Söderlings Triumph: «Tristesse im Nieselregen»
Aktualisiert

Söderlings Triumph«Tristesse im Nieselregen»

Federers Niederlage kann aus verschiedenen Perspektiven analysiert werden: der Mikro-, der Meso- und der Makro-Ebene. Erstaunlich, welches Medium welche Ebene vorzieht.

von
tog

Die Mikroebene – das Spiel

Diese Perspektive fokussiert sich ausschliesslich auf die Ereignisse auf dem Platz, ohne diese sporthistorisch zu gewichten. «Schläge im Formel-1-Tempo » (Aargauer Zeitung) und «Tristesse im Nieselregen » (NZZ) sind Beispiele dafür. Erstaunlich, dass sich gerade die für die genaue Analyse der Hintergründe bekannte NZZ für eine solche Überschrift entscheidet.

Die Mesoebene – das Turnier

«Söderling wirft Titelverteidiger Federer raus» (Spiegel.de) – der Spiegel sieht Federers Ausscheiden in einem Turnierkontext. Damit steht das deutsche Medium ziemlich alleine da, hat aber die Unterstützung des Direktbeteiligten: Roger Federer hat selber angegeben, dass ihm das Ausscheiden aus dem Turnier – die Mesoebene also – und nicht der Verlust von Rekorden oder Serien am meisten zu schaffen macht.

Die Makroebene – die grossen Zusammenhänge

Die meisten Medien diskutieren Federers Ausscheiden auf der Makroebene. Vielleicht einfach nur, weil die Niederlage gegen Söderling sporthistorisch interessanten Stoff bietet: Roger Federers Serie von erreichten Halbfinals an Grand-Slam-Turnieren ist gerissen, vielleicht verpasst der Schweizer nun Pete Sampras' Rekord als ausdauerndster Spieler auf dem Weltranglistenthron und dann gibt es da noch die Zahl 13: Noch nie konnte Roger Federer einen Spieler 13-mal in Folge besiegen. Nicht Nikolay Dawidenko (erster Sieg nach 12 Niederlagen) und auch nicht Robin Söderling (ebenfalls erster Sieg nach 12 Niederlagen). Für diese Ebene gibt es eine grosse Auswahl an Schlagzeilen: «Federer und die verflixte 13» (Tages-Anzeiger), «Söderling beendet Federers Serie» (New York Times) oder «Auf Wiedersehen, Rogers Serie» (Sun).

Keine Zeile widmetet die Onlineausgabe der deutschen «Bild» Federers Ausscheiden. Sie glänzt dafür mit einem gelungenen Wortspiel zum Vettel-Webber-Crash beim GP der Türkei: «Wenn zwei sich streiten, freut sich der Brite».

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