Bob: Trainer-Hickhack bei Swiss Sliding
Aktualisiert

BobTrainer-Hickhack bei Swiss Sliding

An den Schweizer Bob-Meisterschaften gaben Veränderungen im Betreuerstab fast mehr zu reden als die Resultate.

Eric Alard und Petr Ramseidl sind ab sofort mit mehr Kompetenzen ausgestattet. Der bisherige Chef-Trainer Janis Kipurs und Steve Anderhub verlieren Einfluss.

Der neue starke Mann unter den Swiss-Sliding-Coaches heisst Eric Alard. Wie Geschäftsführer und Bob-Sportchef Reto Götschi bestätigt hat, ist der Franzose vom Co- zum Chef-Trainer aufgestiegen. Götschi spricht im Zusammenhang mit dieser Beförderung von einem «Strategie-Wechsel». Alard soll in den Aufgabengebieten Planung und Analyse eine federführende Rolle übernehmen. Bei wichtigen internationalen Wettkämpfen ist neuerdings er der Delegationsleiter - als Ersatz für Steve Anderhub, dem andere Betätigungsfelder zugeordnet werden sollen.

Die brisanten Entwicklungen bedeuten, dass Janis Kipurs' jüngste Ära als Chef-Trainer nur von sehr kurzer Dauer gewesen ist. Der 54-jährige Lette, der als Aktiver für die Sowjetunion 1988 Olympia-Gold im Zweier-Bob gewonnen hatte, bekleidete den hohen Posten nicht einmal ein halbes Jahr. Die Hauptverantwortung im Coaching-Bereich war ihm erst Ende Juli von Swiss Sliding übertragen worden. Alard wurde damals als eine Art Assistent eingestellt. Die Trainer-Suche war nach dem Abgang von Sepp und Françoise Plozza zu einer Zangengeburt verkommen, da nicht viele Kandidaten zur Verfügung standen. Für Kipurs und Alard war es eine Rückkehr zum Schweizer Verband.

Fehlende Chemie

Kipurs übt zwar weiterhin eine beratende Funktion aus, jedoch auf tieferer Stufe. Er soll nach wie vor an der Bahn Inputs liefern, allerdings wird er mit den beiden Aushängeschildern unter den Schweizer Steuerleuten, mit Beat Hefti und Fabienne Meyer, lediglich noch am Rande zu tun haben. Die beiden Top-Cracks vertrauen künftig auf eine andere Lösung. Dem Vernehmen nach soll bei ihnen die Chemie mit Kipurs auf Anhieb nicht gestimmt haben. Kipurs wird von einigen immer noch als routinierter Fachmann angesehen, anderseits werden ihm kommunikative Mängel und veraltete Ansichten vorgeworfen.

Hefti will sich im weiteren Saisonverlauf vor allem mit Alard austauschen, Meyer mit Petr Ramseidl. Letzterer kommt dadurch auch zu einem Karriereschub. Der Tscheche verabschiedet sich zumindest vorübergehend aus dem Europacup, um Meyer in den nächsten Wochen zur Seite stehen zu können. Dieses Duo hatte schon in früheren Jahren zusammengearbeitet. Meyer kennt Ramseidl seit dem Beginn ihrer Pilotinnen-Karriere. In der unmittelbaren Vorbereitung auf die Heim-Weltmeisterschaften könnte dann auch noch der ehemalige Spitzenpilot Marcel Rohner zum Betreuerstab stossen, der sich ansonsten primär um den Nachwuchs kümmert.

Hefti über Alard: «24 Stunden für seine Sportler da»

Hefti hält vor allem auf Alard grosse Stücke. Der neue Schweizer Meister im Zweier schwärmt: «In der Zusammenarbeit mit Eric finde ich eine super Diskussions-Basis vor. Er kann mich mental sehr gut aufbauen. Und mir imponiert, dass er 24 Stunden am Tag für seine Sportler da ist. Das gibt mir viel Sicherheit.» Alards Einfluss dürfte mit ein Grund sein für Heftis Hausse, die sich zuletzt durch drei Podestplätze im Weltcup niedergeschlagen hat. (si)

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