Aktualisiert 17.03.2004 14:34

Trintignant-Prozess: Cantats Charakter vor Gericht

Mit widersprüchlichen Aussagen über die Gewaltbereitschaft des Angeklagten Bertrand Cantat ist in Vilnius der Prozess um den Tod der französischen Schauspielerin Marie Trintignant fortgesetzt worden.

Cantats Frau Kristina Rady versicherte am Mittwoch vor Gericht, ihr Mann sei kein Macho und habe niemals die Hand gegen sie erhoben. Trintignants Mann Samuel Benchetrit erklärte dagegen, Kristina habe ihm und anderen erzählt, von Cantat geschlagen und mit einem Messer bedroht worden zu sein.

Der Sänger der Rockband Noir Désir hatte am Vortag ausgesagt, seine Geliebte in der Nacht zum 27. Juli letzten Jahres bei einem Eifersuchtsstreit viermal geohrfeigt zu haben. Die Tochter des Filmstars Jean-Louis Trintignant fiel ins Koma und starb vier Tage später, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.

Der Regisseur Benchetrit, den die 41-Jährige für Cantat verlassen hatte, berichtete vor Gericht von einem Anruf des Sängers nach dem Streit mit Marie in einem Hotelzimmer der litauischen Hauptstadt. «Er weinte viel. Er sagte mir, dass sie sich geprügelt hätten, dass er Marie eine Ohrfeige gegeben hat und dass sie ein blaues Auge habe.» Als er Cantat gebeten habe, mit seiner Frau sprechen zu können, habe dieser versucht, sie zu wecken. Auf seine Frage, ob es ihr gut gehe, habe er geantwortet: «Ja, sie atmet.»

Rady beschrieb ihren Mann als aufrecht, der auch in Extremsituationen immer den Dialog gesucht habe. «Ich hätte niemals mit einem Lügner, einem Macho und einem Schlägertypen zusammenleben können.» Cantat ist wegen vorsätzlichen Totschlags angeklagt, ihm drohen 15 Jahre Haft. Der Prozess könnte noch diese Woche zu Ende gehen. (dapd)

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