Aktualisiert 15.05.2007 13:44

Triebtäter im Kinderdorf

Ein 63-jähriger Mann ist am Freitag in Vorarlberg festgenommen worden. Er wird verdächtigt, in einem Kinderdorf während Jahren mindestens sechs Mädchen sexuell belästigt zu haben.

Der Ehemann einer Kinderdorfmutter soll in Bregenz über Jahre hinweg an Mädchen sexuelle Übergriffe verübt und sie unsittlich berührt haben. Der Mann wird verdächtig, sich an mindestens sechs unmündigen Mädchen vergangen zu haben.

Teilgeständnis

Nach Angaben der Polizei ist der 63-Jährige zum Teil geständig. Der Geschäftsführer des Vorarlberger Kinderdorfs, Christoph Hackspiel, zeigte sich am Dienstag an einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz tief betroffen.

Die Übergriffe auf die Mädchen haben sich laut Hackspiel über die vergangenen vier Jahre erstreckt. Die sechs betroffenen Mädchen sind heute zwischen 13 und 19 Jahre alt. Drei wohnen noch im Kinderdorf und haben sich vor fünf Wochen mit ihren Vorwürfen an die Dorfleiterin gewandt, als der 63-Jährige in den Ferien war.

Die belastenden Aussagen der anderen drei Mädchen, die das Kinderdorf bereits verlassen haben, sind im Zug der polizeilichen Ermittlungen zu Tage getreten. Das Vorarlberger Kinderdorf begleitet gegenwärtig mit 180 Mitarbeitern etwa 1000 Kinder.

Frau des Täters ahnungslos

Laut Hackspiel hat die Kinderdorfmutter in ihrer Familie in den vergangenen zwölf Jahren insgesamt 15 Kinder betreut, zuletzt waren es fünf. Die vermuteten Übergriffe hätten ausschliesslich in dieser Familie stattgefunden, sagte Hackspiel.

Das Dienstverhältnis mit der Kinderdorfmutter sei in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst worden. «Sie ist tief erschüttert», betonte der Geschäftsführer des Vorarlberger Kinderdorfs. Sie habe ihm gegenüber versichert, nichts von den Vorfällen bemerkt zu haben.

Der Verdächtige wurde am Freitag festgenommen und sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen sind am Laufen. Die Staatsanwaltschaft Feldkirch machte keine näheren Angaben zum Fall.

Fachleute kümmern sich um Opfer

«Wir haben die Behörden sofort bei Bekanntwerden der Vorwürfe informiert», sagte Hackspiel. Die Mädchen würden von internen und externen Kinderschutzfachleuten professionell begleitet. «Sie sind dankbar, dass wir sie ernst nehmen», sagte Hackspiel. Mit den Eltern der Mädchen habe man «einen guten Austausch».

Hackspiel zeigte sich erschüttert darüber, dass offenbar «Vertrauen gebrochen worden ist». Man werde die Vorfälle intern zum Anlass nehmen, Schutzmöglichkeiten und Sicherungsmassnahmen neuerlich kritisch zu prüfen und zu verstärken. Hundertprozentiger Schutz sei allerdings nie möglich, bekannte Hackspiel.

(sda)

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