03.11.2014 06:16

Zuger MesseTrickdieb beklaut Leute, die Polizei schaut zu

Christophe Ambre ist Zauberer, Gedankenleser und «Europas führender Taschendieb». An der Zuger Messe bestahl er Besucher – im Auftrag der Polizei.

von
msa

«Ich kann es nicht glauben!» war ein Satz, den man am Sonntag an der Zuger Messe oft hörte. Grund dafür war Christophe Ambre, ein Trickdieb aus Frankreich. Die Zuger Polizei setzte bei ihrem diesjährigen Stand auf praktische Erfahrung: Ambre zeigte den Besuchern nämlich, wie schnell man Opfer eines Taschendiebs werden kann.

Ambre wählte willkürlich Passanten aus und stellte sich als Taschendieb vor. Dann begann er durch geschickte Ablenkung, den Leuten alles aus den Taschen zu ziehen: Innerhalb einer Minute hatte er die Passanten bestohlen – etwa Handy, Schlüssel oder Portemonnaie – ohne, dass diese das bemerkt hätten. Nicht alle fielen jedoch darauf hinein. «Da ich wusste, was passieren würde, habe ich gemerkt, wie er sich an meinen Taschen zu schaffen machte. Es ist aber eindrücklich, wie schnell es gehen kann. Im Alltag muss man sicher vorsichtig sein», meinte ein Messebesucher. Ein weiterer Passant sagte: «Ich hab überhaupt nicht gespürt, wie er mir das Handy aus der Tasche gezogen hat.»

Trickdieb schult auch Polizisten

«70 Prozent eines Taschendiebstahls ist Psychologie», sagte Ambre. Neben der Ablenkung sei es viel wichtiger, die Kontrolle über das Opfer zu erlangen. «Taschendiebe wissen, wie Menschen funktionieren. Sie stehen dem Opfer beispielsweise extra auf den Schuh, weil sie wissen, dass die Leute dann zurückweichen. Und hinter dem Opfer lauert dann bereits der Komplize, der der Person das Handy aus der Tasche zieht.»

Ambre war laut eigenen Angaben in früheren Jahren als richtiger Taschendieb unterwegs. Seit langem aber verdient er sein Geld mit Auftritten als Taschendieb-Zauberer und schult auch Polizisten in Deutschland, um Diebstähle zu verhindern. Ambre betonte in Zug, dass niemand vor Taschendiebstahl sicher ist: «Alles ist möglich!», sagte er und appellierte an die Vorsicht im Alltag.

Erfahrung soll präventiv wirken

Die Polizei will mit dieser Aktion die Personen sensibilisieren: «Mit Christophe Ambre haben wir den ‹Tatort Einkaufszentrum› nachgestellt», sagte Joe Müller, Präventionsverantwortlicher der Zuger Polizei. «Im Ausland passen die Leute sehr gut auf ihre Wertsachen auf. In der Schweiz aber glauben sie, ihnen könne nichts passieren. Beim Einkaufen beispielsweise lassen manche ihre Tasche offen im Einkaufskorb liegen. Da reicht ein Moment der Unachtsamkeit und das Portemonnaie oder Handy ist weg.» Deshalb patrouilliert die Zuger Polizei seit etwa einem Jahr in Einkaufszentren und legt Informationsflyer in genau solche offenen Taschen und macht die Leute auf die Gefahr aufmerksam. «Ambre hat eine besondere Art zu arbeiten», so Müller weiter. Wer auf diese Art am eigenen Leib erfährt, wie schnell Wertgegenstände weg sein können, passe hoffentlich in Zukunft besser auf.

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