Shaq der Teamplayer: Training statt Extrawürste
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Shaq der TeamplayerTraining statt Extrawürste

Müde, aber engagiert bis unter die Haarspitzen: Xherdan Shaqiri rückte nicht als Bayern-Reservist in die Nati ein, sondern als Interista und Stammspieler.

von
Eva Tedesco

Xherdan Shaqiri spricht vor dem EM-Qualispiel gegen Estland über seinen Wechsel zu Inter Mailand und was das für Auswirkungen auf die Nati hat. (Video: 20 Minuten)

Am Sonntag stand Shaqiri noch im Abendspiel der Serie A gegen Sampdoria Genua (0:1) im Einsatz. Unmittelbar danach setzte er sich in sein Auto und fuhr nach Basel. Obwohl erst in den frühen Morgenstunden angekommen und mit sehr wenig Schlaf, zeigte sich der Schweizer Internationale Montagmorgen bei einem Sponsor an der Uhrenmesse. Später in Feusisberg gab er ein wenig ergiebiges Interview für die «Sportlounge» von SRF – mit kleinen Augen und wenig Sinn für viele Worte. Um 16 Uhr schliesslich – immer noch am Montag – stand er mit den Nati-Kollegen auf dem Trainingsplatz, obwohl ihm Coach Vladimir Petkovic freigegeben hatte ...

«Ich freue mich immer auf die Nati und ich freue mich auf die zwei Spiele, die nun anstehen», sagt Shaqiri. Das sind nicht nur leere Worte. Sein Engagement beweist es. Das hat auch damit zu tun, dass «XS» mit neu gewonnenem Selbstvertrauen und guten Gefühlen in die Nati eingerückt ist. Bei den Bayern, nach eigenen Aussagen «der beste Klub der Welt», war Shaqiri sehr oft nur Reservist. Der Wechsel von München zu Inter Mailand war auch ein Wechsel vom Reservisten zum Stammspieler und Hoffnungsträger. Seit seinem Transfer in der Winterpause hat Shaqiri 14 Pflichtspiele absolviert und drei Tore geschossen. Der Hype in Mailand ist riesig.

Wichtig für den Rhythmus

«Es war mir wichtig, dass ich wieder Rhythmus bekomme. Ich fühle mich wohl jetzt und weiss, dass ich der Mannschaft helfen kann – auch weil eine gewisse Lockerheit wieder da ist», sagt er. «Inter Mailand hat mir die besten Perspektiven geboten», sagt Shaqiri. Auch wenn er weiss, dass ein Titelgewinn – bei den Bayern fast im Abo garantiert – für einige Zeit vielleicht in weite Ferne gerückt ist.

«Ich wollte etwas Neues kennenlernen. Eine neue Sprache und auch eine neue Kultur.» Und er hat jetzt in Mailand einen Trainer, der grosse Stücke auf ihn hält und dessen Vertrauen er geniesst. Schliesslich war es der Schweizer, der für die Europa League (Aus gegen Wolfsburg) den Vorzug bekam und nicht Weltmeister Lukas Podolski, der bei Inter und den italienischen Medien hartes Brot zu essen hat.

Mancini und Petkovic ähnlich

Der Trainer, der Shaqiri wollte und auf den er zählt, heisst Roberto Mancini. Er soll den ins Mittelmass abgestürzten Champions-League-Sieger von 2010 wieder zurück zum Erfolg führen. Und Mancini sucht das Heil mit ähnlich angriffigem Fussball wie der Schweizer Nati-Coach Vladimir Petkovic. «Beide Trainer lassen offensiven Fussball spielen. Beide mögen den Offensivfussball», sagt der ehemalige FCB-Mittelfeldspieler. Mancini und Petkovic lassen in einem ähnlichen System (4-3-3 und 4-3-1-2) spielen und lassen den Offensivspielern ihre Kreativität und Freiräume.

«Das kommt mir natürlich entgegen», so Shaqiri, wobei es ihm egal ist, auf welcher offensiven Position er zum Einsatz kommt. «Ich geniesse meine Freiheit, aber das 4-3-3 kommt auch der Mannschaft entgegen. Ich glaube, für die Nati ist das System optimal.» Nach anfänglichen Schwierigkeiten beim Start in die EM-Qualifikation – wobei die Schweiz laut Shaqiri trotz Niederlage in Slowenien gut gespielt hat – habe sich die Mannschaft gefunden.

Zurück zur alten Form

Gefunden hat auch Shaqiri zurück zur alten Form. «Wenn man mehr Selbstvertrauen hat und im Rhythmus ist, gelingt einem automatisch mehr. Aber es geht nicht um mich, sondern um einen gutes Auftreten der ganzen Mannschaft. Ich für meinen Teil will der Mannschaft helfen, dass wir die drei Punkte gegen Estland gewinnen. Drei wichtige Punkte auf dem Weg nach Frankreich.»

Dann geht es wieder los mit dem Hype. Auch in Freienbach. Hier ein Foto, da ein Autogramm. Überall, wo die Nati auftaucht, gibt es immer Shaqiri-Rufe. Shaqiri ist der Star. Aber Shaq muss sich nicht exponieren, obwohl er sagt, dass er sich der Verantwortung, mehr leisten zu müssen, bewusst sei. Auf Extrawürste wie am Montag dargeboten verzichtet er – er trainiert lieber mit den Kollegen und freut sich mit dem Ball am Fuss wie Lichtsteiner, Dzemaili und andere auch. Und er will den Erfolg zusammen mit den anderen. Würde er für einen 4:0-Sieg gegen die Esten unterschreiben, wie beim letzten Duell im November 1993? Shaqiri: «Nein, aber für drei Punkte.»

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