Geschlechter-Identität: «Trans ist nichts Negatives»
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Geschlechter-Identität«Trans ist nichts Negatives»

Die Psychiatrie Baselland bietet in Binningen seit Kurzem eine Sprechstunde für trans Menschen an. Die Nachfrage ist so hoch, dass die Kapazitätsgrenze beinahe erreicht ist. Trans-Aktivist*in Sascha Rijkeboer erstaunt das nicht.

von
Alexia Mohanadas
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Im neuen Zentrum für Psychische Gesundheit in Binningen BL gibt es seit Kurzem Sprechstunden für Transidentität und Geschlechterfragen. Trans-Aktivist*in Sascha Rijkeboer findet wichtig, dass es dieses Angebot gibt.

Im neuen Zentrum für Psychische Gesundheit in Binningen BL gibt es seit Kurzem Sprechstunden für Transidentität und Geschlechterfragen. Trans-Aktivist*in Sascha Rijkeboer findet wichtig, dass es dieses Angebot gibt.

Anne Gabriel-Jürgens
Die Nachfrage nach den Beratungen ist so hoch, dass die Kapazitätsgrenze erreicht werden könnte. Denn: Psychologische Angebote für trans Menschen sind in der Schweiz noch immer äusserst selten.

Die Nachfrage nach den Beratungen ist so hoch, dass die Kapazitätsgrenze erreicht werden könnte. Denn: Psychologische Angebote für trans Menschen sind in der Schweiz noch immer äusserst selten.

Psychiatrie Baselland
«Wir bieten hier trans Menschen einen sicheren Raum, wo sie sich mit ihren Sorgen und Fragen hinwenden können», sagt Psychologe Patrick Gross, der mit Sebastian Thul das Angebot leitet. 

«Wir bieten hier trans Menschen einen sicheren Raum, wo sie sich mit ihren Sorgen und Fragen hinwenden können», sagt Psychologe Patrick Gross, der mit Sebastian Thul das Angebot leitet.

Psychiatrie Baselland

Darum gehts

  • In Binningen bietet die Psychiatrie Baselland eine neue Sprechstunde für Transidentität und Geschlechterfragen an.

  • Das Angebot stösst auf regen Zuspruch.

  • Trans-Aktivist*in Sascha Rijkeboer bestätigt, dass Vorurteile bei trans Menschen zu psychischen Belastungen führen.

Im neuen Zentrum für Psychische Gesundheit in Binningen BL bietet die Psychiatrie Baselland auch Sprechstunden für Transidentität und Geschlechterfragen an. Die Nachfrage nach den Beratungen ist so hoch, dass die Kapazitätsgrenze erreicht werden könnte. Denn: Psychologische Angebote für trans Menschen sind in der Schweiz noch immer äusserst selten.

«Wir bieten hier trans Menschen einen sicheren Raum, wo sie sich mit ihren Sorgen und Fragen hinwenden können», sagt Psychologe Patrick Gross gegenüber 20 Minuten. Mit Sebastian Thul zusammen leitet er das Angebot für Personen, die zum Beispiel Hilfe bei ihrem Coming-Out oder Unterstützung bei Fragen der Geschlechtsidentität brauchen. Für psychische Probleme, die in diesem Zusammenhang auftreten, können sie psychotherapeutische Behandlungen anbieten.

Keine psychische Krankheit

Gross betont: «Trans ist keine psychische Krankheit.» Allerdings könne das Verhältnis zwischen dem bei der Geburt zugewiesenen und dem empfundenen Geschlecht angespannt sein und zu einem Leidensdruck führen. «Unsere Mitarbeiter haben ein gutes Gespür für Menschen und deren Individualität», wie Gross sagt. «Sie verurteilen und bewerten die Menschen nicht, sondern hören ihnen zu und nehmen sie ernst.»

Das Angebot in Binningen sieht sich mit einer grossen Nachfrage konfrontiert. Derzeit betreue die Beratungsstelle rund 20 Klient*innen. Gross rechnet damit, dass die Kapazitätsgrenze seiner Beratungsstelle bald erreicht ist.

«Trans ist nichts Negatives»

Das erstaunt Trans-Aktivist*in Sascha Rijkeboer nicht: «Ich finde es gut und wichtig, dass es diese Sprechstunde für trans Menschen gibt», sagt Rijkeboer auf Anfrage von 20 Minuten. Rijkeboer ist trans non-binär und möchte weder als Frau noch als Mann klassifiziert werden. «Schön fände ich es natürlich, wenn eine trans Person zukünftig von sich aus keine Therapie mehr benötigt, um so leben zu dürfen, wie sie sich fühlt», so Rijkeboer.

Die Vorurteile, Mythen und negativen Berichte über trans Menschen sind laut Rijkeboer immer noch zu sehr in unserer Gesellschaft verankert. Genau das führe aber bei den meisten trans Personen zu einer psychischen Belastung. «Dabei ist trans nichts Negatives», so Rijkeboer. «Ich bin sehr glücklich, so leben zu dürfen, wie ich mich fühle.»

Da aber nicht alle so privilegiert seien, brauche es noch einiges an Arbeit und Aufklärung in der Gesellschaft. Dennoch, Rijkeboer ist überzeugt davon, dass wir auf einem guten Weg sind.

«Being Sascha»

Ausserhalb von binären Geschlechterzuweisungen

Über Rijkeboer wurde ein Film produziert, der den Basler Filmpreis gewonnen hat. Im Dokumentarfilm «Being Sascha» werden die Zuschauer mit in die Erlebniswelt eines jungen Menschen ausserhalb der binären Geschlechterzuweisungen genommen – in jene von Sascha Rijkeboer. Ausgrenzung erfährt Sascha überall, denn überall ist Heteronormativität und es gilt, zwischen männlich und weiblich zu entscheiden. Auch deshalb ist Rijkeboer heute bewusst eine sichtbare Transperson. Der Film ist noch bis zum 1. Februar 2021 online verfügbar.

LGBTQI+: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Informationen

Lilli.ch, Informationen und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Tel. 147

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