Aktualisiert 28.06.2011 07:30

TV-Qualitätsdiskussion

Trash, Altbayern und Jessica Simpson

Die Cablecom will Joiz nicht ins Programm nehmen, weil es journalistisch zu schlecht sei. 20 Minuten Online macht die Probe aufs Exempel - und nimmt die Konkurrenz unter die Lupe.

von
nik

Laut einem Entscheid des Bundesamts für Komunikation (Bakom) müsste die Upc Cablecom den neuen Schweizer Jugendsender Joiz ins analoge Kabelnetz aufnehmen. Doch der Kabelriese weigert sich strikt. Der Grund: Laut der Upc Cablecom ist Joiz journalistisch und von der Produktion her zu schlecht. Der Netzbetreiber echauffiert sich in einem internen Papier seitenweise über den Begriff «Heisser Scheiss» - ein Rubriktitel in der Sendung Noiz.

Joiz strahlt jeden Tag zwischen 17 Uhr und 19.30 Uhr Eigenproduktionen aus - den grössten Teil davon live aus dem eigenen Studio in Oerlikon. Der Rest des Tages ist gefüllt mit den Sendungen vom Vortag. Die Hauptsendezeit des Jugendsenders ist also am frühen Abend - und während dieser Zeit muss sich der Sender mit diversen Konkurrenten messen. Diese wurde ins analoge Netz aufgenommen - verfügen also über die von der Upc Cablecom geforderte Qualität.

17 Uhr: Auf Joiz läuft «Noiz». Die Sendung mit dem von der Upc Cablecom monierten Rubrik «Heisser Scheiss». Moderiert vom souveränen Shimun Krausz und der etwas weniger souveränen Gülsha Adilji. Das Niveau reicht von primitiven Witzchen bis zu kunstvollen Videoclips. Ernste Themen lassen die beiden konsequent aus - teilweise wirkt die Sendung deswegen etwas seicht. Nach anfänglichen Kinderkrankheiten ist die Show mittlerweile aber gut produziert, nimmt Themen aus der Schweiz auf und ist meist ziemlich aktuell.

Zur gleichen Zeit bei der Konkurrenz: MTV zeigt «Made». Ein altbekanntes Format aus den USA, der amerikanische Traum für den kleinen Mann. Das Schweizer Sport Fernsehen, welches von der Cablecom ohne Murren ins Programm genommen wurde, zeigt Red Bull Cliff Diving, während bei RTL die Pseudo-Doku «Die Schulermittler» läuft. Alles nicht unbedingt TV von höchster journalistischer Qualität.

17.30 Uhr: Eine Stunde «Knack Attack» auf Joiz. Eine der erfrischendsten Shows im Schweizer TV. Moderator Knackeboul rappt, freestylt und ist auf Augenhöhe mit seinen Gästen. MTV zeigt wie Jessica Simpson auf der weiten Welt nach Beautygeheimnissen sucht. Bei B3, der laut Upc Cablecom im Fall eines Aufschaltens Joiz weichen müsste, läuft das Regionalmagazin «Schwaben & Altbayern aktuell», TeleZüri zeigt HomegateTV, StarTV Teleshopping. Mit der frischen, selbstproduzierten Live-Talkshow «Knack Attack» ist Joiz zu dieser Zeit bestimmt gut dabei.

18.30 Uhr: Der Tiefpunkt auf Joiz: «MyJoiz». In Zeiten von YouTube wirkt ein Clipformat wie dieses Videowunschkonzert sehr altbacken. Doch die Konkurrenz schläft nicht: RTL II zeigt das wohl trashigste Format im deutschen Unterhaltungsfernsehen, «X-Diaries». Das kann MTV nicht auf sich sitzen lassen und strahlt «16 and pregnant» aus. Beide Formate laufen auf Sendern die den Qualitätsstempel der Upc Cablecom tragen.

19 Uhr: Bei Joiz wird man zum ersten Mal etwas ernster: JoiZone. Jeden Abend lädt der Sender Experten zum Talk. Von diesen und den Moderatoren hängt die Qualität der Sendung ab. Gülsha wirkt meist erfrischend naiv, Alexandra gibt die Einfühlsame, Mike macht gerne auf Kumpel. Angesprochen werden meist Themen, welche die Jugendlichen mehr oder weniger bewegen. Derweil zeigt RTL II das Qualitätsformat «Big Brother», B3 das altbackene Gartenmagazin «Queerbeet» und TeleZüri und TeleTop sind schon in der Wiederholungsschleife angelangt.

Joiz mag teilweise noch in den Kinderschuhen stecken. Doch kann wirklich die mangelnde Qualität ein Grund sein, warum Upc Cablecom den Sender nicht ins Programm nehmen will? Alexander Mazzara, CEO von Joiz meint: «Joiz ist der einzige Sender von der Jugend für die Jugend. Joiz ist darum auch der der einzige Sender, der konsequent die Sprache der Jugend spricht - eine einzigartige Qualität in der Schweiz, auch wenn es dafür massiv Kritik hagelt von Leuten ausserhalb der Zielgruppe.»

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