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NachbarschaftswächterTrayvon-Killer macht ein Vermögen – als Maler

Erst erschoss George Zimmerman den jungen Schwarzen Trayvon Martin, jetzt malt er eine als rassistisch kritisierte Flagge.

von
sut
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George Zimmerman wurde 2013 des Mordes am schwarzen Teenager Trayvon Martin freigesprochen. Jetzt malt er die Südstaatenflagge. Bild: Im Gericht am Tag des Freispruchs am 19. November 2013

George Zimmerman wurde 2013 des Mordes am schwarzen Teenager Trayvon Martin freigesprochen. Jetzt malt er die Südstaatenflagge. Bild: Im Gericht am Tag des Freispruchs am 19. November 2013

AP/joe Burbank
Zimmermans neustes Gemälde setzt den Spruch «Die zweite beschützt unsere erste» auf die Kriegsflagge der Konföderierten im amerikanischen Bürgerkrieg.

Zimmermans neustes Gemälde setzt den Spruch «Die zweite beschützt unsere erste» auf die Kriegsflagge der Konföderierten im amerikanischen Bürgerkrieg.

Florida Gun Supply
Krakelig wie bei einem echten Künstler: Zimmermans Signatur.

Krakelig wie bei einem echten Künstler: Zimmermans Signatur.

Florida Gun Supply

Der vom Tötungsfall Trayvon Martin her bekannte Nachbarschaftswächter George Zimmerman hat in Florida einen Gesinnungsgenossen gefunden. Der des Mordes Freigesprochene macht gemeinsame Sache mit Andy Hallinan, der seinen Waffenladen im Juli zur «muslimfreien Zone» erklärte und deswegen verklagt worden ist. Zimmermans Akt der Solidarität: Er malte die Kriegsflagge der US-Südstaaten und verkauft Drucke davon im Internet.

Mit seinem neuen Metier als Maler versucht Zimmerman auch, sich über Wasser zu halten. Der ehemalige Wachmann tötete 2012 in Sanford, Florida, den unbewaffneten schwarzen Teenager Trayvon Martin, wurde im Folgejahr aber vor Gericht freigesprochen. Weil er nirgends mehr einen Job bekam, begann Zimmerman zu malen. Im Dezember 2013 verkaufte er das Gemälde einer blaugetönten US-Flagge auf eBay für 100'000 Dollar.

Verbotszone für Muslime

Angeblich begann er damit, ein zweites Mal die «Stars and Stripes» zu malen. Doch dann hörte er von dem rechtsgerichteten Patrioten Hallinan. Dieser erklärte seinen Waffenladen in Inverness zur verbotenen Zone für Muslime, nachdem am 16. Juli 2015 in Chattanooga ein Islamist fünf US-Militärpersonen erschossen hatte. Er werde «jene nicht bewaffnen und ausbilden, die meinen Mitbürgern Schaden zufügen wollen», erklärte Hallinan laut «Daily Mail».

Da besann sich Zimmerman anders. Er übermalte seinen Entwurf mit dem Sujet der umstrittenen Konföderiertenflagge. Diese vom Bürgerkrieg her bekannte Flagge wird zunehmend als rassistisches Symbol betrachtet. Nach einem Terrorangriff auf eine Schwarzenkirche in Charleston am 17. Juni 2015 liess der US-Gliedstaat South Carolina sie vom Platz vor dem Rathaus entfernen.

(Quelle: YouTube/CNN)

Südstaatenflagge als Schutzsymbol

Zimmerman malte auf seiner Flagge die Aufschrift: «Die 2. beschützt unsere 1.». Dahinter stecke eine doppelte Bedeutung, sagt Zimmerman. Einerseits schützt in seiner Sicht die Konföderiertenflagge die US-Nationalflagge. Andererseits schütze der zweite Zusatz der Verfassung mit dem Recht auf Waffentragen die im ersten Zusatz verankerte freie Meinungsäusserung.

Der Erlös aus dem Verkauf der Prints, die je 50 Dollar kosten, geht an die Lebenskosten der zwei Männer. Zudem soll sich Hallinan damit vor Gericht verteidigen können. Denn der konservative Waffenhändler ist von der Pro-Islam-Organisation Council on American-Islamic Relations (Cair) wegen Diskriminierung verklagt worden. Cair habe unendliche Ressourcen, behauptet Zimmerman. «Ich will tun, was ich kann.»

Lotterie fürs Original

Wie Hallinan und Zimmerman in einem Video erklären, sehen sie sich gleichermassen als Opfer von Vorurteilen seitens der Medien. Um die Verkäufe der Drucke anzukurbeln, versprechen sie allen Käufern die Teilnahme an einer Lotterie. Der Sieger soll dann das Originalgemälde mit nach Hause nehmen können.

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