Italiens Trenitalia: Trenitalia wirbt mit rassistischem Spot
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Italiens TrenitaliaTrenitalia wirbt mit rassistischem Spot

Italiens staatliche Bahngesellschaft hat neuerdings vier statt zwei Klassen – Grund für eine Werbeoffensive. Dumm nur, dass sie im Clip eine dunkelhäutige Familie in die unterste Klasse gesetzt hat.

von
ske

Nach Rassismus-Vorwürfen im Internet hat die italienische Bahngesellschaft Trenitalia den Werbeclip für die neu mit vier Klassen fahrenden Züge ausgewechselt (Quelle: Youtube).

Erste und zweite Klasse in Zügen, das kennt man in Italien. Jetzt führt die staatliche Bahngesellschaft Trenitalia aber zwei weitere Klassen ein und verfügt damit über insgesamt vier. Ein Werbeclip sollte die neuen Klassen in der Bevölkerung bekannt machen. Aber weder Werbefilm noch neue Klassen wecken in Italien Begeisterung.

Italien spricht bereits von der Einführung einer neuen Form der Rassentrennung, berichtet «The Guardian». Passagiere der vierten Klasse dürfen nämlich die Cafeteria im Zug nicht benutzen. Ihnen ist es nicht einmal erlaubt, einen Fuss in den Wagen der bessergestellten Passagiere zu setzen.

Rassistischer Clip

Umso merkwürdiger wirkt, dass die vierte Klasse im Werbeclip mit einer dunkelhäutigen Familie illustriert wird. Ganz anders sieht es bei den anderen Klassen aus. In der obersten Klasse, die den Namen «Executive» trägt, arbeiten wichtig wirkende Geschäftsleute in einem speziellen Konferenzraum. Die «Business»-Klasse ist im Clip vorübergehend leer, wirkt aber sehr elegant. In der «Premium» sitzt ein Paar, das sich von einem Getränkewagen etwas zu trinken gönnt.

Alessandro Giloli hatte auf seinem Blog «L'Espresso» erstmals auf die fragwürdige Kampagne aufmerksam gemacht. Die Internetgemeinschaft reagierte prompt und es hagelte Proteste. «Grotesk» sei das Ganze. «Das ist Rassendiskriminierung» waren die anständigeren Kommentare auf Twitter und Facebook.

Weisse in der Standardklasse

Inzwischen hat Trenitalia reagiert. Das Video wurde am Dienstagabend hastig ausgewechselt und durch eine neuen Version ersetzt, schreibt «La Republicca». In der Standardklasse sitzt jetzt keine schwarze Familie mehr. Die Bilder zeigen stattdessen ein weisses Paar, das lächelt und angeregt plaudert. In der nächsten Szene ist eine Familie zu sehen, die begeistert spielt. Auch sie sind weiss. Damit die Dunkelhäutigen trotzdem nicht fehlen, sitzen jetzt zwei in der höchsten Klasse und nehmen im Konferenzsaal an einem Meeting teil.

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