Mit geklautem Geld Airline gekauft: Treuhänderin zweigt 112 Millionen ab
Aktualisiert

Mit geklautem Geld Airline gekauftTreuhänderin zweigt 112 Millionen ab

Einer der grössten Betrugsfälle der letzten Jahre beschäftigt das Obergericht. Laut Anklage hat eine Vermögensverwalterin einen deutschen Erfolgsunternehmer um 112 Millionen Franken betrogen. Das gestohlene Geld investierte sie in Flugzeuge.

von
Attila Szenogrady

Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um einen der grössten Betrugsfälle der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Im Mittelpunkt des Falles steht eine heute 50-jährige Vermögensverwalterin aus dem Kanton Aargau. Sie machte früher Karriere bei der Citibank und machte sich Ende der neunziger Jahre als Treuhänderin selbständig. Dabei betreute sie in erster Linie die finanziellen Belange des deutschen Erfolgsunternehmers Peter Mikutta. Dieser hatte 1996 seine Produktionsfirma „Telemation GmbH" für eine halbe Milliarde DM an ein südafrikanisches Unternehmen verkauft und den Erlös seines Lebenswerks zwecks Verwaltung der Angeklagten anvertraut.

112 Millionen Franken weg

Gemäss Anklage baute die Treuhänderin ein Netz von Finanzfirmen auf und begann, beachtliche Vermögenswerte des geschädigten Patrons auf eigene Konten zu verschieben. Dabei soll sie zwischen den Jahren 1998 und 2002 über 112 Millionen Franken für sich abgezweigt haben. Obwohl sie über ein jährliches Einkommen von einer Viertel Million Franken verfügte. Ein Grossteil des Deliktsbetrages investierte die Aargauerin in den Aufbau eines Luftfahrtunternehmens in Dubai („Zimex Gulf Aviation LLC").

Hohe Freiheitsstrafe droht

Bereits vor einem Jahr wies die Angeschuldigte die Vorwürfe der Anklagebehörden vehement zurück und erklärte, dass sie alle Geschäfte mit dem Einverständnis ihres Kunden abgewickelt habe. Die Belege dafür hätten sich in drei blauen Ordnern befunden. Die allerdings spurlos verschwunden seien, erklärte sie und sprach von einer Verschwörung.

Am Bezirksgericht allerdings vergeblich. Sie kassierte wegen gewerbsmässigen Betrugs und weiteren Delikten eine hohe Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren.

Alle haben Berufung eingelegt

Alle Parteien gingen in die Berufung. Auch die Staatsanwaltschaft, die am Mittwoch eine markante Straferhöhung auf siebeneinhalb Jahre verlangte. Im Gegensatz zur Verteidigung, die erneut einen vollen Freispruch verlangen wird. Sie kündigte ein Plädoyer von sieben Stunden an. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Der Zeitpunkt des Urteils steht noch nicht fest.

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