Aktualisiert 22.10.2019 14:47

Geplatzte ÜbernahmeTritt Sunrise-CEO Olaf Swantee jetzt zurück?

Die UPC-Übernahme ist für Sunrise vom Tisch. Ein Köpferollen im Management ist jetzt wahrscheinlich. Die wichtigsten Antworten.

von
Dominic Benz

Telecomexperte Jean-Claude Frick von Comparis erklärt, was der geplatzte Deal für die Konsumenten bedeutet (Video: Jean-Claude Frick).

Morgen Mittwoch hätten die Aktionäre von Sunrise im Zürcher Hallenstadion über die Übernahme des Konkurrenten UPC entscheiden sollen. Doch dazu kommt es nicht: Der Telecomabieter hat am Dienstagmorgen in letzter Minute die angesetzte ausserordentliche Generalversammlung (AGV) abgesagt. Ist der grösste Übernahmedeal in der Schweizer Telecomgeschichte nun endgültig vom Tisch? Was bedeutet das für die Konsumenten? Und tritt Sunrise-CEO Olaf Swantee jetzt zurück? Die wichtigsten Antworten:

Warum hat Sunrise die AGV abgesagt?

Sunrise sah offenbar keine Chance mehr, dass der Deal morgen grünes Licht erhalten hätte. Grund für die Absage der AGV sei, dass eine deutliche Mehrheit der Aktionäre, die sich für die GV registriert hätten, die Kapitalerhöhung zur Finanzierung des 6,3-Milliarden-Franken-Kaufs nicht unterstütze, schrieb Sunrise am Dienstagmorgen in einer Mitteilung. Sunrise hätte für das Durchwinken des Deals an der GV die Zustimmung von mehr als der Hälfte der abgegebenen Stimmen gebraucht.

Ist der Deal nun endgültig geplatzt?

Sunrise-CEO Olaf Swantee findet nach der geplatzten Übernahme klare Worte: «Der Deal ist vom Tisch. Wir sehen nicht, dass die Transaktion noch zustande kommt», sagt er zu 20 Minuten. «Natürlich sind wir enttäuscht. Der Deal hätte dem Telecommarkt viel gebracht.» Der Kaufvertrag gelte aber weiterhin und ermögliche Sunrise einen geordneten Rückbau der Integrationsarbeiten.

Wie geht es nun weiter?

Verhandlungen will Sunrise keine mehr mit der Verkäuferin Liberty Global führen. Dass der Deal später doch noch zustande kommt, glaubt Swantee nicht: «Ich sehe keine Chancen mehr. Wir hatten andere Pläne.» Jetzt konzentrieren man sich wieder auf die Standalone-Strategie von Sunrise und blicke nach vorne. Diese Strategie sei erwiesenermassen erfolgreich. «Wir sind in einer guten Position. Aber wir werden auf solche Synergien, Skaleneffekte und Konvergenzmöglichkeiten verzichten müssen», so Swantee.

Tritt der Sunrise-CEO jetzt zurück?

Der wohl gescheiterte Deal dürfte personelle Auswirkungen im Management von Sunrise haben. Von einem Rücktritt will Swantee aber nichts wissen. «Rücktritte sind kein Thema und der Verwaltungsrat steht hinter dem Management», sagt der CEO. «Wir konzentrieren uns jetzt darauf, das Unternehmen zu stabilisieren und mit dem Management eine langfristige Strategie zu verfolgen.»

Was Sunrise-CEO Olaf Swantee Mitte Oktober zu einem allfälligen Rücktritt sagte, sehen Sie im Interview mit 20 Minuten hier:

Tirtt Sunrise-CEO Olaf Swantee bei einem Nein zum Deal zurück?

Demnächst entscheiden die Sunrise-Aktionäre über den Kauf von UPC. Im Interview spricht Sunrise-CEO Olaf Swantee über die Bedeutung der Übernahme.
(Video: S. Spaeth/P. Stirnemann)

Freenet-Chef Christoph Vilanek fordert keine personelle Konsequenzen aus dem Debakel für die Sunrise-Spitze: «Dazu ist jetzt nicht der Zeitpunkt. Jetzt muss Sunrise wieder Fahrt aufnehmen. Dazu braucht man die besten operativen Leute.» Über allfällige personelle Änderungen könne man sich unterhalten, wenn es in Richtung ordentliche Generalversammlung im nächsten Jahr gehe.

Was bedeutet ein gescheiterter Deal für die Konsumenten?

Mit dem Kauf von UPC hätte Sunrise ein eigenes Festnetz erworben und wäre zu einer stärkeren Konkurrentin von Platzhirsch Swisscom geworden. «Für die Konsumenten bleibt vorerst alles, wie es ist», sagt Telecomexperte Jean-Claude Frick von Comparis zu 20 Minuten (siehe Video oben).

Was kostet Sunrise das Desaster?

Gegenüber der AWP wollte Sunrise-Finanzchef André Karuse die Kosten des Scherbenhaufens nicht beziffern. Man habe eine Abbruchsgebühr von 50 Millionen vereinbart, die fällig werde, wenn der Vertrag beendet werde. Darüber hinaus seinen Finanzierungs-, Beratungs- und Integrationskosten entstanden. Wie hoch diese seien, könne man noch nicht sagen. Diese Kosten hätten aber nicht die Grössenordnung, dass die Finanzlage von Sunrise in irgendeiner Form negativ beeinträchtigt würde, so Krause: «Wir haben Cash auf der Bilanz, auch durch die günstiger als erwartet ausgefallene 5G-Auktion, so dass wir hier im sicheren Bereich sind.»

Wer stemmt sich vor allem gegen den Kauf?

Gegenwind erhält Sunrise in erster Linie vom Grossaktionär Freenet. Dieser hält 24,5 Prozent an Sunrise. Der Aktionär zeigt sich über die vorläufige Absage des Kaufs erfreut: «Der Kaufpreis von 6,3 Milliarden Franken ist zu hoch, die strategische Logik überzeugt nicht und die Struktur des Deals ist nachteilig für die Sunrise-Aktionäre», sagte Freenet-Chef Vilanek am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.

Wie reagieren die Anleger?

Die Sunrise-Aktien stiegen bereits im vorbörslichen Handel am Dienstagmorgen um 2,2 Prozent. Am Nachmittag verzeichnete Aktienkurs gar ein Plus von rund 3 Prozent. Weil die Anleger schon seit Monaten ein mögliches Scheitern im Kurs berücksichtigten, legten die Titel seit Anfang Mai um rund 15 Prozent zu.

(mit Material der SDA)

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