Gastronomie: «Trinkgeld zu geben ist unangebracht»
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Gastronomie«Trinkgeld zu geben ist unangebracht»

Wie hoch das Trinkgeld sein sollte, ist umstritten. Auch die Leser von 20 Minuten haben unterschiedliche Meinungen. Ein Gastro-Experte ordnet ein.

von
Dominic Benz
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Trinkgeld gibts nicht nur im Restaurant – doch die Bräuche sind teils etwas anders.

Trinkgeld gibts nicht nur im Restaurant – doch die Bräuche sind teils etwas anders.

Keystone/Martin Ruetschi
GesundheitswesenEin grundsätzliches Geschenkverbot für Ärzte gibt es in der Schweiz nicht. Ein Doktor, der Mitglied der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte ist, muss sich aber an die Richtlinien des Verbands halten. Diese besagen, dass solche Zuwendungen das «übliche Mass kleiner Anerkennungen» nicht übersteigen dürfen, sofern sie den Arzt in seinen Entscheidungen beeinflussen könnten.

GesundheitswesenEin grundsätzliches Geschenkverbot für Ärzte gibt es in der Schweiz nicht. Ein Doktor, der Mitglied der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte ist, muss sich aber an die Richtlinien des Verbands halten. Diese besagen, dass solche Zuwendungen das «übliche Mass kleiner Anerkennungen» nicht übersteigen dürfen, sofern sie den Arzt in seinen Entscheidungen beeinflussen könnten.

Keystone/Christian Beutler
PostVor allem in kleinen Gemeinden erhalten Pöstler von den Kunden Geschenke wie etwa Pralinés, selbst gebackene Guetsli oder einen Zustupf fürs Kaffeekässeli. Wie Post-Sprecherin Léa Wertheimer zu 20 Minuten sagt, darf das Personal laut dem Generalarbeitsvertrag der Post solche Geschenke annehmen, solange sie landes- oder branchenüblichen Trinkgeldern entsprechen. Geschenke, die im Zusammenhang mit der geschäftlichen Tätigkeit selbst stehen, müssen die Angestellten aber ablehnen.

PostVor allem in kleinen Gemeinden erhalten Pöstler von den Kunden Geschenke wie etwa Pralinés, selbst gebackene Guetsli oder einen Zustupf fürs Kaffeekässeli. Wie Post-Sprecherin Léa Wertheimer zu 20 Minuten sagt, darf das Personal laut dem Generalarbeitsvertrag der Post solche Geschenke annehmen, solange sie landes- oder branchenüblichen Trinkgeldern entsprechen. Geschenke, die im Zusammenhang mit der geschäftlichen Tätigkeit selbst stehen, müssen die Angestellten aber ablehnen.

Keystone/Christian Beutler

Die einen geben nichts, die anderen zu viel – Schweizer handhaben es mit dem Trinkgeld ganz unterschiedlich. Kein Wunder, sorgt der Zustupf fürs Beizenpersonal immer wieder für hitzige Diskussionen. Auch die Leser von 20 Minuten haben unterschiedliche Meinungen. Aber wie viel Trinkgeld ist denn angebracht? Und ist es knausrig, mal kein Trinkgeld zu geben? Eines vorweg: Offiziell wurde das Trinkgeld in der Schweiz abgeschafft. Das geschah mit der landesweiten Einführung des Gesamtarbeitsvertrags im Schweizer Gastgewerbe im Jahr 1974, wie der Gastro-Experte Rafael Saupe vom Beratungsunternehmen Desillusion zu 20 Minuten sagt. Der Branchenkenner ordnet die Ansichten der Leser ein:

«Nur den Job zu machen, reicht nicht»

Leserin Kathrin:«Ich habe früher immer Trinkgeld gegeben, da ich es von meinen Eltern so vorgelebt bekommen habe. Mittlerweile muss ich aber sagen, dass wenn das Servicepersonal mich einfach gut bedient, dies noch kein Grund für Trinkgeld ist. Eine regelkonforme Ausübung des Jobs verdient noch kein Trinkgeld.»

Das sagt der Experte: «Es kann tatsächlich nicht sein, dass man für die blosse Ausführung einer Leistung Trinkgeld geben muss. Wenn der Service aber überdurchschnittlich gut und freundlich war, ist Trinkgeld angebracht. Das macht man ja auch bei einem Möbellieferanten oder Pizzakurier so. Mit dem Trinkgeld kann der Gast die Wertschätzung ausdrücken.»

«Ich gebe auch einer arroganten Bedienung Trinkgeld»

Leser Robert: «Bei einem Kaffee für 4.40 Franken gebe ich gerne 7 Franken. Das zaubert dann meistens noch ein Lächeln auf das Gesicht der Bedienung. Nicht mal bei arroganten und abweisenden Bedienungen gebe ich kein Trinkgeld.»

Das sagt der Experte: «Das Trinkgeld ist in diesem Fall übertrieben hoch. Viele Leute haben kein Gefühl dafür, welches Trinkgeld angebracht ist. Oft wird einfach nach Lust und Laune ein spontaner Betrag gegeben. Ein hohes Trinkgeld kann aber auch ein Statussymbol sein, vor allem wenn man mit vielen Leuten am Tisch sitzt. Trinkgeld ist immer ein Statement.»

«In der Schweiz zahle ich sonst schon zu viel»

Leserin Camilla: «Im Ausland gebe ich immer gern Trinkgeld, denn da ist das Essen eigentlich immer sehr gut und die Bedienung nett. In der Schweiz zahle ich ja sonst schon viel zu viel.»

Das sagt der Experte: «Die Gastronomie im Ausland kann man nicht mit der in der Schweiz vergleichen. Die Kostenstrukturen sind unterschiedlich. Zudem hält man in den Ferien vieles für besser, weil man in guter Stimmung ist. So schmeckt am Strand der schlechte Wein auf einmal gut. Das Trinkgeld hat dann meist nichts mit der Qualität des Essens und des Service zu tun.»

«Trinkgeld ist nicht angebracht»

Leser Roger:«Trinkgeld ist nicht angebracht – der Arbeitgeber hat wie in allen anderen Fällen auch einen angemessenen Lohn zu entrichten. Ich runde jeweils nur auf den nächsten Franken auf, sofern ich bar bezahle.»

Das sagt der Experte: «Dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden. Ein kleines Trinkgeld sollte nicht grundsätzlich zu einer Enttäuschung führen. Gibt der Gast aber in einem Restaurant immer wieder wenig Trinkgeld, macht er sich beim Personal sicherlich nicht speziell beliebt. Vom Service kann er dann keine Extraleistungen erwarten.»

Ich runde auf den nächsten Franken auf

Leserin Sabine: «Ich runde in der Regel auf den nächsten Franken auf. Aber wenn es zum Beispiel 18.90 Franken kostet, würde ich 20 Franken geben.»

Das sagt der Experte: «Wenn man einfach auf die 20 Franken aufrundet, ist das völlig in Ordnung. Trinkgelder in der Höhe von beispielsweise 10 oder 30 Rappen sind hingegen eher unangebracht. Denn das ist häufig ein negatives Statement. Dann gibt man lieber gar kein Trinkgeld.»

Ein Interview mit Rafael Saupe zum Thema Trinkgeld lesen Sie später auf 20 Minuten.

Alle Namen der Leser wurden geändert und sind der Redaktion bekannt

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