Aktualisiert

Traurige Chronik

Immer wieder sorgen Fälle von Kindesvernachlässigung oder -misshandlung für Entsetzen. Eine Chronik:

5. Januar 2004: Die dreijährige Karolina wird kahl geschoren und sterbend von der Mutter in einer Tasche auf der Toilette im Krankenhaus des bayerischen Weissenhorn abgestellt. Das Kind war vom Liebhaber ihrer der Frau tagelang ausgepeitscht, verbrannt, verbrüht, in den eiskalten Keller gesperrt und so brutal misshandelt worden, dass das Mädchen am Ende eine Hirnblutung erleidet. Das Paar wird auf der Flucht in Italien verhaftet. Beide werden im Mai 2006 vom Landgericht München zu einer lebenslangen Haft verurteilt.

Juni 2004: Bei einer Hausdurchsuchung in einer Cottbuser Wohnung entdeckt die Polizei in der Kühltruhe die Leiche des auf Haut und Knochen abgemagerten Dennis. Der Sechsjährige war zweieinhalb Jahre zuvor völlig entkräftet gestorben. Die Eltern werden wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Juli 2004: Die zweijährige Michelle stirbt in der Wohnung ihrer Eltern in Hamburg an einem Hirnödem als Folge einer Mandelentzündung. Trotz des lebensbedrohlichen Zustandes ihres Kindes hatten die Eltern keine ärztliche Hilfe geholt. Das Landgericht Hamburg verurteilt sie im Februar 2006 wegen fahrlässiger Tötung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht zu je drei Jahren Haft.

3. März 2005: Die völlig abgemagerte und entkräftete siebenjährige Jessica erstickt an Erbrochenem in der Wohnung ihrer Eltern in Hamburg. Jessicas Eltern werden im November 2005 vom Hamburger Landgericht wegen Mordes zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, weil sie ihr Kind auf qualvolle Weise verhungern liessen.

Frühjahr 2005: In Sachsen-Anhalt stirbt der zweijährige Benjamin. Seine skelettierte Leiche wird ein Jahr später auf dem Grundstück seiner Eltern in Schlagenthin in einer Mülltonne gefunden. Wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen werden die Eltern im November 2006 zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Ursache des Todes von Benjamin war nicht mehr eindeutig nachzuweisen.

10. November 2005: Eine 21-jährige Frau meldet ihren zweijährigen Sohn Tim bei der Polizei in Elmshorn als vermisst. Sechs Tage später entdeckt die Polizei die Leiche des Jungen in einer Sporttasche, die dem 38-jährigen Freund von Tims Mutter gehört. Tim ist an einer Hirnschwellung nach «roher und heftiger Misshandlung» durch den 38-Jährigen gestorben. Das Landgericht Itzehoe verurteilt ihn zu 13 Jahren Haft.

17. November 2005: In Bochum stirbt ein sieben Monate alter Junge, nachdem er vom Lebensgefährten der Mutter absichtlich mit heissem Wasser verbrüht worden war.

25. Dezember 2005: Der 17 Monate alte Justin wird von seiner Mutter ins Krankenhaus gebracht. Der Junge ist mit Rotkohl vollgestopft. Am 4. Januar stirbt das Kleinkind an Hirnversagen. Die 24-jährige Mutter und ihr 23-jähriger Lebensgefährte werden im November wegen Körperverletzung mit Todesfolge und schwerer Kindesmisshandlung zu vier beziehungsweise neun Jahren Haft verurteilt. Der 23-Jährige hatte Justin so stark geschüttelt, dass er eine tödliche Hirnverletzung erlitt. Die Mutter hatte dem Kind Rotkohl in den Mund gestopft, obwohl es auf Grund der Hirnverletzung nicht mehr husten und schlucken konnte.

11. Mai 2006: Die dreijährige Layla aus Mannheim stirbt an inneren Blutungen nach Misshandlungen durch den Lebensgefährten ihrer Mutter. Der 25-Jährige wird im November wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

10. Oktober 2006: Vom Jugendamt um Amtshilfe gebetene Polizeibeamte finden in Bremen die Leiche des zweijährigen Kevin im Kühlschrank seines vermeintlichen Vaters. Der Körper des toten Kindes weist zahlreiche Knochenbrüche auf. Der drogenabhängige und mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestrafte Mann - der Lebensgefährte von Kevins Mutter, die inzwischen gestorben ist - behauptet, es habe sich um einen Unfall gehandelt. Doch die Obduktion ergibt, dass die Verletzungen vermutlich auf äussere Gewalteinwirkungen zurückgehen. Das Amtsgericht Bremen erlässt Haftbefehl wegen des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener und des Totschlags.

11. Oktober 2006: In München sticht eine alkoholisierte 46-Jährige auf ihren zweijährigen Sohn ein und verletzt ihn lebensgefährlich. Das Kleinkind wird mit einer Notoperation gerettet.

13. Oktober 2006: In einer Wohnung in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) wird die Leiche der sieben Wochen alten Leonie entdeckt. Gegen die 33-jährige Mutter werden Ermittlungen wegen Totschlags und unterlassener Hilfeleistung aufgenommen.

16. Oktober 2006: In Zwickau stirbt ein mangelernährter vierjähriger Junge nach Misshandlungen an massiven Hirnblutungen. Gegen die 28-jährige Mutter und ihren 45-jährigen Lebensgefährten wird Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.

4. November 2006: Die Polizei in Gifhorn informiert über den Fall der kleinen Nadine, die seit mindestens drei Jahren tot ist. Die Eltern gaben jahrelang ein anderes Kind als Nadine aus. Ihren Angaben zufolge starb die Kleine im Januar 2003 nach einem Sturz von ihrem Hochbett. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung mit Todesfolge und der Misshandlung Schutzbefohlener. Der Vater wird festgenommen.

16. November 2006: In Berlin wird unter einem Auto ein Baby mit schweren Kopfverletzungen gefunden. Der kleine Junge stirbt knapp eine Woche später. Seine Mutter wird wegen versuchten Totschlags und Misshandlung von Schutzbefohlenen festgenommen.

14. Dezember 2006: Der knapp zehn Monate alte Leon Sebastian wird in einer Wohnung in Sömmerda in Thüringen aufgefunden. Er ist verdurstet. Seine dreijährige Schwester wird unterernährt ins Krankenhaus gebracht. Gegen die Mutter wird wegen Totschlags und Aussetzung mit Todesfolge Haftbefehl erlassen. (dapd)

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