Studis am Steuer: VBZ-Trampiloten sind sauer über «billige» Studi-Konkurrenz
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Studis am SteuerVBZ-Trampiloten sind sauer über «billige» Studi-Konkurrenz

Studierende können neu nach einer 26-tägigen Ausbildung in Zürich Tram fahren. Die Gewerkschaft VPOD ist über diese Entwicklung besorgt.

von
Lynn Sachs
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Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) suchen Studierende, die als Nebenjob Trampilotinnen und Trampiloten werden wollen.

Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) suchen Studierende, die als Nebenjob Trampilotinnen und Trampiloten werden wollen.

20min/Marco Zangger
Statt der üblichen 43 Tage dauert die Ausbildung nur 26 Tage. 

Statt der üblichen 43 Tage dauert die Ausbildung nur 26 Tage. 

Screenshot VBZ
Mit diesem Pilotprojekt wollen die VBZ eine neue Zielgruppe ansprechen.

Mit diesem Pilotprojekt wollen die VBZ eine neue Zielgruppe ansprechen.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

Studierende, die einen Nebenjob suchen, können neu bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) nach einer 26-tägigen Ausbildung Trampilotin oder Trampilot werden. Die Ausbildung wird mit 6240 Franken entlöhnt, im Job danach beträgt der Lohn 30 bis 35 Franken pro Stunde. Die Meinungen der 20-Minuten-Community zum Pilotprojekt der VBZ gehen auseinander. «Voll cool. Endlich mal kreative Ideen in der Berufswelt – weiter so», schreibt jemand. «Wenn nichts passiert, habe ich nichts dagegen», so eine andere Person.

Das Vorhaben wird jedoch auch scharf kritisiert. «Diese Ausbildung ist viel zu kurz. Diese Leute haben eine riesen Verantwortung.» Auch ein ehemaliger VBZ-Mitarbeiter meldete sich zu Wort: «Diese Massnahme wird ganz sicher zu Unruhen beim Personal führen. Schnellbleiche, nur ein Tramtyp, nur zwei Linien [...] das ist Rosinenpickerei.»

Trampiloten befürchten schlechtere Arbeitsbedingungen

Die Gewerkschaft VPOD, die sich unter anderem für die Interessen der Angestellten im öffentlichen Verkehr einsetzt, hatte vor der Anfrage von 20 Minuten keine Kenntnis vom Pilotprojekt der VBZ. «Wir hätten erwartet, dass wir und die anderen Personalverbände informiert und miteinbezogen werden», so Duri Beer vom VPOD. «Wir wollen keine Jobs verhindern, sondern aktiv bei solchen Entscheidungen mitwirken.»

Bei einer Vorstandssitzung mit der VBZ-VPOD-Gruppe, die zufälligerweise am Donnerstag stattfand, hätten Trampilotinnen und Trampiloten ihre Bedenken über das Projekt geäussert. «Ich denke nicht, dass irgendjemand Vorbehalte gegen Studierende als Kolleginnen und Kollegen hat. Allerdings sorgen sie sich um das Berufsbild und die Qualität und Sicherheit ihrer Arbeit», so Beer.

Zudem hätten sich die Mitarbeitenden über Aussagen im Inserat, wie zum Beispiel «du kannst arbeiten, wann immer du willst», gestört. «Langjährige Mitarbeitende haben diese Konditionen nicht und fühlen sich deshalb vor den Kopf gestossen. Sie befürchten, dass mit diesem Pilotprojekt die Türe für billige Arbeitskräfte und schlechtere Arbeitsbedingungen geöffnet wird.» Am Montag wolle der VPOD sich mit zwei weiteren Gewerkschaften zusammensetzen und über das weitere Vorgehen beraten.

«Wir bitten unsere Kollegen sich auf das Projekt einzulassen»

Laut Florian Schrodt, Leiter Recruiting bei den VBZ, will man mit den Mitarbeitenden die Erfahrungen aus dem Projekt teilen. «Wir wollen jedoch betonen, dass die Studierenden wegen ihrer flexiblen Einsatzmöglichkeiten an beispielsweise Wochenenden und beliebten Ferienzeiten, die bereits im Einsatz stehenden Trampilotinnen und -piloten entlasten sollen.» Die Qualität und Sicherheit der Arbeit stehe weiterhin an erster Stelle und werde mit dem Projekt nicht gefährdet, so Schrodt. 

Die Ausbildung für die Studierenden könne verkürzt werden, da sich die Studierenden auf einen Tramtyp – das Cobra-Tram – und auf nur zwei Linien fokussierten. «Bei den Inhalten, die vermittelt werden, werden die Studierenden auf dem gleichen Niveau sein wie die vollständig ausgebildeten Mitarbeitenden», so Schrodt. 

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