Aktualisiert 16.02.2005 09:21

Trauerfeier für Hariri

Mit einer stillen Gedenkstunde im engsten Kreis hat am Mittwoch in Beirut die Trauerfeier für den ehemaligen libanesischen Regierungschef Rafik Hariri begonnen.

Familienangehörige und Freunde trugen den mit der Staatsflagge bedeckten Sarg von der Amerikanischen Universitätsklinik zu seiner Villa. Dort verlas ein sunnitischer Geistlicher Verse aus dem Koran. Mehrere seiner sechs Söhne und Töchter hielten sich weinend in den Armen.

Zu der anschliessenden Trauerprozession durch die Innenstadt von Beirut wurden mehrere zehntausend Teilnehmer erwartet. Vor dem Haus Hariris und entlang der drei Kilometer langen Zugstrecke zur Mohammed-al-Amin-Moschee wurden starke Polizei- und Armeekräfte in Stellung gebracht. Mehrere politische Anhänger Hariris haben die Regierung aufgefordert, nicht an der Trauerfeier teilzunehmen. Sie weisen der prosyrischen Regierung eine Mitschuld an dem Mordanschlag auf Hariri zu. Bei Zusammenstössen zwischen Hariri-Anhängern und syrischen Arbeitern in der Hafenstadt Sidon wurden am Dienstag fünf Syrer leicht verletzt.

Hariri war im vergangenen Jahr zurückgetreten, nachdem er sich einer von Syrien unterstützten Verfassungsänderung entgegengestellt hatte, die seinem Rivalen, Staatspräsident Emilie Lahud, eine Verlängerung seiner Amtszeit ermöglichte. Ein Mitarbeiter Lahuds sagte am Dienstagabend, es sei noch nicht entschieden, ob der Staatspräsident an der Trauerfeier teilnehmen werde.

Unterdessen verstärkte sich sich der internationale Druck auf die libanesische Regierung, die Verantwortlichen für den Mordanschlag vom Montag zu ermitteln. US-Aussenministerin Condoleezza Rice warf Syrien die Unterstützung des Terrorismus und der Aufständischen im Irak vor. Die syrische Regierung befinde sich auf einem Weg, der zur Verschlechterung der Beziehungen führe, sagte Rice am Dienstagabend in Washington. Zuvor hatten die USA ihre Botschafterin aus Damaskus abberufen. Rice vermied es jedoch, Syrien direkt für das Attentat verantwortlich machen. Bei dem Bombenanschlag waren neben dem Oppositionspolitiker 16 weitere Menschen ums Leben gekommen, etwa 120 wurden verletzt.

Der syrische Botschafter in Washington, Imad Mustapha, wies die Vorwürfe gegen seine Regierung zurück. «Syrien hat keinen Vorteil von dem, was passiert ist», sagte der Diplomat dem Fernsehsender CNN. Hingegen versuchten «bestimmte Gruppierungen», Syrien zu schaden. (dapd)

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