Rekordjagd: Trio will Marathon in unter 2 Stunden laufen
Aktualisiert

RekordjagdTrio will Marathon in unter 2 Stunden laufen

Noch nie ist ein Mensch 42,195 Kilometer unter zwei Stunden gerannt. Das soll sich am kommenden Wochenende in Monza ändern.

von
F. Riebeling
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Rekordversuch unter wissenschaftlicher Begleitung: Eliud Kipchoge, hier beim Zieleinlauf am London-Marathon. (6. Mai 2017)

Rekordversuch unter wissenschaftlicher Begleitung: Eliud Kipchoge, hier beim Zieleinlauf am London-Marathon. (6. Mai 2017)

AP/Kirsty Wigglesworth
Den aktuellen Marathon-Weltrekord hält seit 2014 Dennis Kimetto. Der Kenianer meisterte den Berlin Marathon in 2 Stunden, 2 Minuten und 57 Sekunden.

Den aktuellen Marathon-Weltrekord hält seit 2014 Dennis Kimetto. Der Kenianer meisterte den Berlin Marathon in 2 Stunden, 2 Minuten und 57 Sekunden.

Keystone/AP/A3464/_rainer Jensen
Diese drei Athleten wollen die 42,195 Kilometer nun erstmals in weniger als zwei Stunden schaffen. Damit wollen sie nicht nur Kimettos Rekord knacken, sondern auch die Marathon-Schallmauer durchbrechen, die laut Experten bei zwei Stunden liegt.

Diese drei Athleten wollen die 42,195 Kilometer nun erstmals in weniger als zwei Stunden schaffen. Damit wollen sie nicht nur Kimettos Rekord knacken, sondern auch die Marathon-Schallmauer durchbrechen, die laut Experten bei zwei Stunden liegt.

Nike

Schneller als Dennis Kimetto hat noch niemand einen Marathon hinter sich gebracht. Er schaffte die 42,195 Kilometer am Berlin Marathon 2014 in 2 Stunden, 2 Minuten und 57 Sekunden. Seither sind alle Versuche gescheitert, diese Bestmarke zu knacken.

Jetzt machen sich gleich drei Läufer daran, diese Marke zu unterbieten. Sie wollen am kommende Wochenende auf dem Rundkurs von Monza nicht nur Kimettos Rekord knacken, sondern auch die magische Marathon-Schallmauer durchbrechen, die bei zwei Stunden liegt. Um das zu schaffen, müssten die Athleten auf den 42,195 Kilometern durchschnittlich schneller als 21 km/h laufen.

Die Besten der Besten

Auf sich allein gestellt sind die drei bei ihrem Vorhaben nicht: Sie werden von Nike unterstützt und gefördert. Für den US-Sportartikelhersteller ist es nämlich keine Frage des «ob», sondern des «wie»: Schon seit Jahren erforscht das Unternehmen zusammen mit Wissenschaftlern, was es braucht, um die magische Marathon-Marke zu unterbieten.

Im Dezember 2016 schliesslich stellten die Verantwortlichen das Projekt «Breaking2» und die drei auserkorenen Läufer vor: Olympia­sieger Eliud Kipchoge (Kenia), der zurzeit stärkste Marathonläufer mit einer Bestzeit von 2:03:03 Stunden; Lelisa Desisa (Äthiopien), der 2013 sowohl den Dubai- als auch den Boston-Marathon gewann; und Zersenay Tadese (Eritrea), Weltrekordhalter über die Halbmarathondistanz in 58:23 Minuten.

Zwei-Stunden-Marke im Marathon soll fallen

Am Wochenende soll erstmals ein Mensch einen Marathon unter zwei Stunden laufen. Das Projekt wird generalstabsmässig geplant, Schauplatz ist die Formel-1-Strecke in Monza. (Video: Tamedia/AFP)

Am Wochenende soll erstmals ein Mensch einen Marathon unter zwei Stunden laufen. (Video: Tamedia/AFP)

Die Auswahl ist klug getroffen: Alle drei stammen aus Ostafrika, sind um die 1,70 Meter gross und um die 54 Kilogramm leicht. Damit profitieren sie von einer grösseren Hautfläche im Verhältnis zum Körpervolumen als grosse Marathonläufer. Konkret heisst das: Sie können die produzierte Hitze besser abgeben und darum länger schnell rennen.

Viel Hintergrundarbeit

Tadese punktet zusätzlich mit einer physischen Eigenheit, die in den Bereich der Laufökonomie fällt: Er muss weniger Energie aufbringen, um ein hohes Tempo zu halten. Laut einer Studie aus dem Jahr 2007 hat er «einen der tiefsten (wenn nicht sogar den tiefsten aller) jemals veröffentlichten Werte» punkto Energieverbrauch beim Rennen. Das dürfte ihm am Wochenende zugute kommen.

Auch abseits der Athletenauswahl überlässt Nike bei dem Vorhaben nichts dem Zufall: So begleiteten die Verantwortlichen das Training und entwickelten aufgrund der dabei gewonnenen Erkenntnisse spezielle Kleidung und für die Athleten massgeschneiderte, ultraleichte Schuhe. Ausserdem wählten sie Marathon-Strecke und -Termin mit Bedacht und stellten auch taktische Überlegungen an (siehe Bildstrecke).

Für einige der falsche Ansatz

Während manche dem Lauf am Wochenende entgegenfiebern, sehen andere das Ganze kritisch: Einige monieren, dass sich «Breaking2» nicht an das offizielle Marathon-Reglement des internationalen Leichtathletik-Verbands IAAF hält. Somit könnte eine neue Rekordzeit gar nicht offiziell gewertet werden.

Andere, wie der deutsche Marathonläufer Phillipp Pflieger, werten die Jagd nach der neuen Bestmarke als falschen Ansatz: «Diese PR-Nummer wird in einer Zeit durchgezogen, in der Doping in der Weltspitze allgegenwärtig ist», sagt er zu Wired.de.

Pflieger spielt damit auch auf den Skandal um das Nike Oregon Project (NOP) an. Dabei werden die besten Langstreckenläufer der Welt zu noch besseren Leistungen angetrieben. Dies jedoch auch unter Anwendung «riskanter Prozeduren», wie es laut «Spiegel» in einem Untersuchungsbericht der US-Anti-Doping-Behörde Usada heisst.

Ob Doping auch beim aktuellen Projekt eine Rolle spielt, wird sich zeigen. Nötig hätten es Sportler und Unternehmen bei der ganzen geleisteten Vorarbeit allerdings nicht.

Nike Breaking2 Vorschau

(Video: Nike)

Vorschau auf den Rekordversuch. (Video: Nike)

Konkurrenz aus Australien

Zwei Jahre bevor Nike seine Pläne vorstellte, nahm sich ein Forscherteam um Sportwissenschaftler Yannis Pitsiladis vor, die 2-Stunden-Schallmauer zu durchbrechen. Der Name des Vorhabens: «Sub2».

Als prominentes Gesicht wurde der äthiopische Läufer Kenenisa Bekele verpflichtet, der den Weltrekord über 5000 und 10'000 Meter hält. Als Deadline für den Rekord wurde das Jahr 2019 gesetzt.

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