Saubannerzug: Trampassagiere brutal attackiert
Aktualisiert

SaubannerzugTrampassagiere brutal attackiert

Vier betrunkene Jugendliche haben in einem Zürcher Tram zahlreiche Passagiere angegriffen. Nun wurden sie zu Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren verurteilt. Der Haupttäter muss gar in eine Arbeitserziehungsanstalt.

von
Attila Szenogrady

Es war am Freitagabend, als am 19. Juni 2009 vier betrunkene junge Männer am Neumühlequai auftauchten. Dort sprachen sie eine Gruppe von vier Studenten und zwei Studentinnen an und fragten sie vergeblich nach Zigaretten. Dann gingen die Jugendlichen plötzlich zum Angriff über und traktierten die Geschädigten mit ihren Fäusten, Bierdosen und einem Regenschirm. Eine 26-jährige Studentin aus England erlitt dabei ein blaues Auge und eine Schnittverletzung am linken Zeigefinger. Zwei weitere Opfer hatten leichtere Blessuren am Kopf und im Halsbereich erlitten.

Nach der Attacke bestiegen die aggressiven Täter am Central ein Tram der Linie 3 und machten den Albtraum eines jeden Trampassagiers wahr. Sie griffen wahllos mehrere Fahrgäste an und verlangten von ihnen ihre Portemonnaies und andere Wertgegenstände. Leute, welche das Tram verliessen, bedachten die Angreifer mit Fusstritten. Zudem sprühten sei einer 53-jährigen Schweizerin Pfefferspray ins Gesicht. Die Horrorfahrt endete erst beim Bezirksgebäude, wo die Täter aus dem Tram flüchteten. Zwei von ihnen konnte die Polizei kurz darauf an der Langstrasse festnehmen. Wenige Tage später sassen auch die beiden weiteren Tram-Vandalen in Untersuchungshaft.

Schweizer Haupttäter aus Regensdorf

Am Donnerstag mussten sich die vier Männer im Alter zwischen 20 und 23 Jahren wegen Angriffs und weiteren Delikten vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Die drei Schweizer und ein in Zürich wohnhafter Kenianer legten ein umfassendes Geständnis ab. Als Haupttäter galt ein heute 21-jähriger Schweizer aus Regensdorf. Er musste sich neben der Teilnahme am Saubannerzug für vier Raubüberfälle auf offener Strasse verantworten. Er hatte dabei mehrere Geschädigte mit Faustschlägen sowie Fusstritten verprügelt. Einem Opfer versetzte er noch Kicks, als es bereits wehrlos am Boden lag.

Das Gericht ging von einem erheblichen Verschulden des Schlägertrupps aus und folgte mehr den Anträgen der Anklagebehörde, welche für die Täterschaft Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren verlangte. Die höchste Sanktion von zwei Jahren unbedingt kassierte der vorbestrafte Regensdorfer. Allerdings wurde der Strafvollzug im Sinne der Verteidigung zugunsten einer Massnahme für jugendliche Erwachsene aufgeschoben. Der Beschuldigte hat bereits in der Anstalt Uitikon/Waldegg eine Lehre begonnen. Der afrikanische Beschuldigte wurde ebenfalls in eine Arbeitserziehung eingewiesen. Anstelle einer unbedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Besser erging es den beiden weiteren Schweizern. Ein Postbote erhielt eine bedingte Strafe von zwölf Monaten. Ein Thai-Boxer aus Effretikon kam mit neun Monaten bedingt davon. Alle Beschuldigten erhielten damit eine letzte Chance.

Deine Meinung