27.01.2020 03:58

Bretter für Liberia

Traumstrand statt Keller-Koller fürs Surfboard

Liberia ist ein Surferparadies – doch die Bevölkerung des krisengeschüttelten Landes hat davon kaum etwas. Das wollen zwei Berner ändern.

von
cho
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Christopher Klein (1. von links) und Simon Mendoza (3. von rechts) haben in Liberia eine neue Bestimmung gefunden.

Christopher Klein (1. von links) und Simon Mendoza (3. von rechts) haben in Liberia eine neue Bestimmung gefunden.

Charlotte van der Gaag
Die Berner haben es sich zur Aufgabe gemacht, Liberianern das Surfen zu ermöglichen.

Die Berner haben es sich zur Aufgabe gemacht, Liberianern das Surfen zu ermöglichen.

Charlotte van der Gaag
Frauen wie Männern würden sich oft sehr dafür interessieren...

Frauen wie Männern würden sich oft sehr dafür interessieren...

Charlotte van der Gaag

Christopher Klein und Simon Mendoza haben sich von Bern aus auf den Weg nach Liberia gemacht, um die perfekte Welle zu suchen. Vor Ort fanden die 37- respektive 35-jährigen Männer jedoch mehr, nämlich eine neue Bestimmung. Denn während die Berner Surfer im letzten Sommer das westafrikanische Land bereisten und eine Welle nach der anderen surften, waren sie nie alleine: «Immer wieder stiessen wir auf Junge, die auf einfachen Holzbrettern mit viel Style Wellen ritten», sagt Klein. Andere hätten das Treiben mit viel Interesse vom Strand aus beobachtet.

Schnell sei klar geworden, dass das westafrikanische Land zwar reich an Wellen und surfbegeisterten jungen Menschen sei, jedoch arm am notwendigen Equipment. Kein Wunder, die Bevölkerung Liberias hat wegen des Bürgerkriegs und dem Ebola-Ausbruch schwere Jahre hinter sich. Trotzdem oder gerade deshalb sind die beiden Berner überzeugt, dass dort gerne mehr Einheimische selber auf den Wellen gleiten würden. Sie hätten Menschen getroffen, die kleine Ewigkeiten am Strand warteten, bis sie schnell ein Surfbrett benutzen konnten und sich dann voller Vergnügen in die Wellen stürzten. «Teilweise waren echte Talente dabei», so Klein.

Wer bekommt das Board?

Kurz vor der Abreise verschenkten die Berner ihr mitgenommenes Sportequipment an junge Surfbegeisterte. Mendoza: «Das schwierigste war zu entscheiden, welchem der 30 Kids man nun sein Surfbrett schenkt.» Dies sei auch der Grund gewesen, warum die Männer nicht nur mit einem guten Gefühl zurück in die Schweiz kamen. «Bei uns schlummern viele Surfboards in Kellern vor sich hin, die an anderen Orten dringend gebraucht würden.» Weil den Männern dieser Gedanke nicht mehr aus dem Kopf ging, gründeten sie das Projekt Providetheslide.

«Wir haben angefangen, altes und gebrauchtes Surfmaterial zu sammeln und werden es im April nach Liberia transportieren», sagt Klein. Mittlerweile seien bereits über 50 Bretter zusammengekommen. Es ginge ihnen nicht primär um den Charity-Gedanken: «Wir wollen nicht die privilegierten Europäer sein, die etwas guten für ‹Afrika› tun», betont Klein. Es ginge viel eher darum, den Menschen zu helfen, dass sie ihre Leidenschaft ausleben könnten. Wenn sich jemand mit den Spenden eine Existenz aufbauen könne, etwa indem er Surfbretter repariere oder diese vermiete, sei das natürlich umso schöner.

Surfen in der Aare

Im Stehen surfen? Läuft in der Aare bei Thun.

Immer grösser und grösser

Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen: «Derzeit bezahlen wir alle anfallenden Kosten selber», so Mendoza. In Zukunft hoffen die beiden jedoch, durch Kooperationen mit Firmen Providethslide kostendeckend auszuweiten zu können – damit auch in anderen Ländern alten Brettern ein zweites Leben eingehaucht werden kann.

Derzeit sucht das Surf-Duo nach möglichst vielen Spenden, um den Schiffscontainer nach Afrika so gut wie möglich zu füllen. «Es braucht nicht nur Bretter, sonder auch Finnen, Reparatur-Material oder Wax.» Insgesamt seien bereits elf Sammelstellen eingerichtet: «Sogar in Deutschland haben wir mit Sammeln begonnen.» Interessierten könnten sich auch über Social Media melden. Wegen der positiven Resonanz sei das Projekt bereits in der kurzen Zeit enorm gewachsen. Eigentlich hätten die beiden zuerst nur fünf bis zehn Surfbretter im eigenen Freundeskreis sammeln und spenden wollen. Klein: «Dass es jetzt bereits 50 sind, ist einfach nur grossartig.»

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