Aktualisiert 03.07.2015 05:30

Fussball gnadenlos

Training und Ramadan bei 35 Grad

Die Super League schwitzt für die neue Saison. Auf die Hitze nehmen die Clubs kaum Rücksicht.

von
S. Compagno und P. Berger
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Schwitzen vor Saisonstart: Yassine Chikhaoui (vorn) und Alain Nef im Trainingslager des FC Zürich in Oberstaufen (De). Der Fastenmonat Ramadan endet am 17. Juli, einen Tag vor Saisonstart. Bis dahin verzichtet FCZ-Captain Chikhaoui zwischen Sonnenaufgang und -untergang auf jegliche Nahrung.

Schwitzen vor Saisonstart: Yassine Chikhaoui (vorn) und Alain Nef im Trainingslager des FC Zürich in Oberstaufen (De). Der Fastenmonat Ramadan endet am 17. Juli, einen Tag vor Saisonstart. Bis dahin verzichtet FCZ-Captain Chikhaoui zwischen Sonnenaufgang und -untergang auf jegliche Nahrung.

FreshFocus/Steffen Schmidt
Auch der FC Basel ist in Süddeutschland. Trainer Urs Fischer schlaucht den Schweizer Meister in Rottach-Egern am Tegernsee.

Auch der FC Basel ist in Süddeutschland. Trainer Urs Fischer schlaucht den Schweizer Meister in Rottach-Egern am Tegernsee.

FreshFocus/Andy Mueller
Wichtig: viel trinken. Bei Temperaturen weit über 30 Grad gehören Trinkpausen dazu. Hier erfrischen sich die Basler Daniel Hoegh (.) und Robin Huser.

Wichtig: viel trinken. Bei Temperaturen weit über 30 Grad gehören Trinkpausen dazu. Hier erfrischen sich die Basler Daniel Hoegh (.) und Robin Huser.

FreshFocus/Andy Mueller

Viel Trinken, wenig körperliche Anstrengung – auf diesen einfachen Nenner lassen sich die Verhaltensregeln bei grosser Hitze zusammenfassen. Klingt angenehm, gilt aber nicht für Fussballprofis. In zwei Wochen startet die neue Saison im Schweizer Fussball, da wird auf die hohen Temperaturen kaum Rücksicht genommen.

«Wir ziehen das Programm planmässig durch», meldet FCZ-Mediensprecher Patrick Lienhart aus Oberstaufen. Und das heisst: zweimal Training pro Tag – jeweils um 10 Uhr und gegen 16 Uhr. Lienhart: «Wir unterbrechen die Einheiten regelmässig für Trinkpausen und machen die Übungen, wenn möglich, im Schatten.»

Training um 9 statt 10 Uhr

Ähnlich sieht es beim FC Basel aus. Auch der Serienmeister weilt in Süddeutschland, feilt am Tegernsee an seiner Frühform. «Programm planmässig, viele Trinkpausen», fasst Medienchefin Andrea Roth zusammen. Die Grasshoppers haben ihre Trainingseinheiten in die etwas kühleren Morgen- und Abendstunden verschoben. Trainer Pierluigi Tami bittet seine Spieler derzeit um 9 statt 10 Uhr auf den Platz, die Einheit am Nachmittag wurde nach hinten auf 17 Uhr geschoben. «Aber es bringt nicht viel, jetzt vor der Hitze zu flüchten, wenn die Mannschaft zum Saisonstart um 13.45 Uhr auf dem Platz stehen muss», gibt Medienchefin Soraya Da Fonseca zu Bedenken.

Auch beim FC Thun trainiere man «grundsätzlich nach Plan», sagt Sportchef Andres Gerber. «Spontan kann auch mal etwas weniger lang trainiert werden, wenn es viel zu heiss wird.» Kollektive Abkühlung im Thunersee sei nicht geplant: «Das war noch anders, als wir im Lachenstadion trainierten, damals ging jeder nach dem Training gleich nebenan in den See. Jetzt werden im Stadion halt vor allem die Eisbäder benutzt.»

Elektrolyt-Getränke und Salztabletten

Kantonsrivale YB trainiert diese Woche im Berner Oberland in Saanen. Staff und Spieler erfrischen sich dabei täglich in der Saane – ein Privileg, um die sie die Konkurrenz ziemlich sicher beneidet.

Rund zwei Liter Flüssigkeit verliert ein Profi während einer Trainingseinheit: Wasser, aber auch Mineralsalze. «Um das auszugleichen, nehmen die Spieler neben Wasser und Elektrolyt-Getränken auch Salztabletten zu sich», erklärt Stefan Rausch, der Leiter der medizinischen Abteilung beim FC Zürich.

Chikhaoui: 16 Stunden ohne Essen und Trinken

Ein zusätzlicher Aspekt für die meisten Teams ist der Ramadan, der noch bis am 16. Juli dauert. Während des Fastenmonats verzichten gläubige Moslems von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Nahrung. Das gilt beim FCZ für Yassine Chikhaoui und Amine Chermiti, die am Freitag von 5.18 Uhr bis 21.17 Uhr nichts essen und vor allem nichts trinken. Damit ihre Körper nicht überhitzen, ziehen sich die Tunesier nach den Trainings in abgedunkelte Zimmer zurück, stehen öfter unter die Dusche. «Und abends erhalten sie neben der normalen Nahrung auch kohlenhydratreiche Getränke», sagt Stefan Rausch. Mit einem sogenannten Carbo-Loader sollen die Kohlenhydratspeicher nach einem Fastentag wieder aufgeladen werden.

Eine Frage der Auslegung

Etwas weniger streng nimmt es FCB-Ägypter Mohamed Elneny: An Tagen mit zwei Trainings wie am Donnerstag nimmt der Mittelfeldspieler Flüssigkeit zu sich. Vom Fasten ausgenommen sind Kranke und Gebrechliche, schwangere Frauen, Kinder oder auch Menschen, die harte körperliche Arbeit verrichten. Doch ob Fussballer zur letztgenannten Kategorie zählen, ist wie vieles in der Religion letztlich eine Frage der Auslegung.

Dass die fastenden Fussballer ein unnötiges Risiko eingehen, schliesst Stefan Rausch aus: «In jenen Ländern, in denen die meisten Moslems leben, ist es noch heisser als bei uns. Und: Die beiden machen das ja nicht zum ersten Mal.»

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