Aktualisiert 11.11.2004 12:52

Trauer und Wut in Gaza

Nach der Nachricht vom Tod des Palästinenserführers Jassir Arafat gingen in Gaza tausende Menschen auf die Strassen, schossen in die Luft und steckten Autoreifen an. Militante Organisationen riefen zur Fortsetzung des bewaffneten Kampfes auf.

Auf dem zentralen Platz in Ramallah kamen am Morgen hunderte Trauernde zusammen. In den Moscheen wurden Koran-Verse verlesen, während das palästinensische Fernsehen Gebete ausstrahlte.

Die Autonomiebehörde verfügte eine 40-tägige Trauerzeit. Zudem wurde die Nachfolge in Arafats verschiedenen Ämtern geregelt. Das Parlament bestätigte seinen Präsidenten Rauhi Fattuh als Übergangspräsidenten.

Das Exekutivkomitee der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ernannte den ehemaligen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas zum Vorsitzenden, die Fatah-Organisation Faruk Kaddumi zu ihrem Generalsekretär. Regierungschef Ahmed Korei wird weiter auch den Nationalen Sicherheitsrat führen.

Militante Organisationen riefen zur Fortsetzung des bewaffneten Kampfes auf. Die El-Aksa-Brigaden machten Israel für den Tod Arafats verantwortlich und riefen zu Angriffen auf das Land auf. Auch die Hamas-Bewegung bekräftigte, der Widerstand gegen den «zionistischen Feind» werde weitergehen.

Gehirnblutung und Organversagen

Arafat war am frühen Morgen nach langem Todeskampf im Militärspital Percy bei Paris verstorben. Er wurde 75 Jahre alt. «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen», sagte sein Sekretär Tajib Abdel Rachim. Nach Angaben der Palästinenser litt Arafat zuletzt an Gehirnblutung und Organversagen.

Aussenminister Nabil Schaath wollte noch am Donnerstag nach Paris fliegen, um den Leichnam Arafats nach Kairo zu überführen. Am Regionalflughafen der ägyptischen Hauptstadt werden am Freitagmorgen zahlreiche Staats- und Regierungschefs zu einer Trauerfeier erwartet.

Beerdigung in Ramallah

Direkt im Anschluss soll der Sarg nach Ramallah geflogen werden. Dort soll Arafat am frühen Freitagnachmittag zu Grabe getragen werden.

Bereits kurz nach dem Tod von Arafat sprachen Politiker auf der ganzen Welt ihr Beileid aus, darunter Bundespräsident Joseph Deiss. Der israelische Regierungschef Ariel Scharon sah in Arafats Ableben die Chance auf eine «historische Wende». UNO-Generalsekretär Kofi Annan hob das Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung hervor.

Widerstandskämpfer

Arafats Lebensziel war die Schaffung eines Staates für sein Volk. In seinem jahrzehntelangen Kampf dafür stieg er von einer Ikone der Guerillakämpfer in aller Welt zu einem Friedensnobelpreisträger auf.

Seit dem Scheitern eines Nahost-Gipfels in den USA im Jahr 2000 wurde der Friedensprozess jedoch wieder unter Gewalt und Terror begraben.

In jüngster Zeit formierte sich auch unter den Palästinensern Widerstand gegen Arafats Führungsstil. Seine Kritiker warfen ihm Korruption, Vetternwirtschaft und eine weitgehende Konzentration der Macht in seinen Händen vor. Die letzten drei Jahre verbrachte er in Ramallah praktisch unter israelischem Hausarrest.

(sda)

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