Aktualisiert 10.03.2017 15:38

Selbstbewusste FrauenTreibt der Feminismus Männer in Porno-Falle?

Der Frauentag wird zelebriert wie noch nie. Das verunsichere junge Männer, sagt Männerexperte Markus Theunert. Viele entschieden sich für Pornos statt Beziehung.

von
ak
1 / 4
Als Frau wurde einem am Mittwoch per Whatsapp «Alles Gute zum Frauentag!» gewünscht. Etwa mit diesem Bild.

Als Frau wurde einem am Mittwoch per Whatsapp «Alles Gute zum Frauentag!» gewünscht. Etwa mit diesem Bild.

«Spiegel Online» veröffentlichte im Stundentakt Porträts berühmter Frauen.

«Spiegel Online» veröffentlichte im Stundentakt Porträts berühmter Frauen.

Parlamentarierinnen und ihre männlichen Kollegen strickten pinke Mützen, mit denen sie ein Zeichen für Gleichberechtigung setzen wollten.

Parlamentarierinnen und ihre männlichen Kollegen strickten pinke Mützen, mit denen sie ein Zeichen für Gleichberechtigung setzen wollten.

Keystone/Anthony Anex

Kaum eine Chance, sich am Frauentag dem Anlass zu entziehen: Als Frau wurde einem am Mittwoch per Whatsapp «Alles Gute zum Frauentag!» gewünscht. Schweizer Medien berichteten auf allen Kanälen etwa über Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die im Bundeshaus pinke Mützen strickten. Mit den aus den USA bekannten Pussyhats wollten sie ein Zeichen für Gleichberechtigung setzen.

«Spiegel Online» veröffentlichte im Stundentakt Porträts berühmter Frauen. Und wer abends in der Zürcher Langstrasse unterwegs war, begegnete rund 200 vorwiegend weiblichen Personen, die für mehr Gleichberechtigung demonstrierten – ohne Bewilligung. Die Polizei setzte Reizstoff und Gummischrot ein.

«Der Frauentag wurde zelebriert wie nie zuvor», sagt Geschlechterforscherin Fabienne Amlinger von der Universität Bern. Das erstaunt, haftete dem Feminismus doch lange Zeit ein verstaubtes Image an. Was hat dazu geführt, dass das Pendel nun in die andere Richtung schwingt?

Trump und Beyoncé bewegen die Frauen

«In jüngster Zeit ist Frauenverachtung und Sexismus wieder salonfähig geworden», sagt Amlinger. Ein Symbol dafür sei Donald Trump, dessen Wahl zeige, dass jemand «trotz übelster Frauenverachtung ins höchste Amt der Welt gelangen kann». Das habe auch viele Frauen, die sich zuvor nicht mit Feminismus beschäftigt hätten, geschockt. Ein solcher Unmut entwickle eine Eigendynamik. Das habe sich am Mittwoch gezeigt.

«Eine Frau kann heute alles erreichen»

SVP-Nationalrätin Natalie Rickli hält den Tag der Frau für überflüssig. Linke Politikerinnen wehren sich und erzählen, wo sie schon diskriminiert wurden.

Neu sei auch, dass sich immer mehr junge Frauen für feministische Themen interessierten. Diese seien zum Teil erst um die zwanzig. «Feminismus ist durch Stars wie Beyoncé oder Emma Watson in der Popwelt und in Hollywood angekommen.» Beide seien für junge Frauen Vorbilder und hätten eine Wirkung auf diese. «Dadurch wird Feminismus plötzlich hip.»

«Eine Frau kann heute alles erreichen»

SVP-Nationalrätin Natalie Rickli hält den Tag der Frau für überflüssig. Linke Politikerinnen wehren sich und erzählen, wo sie schon diskriminiert wurden.

Verunsicherte Männer

Doch der Feminismus hat auch seine Kehrseite. Markus Theunert, Generalsekretär von Männer.ch, dem Dachverband Schweizer Männer- und Väterorganisationen, begrüsst zwar die erstarkte Frauenbewegung. Er sagt aber auch: «Die jungen Frauen, die sich wieder vermehrt für Gleichberechtigungsfragen interessieren, verunsichern viele junge Männer.» Sie fühlten sich bedroht durch starke Frauen. Gerade in Beziehungs- und Sexualitätsfragen wüssten junge Männer nicht mehr, was sie dürften und was nicht. «Sie verharren hier in einer Art Schockstarre.»

Theunert stellt fest, dass sich ein Teil der jungen Männer zunehmend davon abwendet, eine Beziehung einzugehen. «Der Pornokonsum allein zu Hause scheint ihnen die attraktivere Alternative zu sein.» Viele junge Männer würden in Beziehungs- und Sexualitätsfragen resignieren. «Sich für eine Beziehung einzusetzen, ist ihnen zu anstrengend. Sie bleiben lieber allein.» Diese Entwicklung ist laut Theunert «dramatisch und wird uns alle noch vor massive Probleme stellen».

Dazu kommt laut Theunert, dass sich die Welt verändert hat: «Die Frauen haben aufgeholt. 60 Prozent aller Maturanden sind weiblich, auch bei den Universitätsabschlüssen sind die Frauen bereits in der Mehrheit.» Die Männer würden ihre dominierende Rolle in der Arbeitswelt verlieren. «Und was macht die Politik?», fragt Theunert. «Gar nichts. Sie hat noch kein Bewusstsein für dieses Problem. Sie versagt.»

«Männer müssen selbstbewusster werden»

Was sagt die Politik zu diesem Vorwurf? Der Nationalrat Jonas Fricker (GP, AG), der im Bundeshaus mitgestrickt hat, sagt: «Junge Männer müssen selbstbewusster werden.» Die Politik orientiere sich immer noch am klassischen Rollenbild des starken Mannes. Das müsse sich ändern.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.