Widmer rät: «Tragt keine Handschuhe, desinfiziert besser die Einkaufswägeli. Ich mache das auch so, mit einem Einwegtuch von der Rolle, wie es Migros und Coop am Eingang anbieten.» Eine weitere Möglichkeit wäre, eigenes Händedesinfektionsmittel mitzubringen. Falls doch zu Handschuhen gegriffen werde, rät Widmer, nicht alles anzufassen und dadurch zur Verbreitung von Keimen beizutragen.

Coop hält fest, dass auch die tägliche Reinigung intensiviert wurde. Zu dieser gehörten beispielsweise auch die Self-Checkout-Kassen, Kassenterminals und Einkaufswagen und Körbli. Wir haben an unseren Kassen Plakate aufgestellt, die auf das Social Distancing und auf die Möglichkeit der Kartenzahlung hinweisen. Zudem werden am Boden vor den Kassen auffällige Abstandslinien angebracht.

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