Wileroltigen: Transitplatz kommt gegen den Willen der Bewohner
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WileroltigenTransitplatz kommt gegen den Willen der Bewohner

Der Kanton Bern kann für 3,3 Millionen Franken einen Transitplatz für ausländische Fahrende im Seeland bauen. Die Vorlage wurde mit 53,5 Prozent Ja-Stimmen angenommen.

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rc/sda
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Der Kanton Bern stimmt Ja zum Transitplatz für ausländische Fahrende in Wileroltigen.

Der Kanton Bern stimmt Ja zum Transitplatz für ausländische Fahrende in Wileroltigen.

Keystone/str
Die Vorlage wurde mit 53,5 Prozent Ja-Stimmen knapp angenommen.

Die Vorlage wurde mit 53,5 Prozent Ja-Stimmen knapp angenommen.

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Die Fronten im Abstimmungskampf waren klar: Eine breite Allianz von FDP über die Mitte-Parteien bis zu SP und Grünen empfahl die Vorlage anzunehmen.

Die Fronten im Abstimmungskampf waren klar: Eine breite Allianz von FDP über die Mitte-Parteien bis zu SP und Grünen empfahl die Vorlage anzunehmen.

Keystone/Peter Klaunzer

Der Kanton Bern sagt Ja zum Transitplatz für ausländische Fahrende in Wileroltigen. 153'392 Stimmende legten am Sonntag ein Ja in die Urne, 133'545 ein Nein. Die Vorlage wurde also mit 53,5 Prozent Ja-Stimmen relativ knapp angenommen. Deutlicher waren die Stimmen in der betroffenen Gemeinde selber verteilt: Über 91 Prozent hatten sich dort gegen den Transitplatz ausgesprochen. Dennoch ist es nun klar: Der Transitplatz wird kommen.

«Die Stimmung hier ist gedrückt. Wir sind traurig und enttäuscht», sagt der Gemeindepräsident Hinnerk Semke, der ausgerechnet am Sonntag seinen Geburtstag feierte. Dennoch blicke man optimistisch in die Zukunft, die Gemeinde würde das Resultat akzeptieren: «Jetzt muss einfach der Kanton all seine gemachten Versprechungen halten. Dann kommt das schon gut.» Er zweifle jedoch, dass das Vorhaben so gelinge, wie es sich der Kanton vorstelle.

Niederlage für die JSVP

Das Referendum ergriffen hatte die Junge SVP. Aus ihrer Sicht sind die Kosten für den Transitplatz zu hoch und der Nutzen zweifelhaft. «Wir akzeptieren diesen demokratischen Entscheid», sagt Nils Fiechter, Co-Präsident der Jungen SVP zur verlorenen Abstimmung. Es sei jedoch bedenklich, dass die rot-grün regierte Stadt Bern mit ihrem Ergebnis noch die ganze Abstimmung auf den Kopf stellen konnte (siehe Box). Fiechter: «Die Gemeinde Wileroltigen hat sich mit Händen und Füssen gegen diesen Transitplatz gewehrt.»

«Braucht mehr Plätze für Fahrende»

Zufrieden mit dem Ergebnis ist Simon Röthlisberger, Geschäftsführer der Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende: «Wir sind hocherfreut über das Resultat. Unsere Argumentation hat die Mehrheit der Stimmbürger überzeugt.» Das knappe Ja zeige jedoch, dass es nach wie vor Vorurteile gegenüber ausländischen Fahrenden gebe: «Diese Ängste zeigen, dass die Arbeit unserer Stiftung noch lange nicht zu Ende ist.» Schweizweit brauche es mehr Plätze für Fahrende.

Für die Wileroltiger ist bereits jetzt klar, dass es in ihrer Gemeinde nicht mehr Platz für Fahrende geben wird. Gemeindepräsident Semke liess heute gegenüber 20 Minuten durchblicken, dass die Gemeinde das Land rund um den neuen Transitplatz vom Astra zurückkaufen wolle, «damit der Platz nicht noch grösser wird».

Hoher Stimmbeteiligung der Städter

Eine überdurchschnittlich hohe Stimmbeteiligung in der Stadt Bern hat massgeblich zum Abstimmungsresultat zum Transitplatz Wileroltigen beigetragen. In Bern äusserten sich 49,8 Prozent der Stimmenden zu der Vorlage, kantonsweit waren es bloss 40,2 Prozent. sda

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