Aktualisiert 27.08.2012 08:38

Endlich KarriereTraumjob «Mindestkurs-Verteidiger»

Grossbank, Beratungsfirma oder IT-Konzern? Das Graduate Barometer gibt Auskunft über die Traumarbeitgeber der Studienabgänger. Grosser Aufsteiger ist die Nationalbank, Absteiger die Fifa.

von
S. Spaeth
Nationalbankpräsident Thomas Jordan und seine Mannen verteidigen seit September 2011 erfolgreich den Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken.

Nationalbankpräsident Thomas Jordan und seine Mannen verteidigen seit September 2011 erfolgreich den Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken.

Buben wollen Lokomotivführer oder Fussballprofi werden – Mädchen Ärztin oder Tierpflegerin. Im Laufe der Jahre reift aber bei so manchem die Einsicht, dass Lokomotivführer zu einsam, Ärztin zu anspruchsvoll, Tierpflegerin brotlos – und die Sportlerkarriere zu anstrengend ist.

Im Rahmen einer Europa-Studie hat das Berliner Trendence Institut fast 350 000 Studienabgänger über die Attraktivität von Arbeitgebern und zum Berufseinstieg befragt. Das Resultat für die Schweiz hat letzte Woche die «Handelszeitung» veröffentlicht: Trotz ramponiertem Ruf der Schweizer Finanzbranche heisst die Top-Arbeitgeberin bei den Wirtschaftsstudenten wie im Vorjahr Credit Suisse. 17 Prozent der rund 7000 Befragten aus der Schweiz haben die Grossbank zum Favoriten gewählt. Auf Rang zwei klassiert sich die UBS. Auf Rang drei schafft es Nestlé, vor dem IT-Konzern Google.

Bei der Credit Suisse freut man sich über diese Spitzenplatzierung. «Unsere Bekenntnis zur Nachwuchsförderung ist stärker denn je», sagt Sabine Balmer Kunz, Leiterin Campus Recruiting und Young Talents. Die Grossbank bietet jährlich rund 250 Hochschulabsolventen einen Einstieg über ein 12- bis 18-monatiges Career Start Programm. Es gibt aber auch die Möglichkeit eines Direkteinstiegs, wobei dafür vor allem Absolventen mit Berufserfahrung in Frage kommen.

Fähige Leute dank Mindestkurs

Grosser Aufsteiger im Ranking ist die Schweizerische Nationalbank (SNB). Lag sie im Vorjahr lediglich auf Rang 22, ist sie im Barometer 2012 auf den 6. Platz gerückt. 7,2 Prozent der Befragten haben die Währungshüterin» zu ihrem Wunscharbeitgeber gekürt. Die grosse Beliebtheit führt SNB-Sprecher Walter Meier unter anderem auf den Euro-Mindestkurs zurück: «Die Verteidigung der Kursuntergrenze wird als interessante Herausforderung wahrgenommen», so Meier. Seither würden sich deutlich mehr Absolventen für die Nationalbank interessieren. Positiv aufs Abschneiden der SNB ausgewirkt hat sich laut Meier auch die enorme Medienberichterstattung – trotz Negativschlagzeilen im Fall Hildebrand.

Wieder in den Top Ten ist die Bundesverwaltung, die sich um einen Rang auf Position 10 verbessert hat. Aus den Spitzenrängen verschwunden ist hingegen die Fifa – Abstieg von Rang 9 auf 16. «Zwar hat die Fifa im Ranking leicht verloren, ist aber nach wie vor der einzige Sportverband unter den Top-100-Arbeitgebern für junge Ökonomen», gibt man sich beim von Korruptionsvorwürfen erschütterten Weltfussballverband betont positiv. Der 16. Rang sei eine Topplatzierung im Kreise der wichtigsten Wirtschaftsunternehmen weltweit.

Hoher Einstiegslohn

Weshalb sind bei Studienabgängern die Grossbanken trotz Steuerstreit und endlosen Schwarzgeldvorwürfen aus dem Ausland immer noch beliebt? Eine nicht unwichtige Rolle dürften auch die Anfangslöhne spielen. Schweizer Ökonomen erwarten laut dem Trendence Institute bei ihrem ersten Job ein Jahresgehalt von 71 000 Euro. Diese umgerechnet rund 85 000 Franken sind doppelt so viel, wie die Nachbarn in Österreich erwarten dürfen. In diese Grössenordnung kommt, wer bei der CS das Career-Start-Programm absolviert. Hier bezahlt die Bank im Jahr zwischen 75 000 und 85 000 Franken. «Das entspricht der üblichen Bandbreite bei Banken und Versicherungen», sagt Balmer Kunz.

Wie viel die Schweizerische Nationalbank ihren Einsteigern bezahlt – sie beginnen in der Regel nicht als Trainee oder Praktikant – will man nicht verraten. Es sei ähnlich wie beim Bund, heisst es lediglich. Die Bundesverwaltung zahlt wissenschaftlichen Mitarbeitern mit Masterabschluss rund 11 000 Franken im Monat.

Wichtige Work-Life-Balance

Lohn ist heute nicht mehr der alles entscheidende Faktor, wenn sich Studienabgänger die Frage stellen, wo sie später arbeiten möchten. Wichtig sind laut der Befragung Faktoren wie attraktive Arbeitsinhalte, Wertschätzung und allgemeine Aufstiegschancen. Stark an Bedeutung gewonnen hat zudem eine ausgeglichene Work-Life-Balance. «Immer mehr Absolventen glauben, dass nicht der Job der Inhalt des Lebens ist, sondern dass man den Job braucht, um sich persönlich weiterzuentwickeln», sagt Christian Plothe von dem Staufenbiel Karriereinstitut zur «Handelszeitung».

Die beliebtesten Arbeitgeber der ÖkonomenRangUnternehmen%1.Credit Suisse17,1%2.UBS14,5%3.Nestlé12,8%4.Google10,0%5.PricewaterhouseCoopers (PWC)7,7%6.Schweizerische Nationalbank7,2%7.Ernst & Young7,1%8.Schweiz Tourismus6,7%9.Apple6,3%10.Bundesverwaltung5,1%(Quelle: Trendance Graduate Barometer 2012)

Deutsche wollen zu Autobauern

Auch bei unserem nördlichen Nachbarn schneiden die grossen Namen gut ab. Beliebtester Arbeitgeber bei den jungen Wirtschaftsstudenten ist Audi, gefolgt von BMW und Porsche. In Frankreich befindet sich der Luxuskonzern LVMH auf der Spitzenposition. Auf Rang zwei folgt L’Oréal, dahinter die Beratungsfirma Ernst & Young.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.