Annäherung in Panama: Treffen zwischen Obama und Castro – darum gehts
Publiziert

Annäherung in PanamaTreffen zwischen Obama und Castro – darum gehts

In Panama dürften Raul Castro und Barack Obama aufeinandertreffen. Was ist daran so historisch? Und was ist von diesem Treffen zu erwarten? Ist es wirklich so wichtig?

von
nsa/gux
1 / 9
Historischer Händedruck: Erstmals seit fast 60 Jahren sind die Staatschefs der USA und Kubas am Samstag, 11. April, zu einem offiziellen Treffen zusammengekommen.

Historischer Händedruck: Erstmals seit fast 60 Jahren sind die Staatschefs der USA und Kubas am Samstag, 11. April, zu einem offiziellen Treffen zusammengekommen.

AFP/Mandel Ngan
Bis vor wenigen Monaten praktisch unvorstellbar, verständigten sich Barack Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro darauf, die Verbesserung der Beziehungen weiter voranzutreiben. Das Treffen der beiden soll fast 80 Minuten gedauert haben.

Bis vor wenigen Monaten praktisch unvorstellbar, verständigten sich Barack Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro darauf, die Verbesserung der Beziehungen weiter voranzutreiben. Das Treffen der beiden soll fast 80 Minuten gedauert haben.

AFP/Mandel Ngan
Der Amerika-Gipfel ist eröffnet. Die Staatsoberhäupter des amerikanischen Kontinents beginnen den Gipfel am 10. April 2015 mit der Eröffnungszeremonie.

Der Amerika-Gipfel ist eröffnet. Die Staatsoberhäupter des amerikanischen Kontinents beginnen den Gipfel am 10. April 2015 mit der Eröffnungszeremonie.

Keystone/AP/Pablo Martinez Monsivais

Das gab es seit 50 Jahren nicht mehr: Der kubanische Staatschef trifft im Rahmen des Amerika-Gipfels auf den amerikanischen Präsidenten. Einen offiziellen Termin gibt es zwar nicht, dennoch wird erwartet, dass Raul Castro und Barack Obama im Vorfeld oder zu Beginn des Gipfels aufeinandertreffen und sich die Hände schütteln. Was ist daran so speziell? Was wird von diesem Treffen erwartet? Und wie geht es eigentlich Fidel Castro? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was ist an diesem Treffen so wichtig?

Seit über fünfzig Jahren haben sich keine hochrangigen Regierungsvertreter der beiden Länder mehr getroffen: Denn 1960 hatte John F. Kennedy nach der gescheiterten Entmachtung des Revolutionsführers Fidel Castro ein Wirtschaftsembargo gegen Kuba eingeführt, das bis heute gilt. Das Treffen ist entsprechend symbolisch für die Annäherung, die zwischen den beiden Ländern seit dem Dezember 2014 stattgefunden hat. Damals verkündete Barack Obama: «Die Sanktionen hatten keinen Effekt, sondern haben dem Regime in Kuba den Vorwand geliefert, das Leben ihres Volkes zu erschweren.»

Was wird vom Treffen erwartet?

Ein grosses Thema dürfte die US-Terrorliste sein – beziehungsweise die Streichung Kubas von der Liste der Staaten, die gemäss USA den Terrorismus unterstützen. Obama dürfte offiziell verkünden, Kuba von dieser Liste zu nehmen, auf der derzeit auch der Iran, der Sudan und Syrien stehen. Und doch, um die «Zeit» zu zitieren: «Dieses ganze Treffen ist gar nicht so wichtig.» Denn die Annäherung zwischen Kuba und den USA werde durch diese Symbolpolitik kaum beeinflusst. Beide wollen zwar ein besseres Verhältnis, aber nicht um der Nächstenliebe willen.

Um was geht es denn nun wirklich?

Um Politik und finanzielle Interessen. Die USA versuchen sich mit den anderen amerikanischen Staaten in Süd- und Mittelamerika gutzustellen. Diese störten sich immer an den Wirtschaftssanktionen und der Ausgrenzung Kubas. Doch gerade die Beziehungen zu Ländern wie Brasilien mit ihren wichtigen Märkten sind für die USA wichtig. Die Annäherung an Kuba sollen natürlich auch die Exporte amerikanischer Firmen ankurbeln. So wollen General Motors, Barcadi oder die Hotelkette Hilton noch so gerne auf Kuba tätig werden. Für Kuba bedeutet das nicht nur Geldsegen für den Tourismus-Sektor und eine grundsätzliche Ankurbelung der Wirtschaft (das Wirtschaftsembargo kostet Kuba laut Wikipedia 89 Milliarden Dollar – jährlich).

Was erwarten die Kubaner von der Annäherung?

«Vorläufig sind es vor allem Hoffnungen, die die Kubaner mit der Öffnung verbinden», sagt Kuba-Experte Richard Bauer zu «SRF4». Die Bevölkerung wünsche sich, dass es den Exil-Kubanern vereinfacht werde, Geld aus den USA zu senden, und dass viele Touristen aus den USA den Inselstaat besuchen. «Die Leute machen sich keine Illusionen: Sie erwarten eine Politik der kleinen Schritte, die ihnen ihr Leben auf längere Dauer verbessern wird.» Allerdings profitiert die Bevölkerung bereits jetzt von ersten Annäherungsschritten. So gibt es wieder Festnetz-Telefonleitungen, und bis 2020 soll die Hälfte der kubanischen Haushalte Internet bekommen.

Und wie steht es eigentlich um Fidel Castro?

Letzte Woche wurde Fidel zum ersten Mal seit 14 Monaten in der Öffentlichkeit gesehen. Die staatliche Zeitung «Granma» veröffentlichte am Samstag vier Fotos auf ihrer Website, die ihn in einem Bus sitzend beim Händeschütteln mit Anhängern zeigen. Über den Gesundheitszustand des 88-Jährigen liegen keine Informationen vor. (nsa/gux/sda)

Obama und Castro telefonieren

US-Präsident Barack Obama hat vor Beginn des Amerika-Gipfels mit dem kubanischen Staatschef Raúl Castro telefoniert – zum zweiten Mal seit Dezember. Das Gespräch habe bereits am Mittwoch vor Obamas Abreise nach Jamaika stattgefunden, teilte das Weisse Haus mit. Am Donnerstagabend trafen sich die Aussenminister beider Staaten zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren. US-Aussenminister John Kerry und sein kubanischer Kollege Bruno Rodriguez hätten in Panama-Stadt ein ausführliches Gespräch geführt, teilte das State Department in Washington mit.

Deine Meinung