Basler Tourismusdirektor: «Tripadvisor ist heute relevanter als Sterne»
Aktualisiert

Basler Tourismusdirektor«Tripadvisor ist heute relevanter als Sterne»

Basel Tourismus feierte am Dienstag seinen 125. Geburtstag. Seit 15 Jahren geht es in Basel besuchermässig steil aufwärts und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht.

von
Lukas Hausendorf
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Der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff hat gut lachen. Seit 2001 kümmert er sich um die Geschicke des Fremdenverkehrs in Basel und darf sich seither über einen anhaltenden Boom der Gästezahlen freuen.

Der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff hat gut lachen. Seit 2001 kümmert er sich um die Geschicke des Fremdenverkehrs in Basel und darf sich seither über einen anhaltenden Boom der Gästezahlen freuen.

20 Minuten/lha
Waren 2001 knapp über 600'000 Touristen in Basel zu Gast, waren es 2014 schon über 1,1, Millionen. Und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht.

Waren 2001 knapp über 600'000 Touristen in Basel zu Gast, waren es 2014 schon über 1,1, Millionen. Und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht.

Basel Tourismus
Zum Boom beigetragen hat die Internationalisierung wichtiger Messen, wie der Art Basel, die die Stadt international bekannt machten und ihr Image als Kulturstadt festigten.

Zum Boom beigetragen hat die Internationalisierung wichtiger Messen, wie der Art Basel, die die Stadt international bekannt machten und ihr Image als Kulturstadt festigten.

Georgios Kefalas

«Tourismus ist eigentlich eine junge Branche», sagt der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff. Sein Arbeitgeber feierte am Dienstag seinen 125. Geburtstag: So alt ist der ehemalige Basler Verkehrs- und Verschönerungsverein. Er entstand, als der Tourismus noch in den Kinderschuhen steckte. Das moderne Freizeitreisen ist ein Produkt der Industrialisierung, die auch den Begriff der Freizeit einführte. Mit wachsendem Wohlstand nutzten immer mehr Menschen ihre Freizeit dann dazu, die Fremde zu entdecken – und plötzlich kamen in Basel Touristen an.

Der Staat fühlte sich dafür anders als in den europäischen Nachbarländern nicht zuständig. «Basel Tourismus ist als privater Verein entstanden», so Egloff. Anfangs kümmerte man sich noch um Blumentröge, Bänke und ein Gaststättenverzeichnis. Doch der Verschönerungsverein von einst hat mit der Marketingorganisation von heute kaum mehr etwas gemein.

Mit dem Billigflieger in die Boomjahre

In den 70er-Jahren tauchte der Begriff Marketing auf. Und auch in Basel begriff man, dass die Stadt ein Image braucht. Dank seiner bedeutenden Museen und der aufstrebenden Kunstmesse Art, die in den 90er-Jahren zunehmend internationaler wurde, begann der Stern der Kulturstadt immer heller zu leuchten. «Die Art hat uns sehr geholfen», sagt Egloff.

Als er 2001 zu Basel Tourismus stiess war es noch die Crossair, die Basel mit Europa verband. Damals besuchten etwas mehr als 600'000 Touristen die Stadt am Rheinknie. Nach dem Verschwinden der Airline kam 2004 Easyjet an den Euroairport. «Das eröffnete uns einen ganz neuen Markt in der Mittelschicht», so Egloff. Plötzlich reiste man spontan für einen wochenendlichen Museumsbesuch nach Basel. Gleichzeitig begannen die Chinesen und Inder, ihre Reiselust nach Europa zu entdecken. Die Logiernächte explodierten. 2008 wurden erstmals mehr als eine Million Logiernächte verzeichnet.

Der Boom ist vorbei, aber nicht das Wachstum

In den vergangenen 15 Jahren hat Basel alle anderen Schweizer Destinationen punkto Wachstum übertroffen. Jetzt gerät der Boom zwar wegen der Frankenstärke ins Stocken. Aber der Wachstumsmotor ist nicht abgewürgt: Egloff prognostiziert Basel auf die nächsten zehn Jahre hinaus ein solides Wachstum. «Es ist eine kompakte Stadt, die Luft ist sauber, du kannst im Rhein schwimmen, die Messe-Infrastruktur und die starke Pharmaindustrie, das wird uns helfen», schwärmt er.

Der mündige Tourist von heute bucht laut Egloff nicht mehr übers Reisebüro – Basel Tourismus muss die Botschaft direkt zum Kunden bringen. Pressearbeit wird immer wichtiger. 2014 «betreute» die Organisation 365 Medienberichte und 286 Journalisten. Auch die «New York Times» war da.

Tourismus in Zeiten des Web 2.0

Immer wichtiger werden laut Egloff auch Onlineportale wie Tripadvisor: Er hält die Basler Hotels explizit an, sich um die solche Ratings zu kümmern. «Die sind heute relevant, mehr noch als die Sternekategorie», weiss er. Im Web erkennt er viel Potential, gerade auch bei Airbnb. «Das wird noch zunehmen und zwar nicht unbedingt in Konkurrenz zur Hotellerie», glaubt er.

Zurzeit führt das Bundesamt für Statistik eine Pilot-Erhebung der sogenannten Parahotellerie durch. «Wenn alles klappt, werden wir die ersten Ergebnisse dazu im Mai oder Juni 2016 publizieren», sagt BfS-Sprecher Yves Strauss. Dann wird sich zeigen, ob Egloff mit seiner These Recht behält.

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