Böser Verdacht: Treiben Kriminelle den Ölpreis hoch?
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Böser VerdachtTreiben Kriminelle den Ölpreis hoch?

Beim Ölpreis ist Spekulation an der Tagesordnung. Doch sind gar kriminelle Preistreiber am Werk? Diesen Verdacht hegt die US-Marktaufsicht. Beschuldigt werden auch Schweizer Ölhändler.

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sas/sda
Händler stehen im Verdacht Anfang 2008 den Ölpreis manipuliert zu haben.

Händler stehen im Verdacht Anfang 2008 den Ölpreis manipuliert zu haben.

Das Geschäft mit dem Öl ist diskret. Die Konzerne lassen sich nicht gerne in die Karten blicken. Nun hegt die US-Marktaufsicht CFTC einen bösen Verdacht und hat deswegen beim Bezirksgericht in New York Klage eingereicht. Der Preisanstieg von Anfang 2008 soll das Ergebnis eines abgekarteten Spiels von Ölhändlern aus den USA, Grossbritannien, der Schweiz und Australien gewesen sein.

Anfangs 2008 notierte der Ölpreis pro Barrel (159 Liter) noch bei rund 91 US-Dollar. Bis im April kletterte er auf ein Niveau von 100 Dollar. Dieser Preisanstieg wurde damals auf die allgemein guten Wirtschaftsaussichten zurückgeführt. Dies ziehen die US-Behörden aber mittlerweile in Zweifel. Sie vermuten illegale Geschäfte von Ölhändlern, die den beteiligten Personen insgesamt 50 Millionen Dollar eingebracht haben sollen.

Eingekauft und gewettet

Die Händler haben den Weltmarkt nach den Erkenntnissen der Aufsicht auf verblüffend einfache Weise manipuliert: Die Firmen kauften demnach am wichtigen US-Ölumschlagplatz Cushing in Oklahoma massenweise Rohöl auf, was die Preise in die Höhe trieb. Da sich die Märkte weltweit an Cushing orientierten, habe das Öl plötzlich rund um den Globus mehr gekostet. Parallel hätten die beklagten Firmen an der New Yorker Börse Wetten auf steigende Ölpreise abgeschlossen.

Das gleiche Spiel trieben die Firmen nach den Erkenntnissen der CFTC, als sie das Öl in einem Rutsch wieder verkauften. Die Klage wirft den Händlern vor, dass sie vorher Wetten auf fallende Preise abgeschlossen haben und abermals kassierten. Wenn das Gericht der Ansicht der Marktaufsicht folgt, droht den Händlern eine Strafe von insgesamt 200 Millionen Dollar. In den USA war nach dem Preissprung eine Diskussion um eine strengere Regulierung der Märkte entbrannt.

Abzockeverdacht in Deutschland:

Das deutsche Kartellamt will am Donnerstag einen Bericht über die Benzinpreisentwicklung vorlegen. Einzelne Ergebnisse sind aber bereits durchgesickert und sorgten in Politik und Mineralölwirtschaft für Furore. Die Behörde vermutet, dass die fünf grossen Tankstellenbetreiber die Preisentwicklung in Deutschland diktieren: Die Spritpreise seien höher, als sie es bei einem funktionierenden Markt sein müssten. Die Mineralölkonzerne Aral/BP, Shell, Jet, Esso und Total wehrten sich gegen den Vorwurf der Abzocke. Dass man zusammen einen Marktanteil von 70 Prozent besässe, sei noch kein Indiz für einen nicht funktionierenden Wettbewerb. (dapd)

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