Trockenheit in der Schweiz

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Trockenheit in der Schweiz

Auch wenn es die Niederschläge der letzten Tage nicht erahnen lassen: Seit Anfang November ist auf der Alpennordseite zum Teil nicht einmal die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge gefallen.

Bis am 19. Januar fielen je nach Region nur 30 bis 50 Prozent des langjährigen Mittels, wie Thomas Schlegel von MeteoSchweiz am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Wintersportlern ist das Bild vertraut: Die Schneedecke reicht kaum zum Skifahren, vielerorts sind die Pisten braun.

Dank den Schneefällen dieser Woche können die Skistationen zwar aufatmen. Das ändert aber nur wenig daran, dass in der Schweiz nicht nur in den vergangenen Monaten, sondern sogar in den letzten beiden Jahren zu wenig Regen gefallen ist.

Ein Viertel der Niederschläge fehlt

Das Manko ist gebietsweise erheblich: Je nach Region fehlten 5 bis 25 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge, sagte Schlegel. Besonders betroffen ist die Region Thun BE, wo in den letzten beiden Jahren ein Viertel weniger Regen als im langjährigen Durchschnitt gefallen ist.

Dort wird denn auch schon das Trinkwasser knapp, wie Peter Frey, Direktor der Energie Thun AG, eine Meldung des «Thuner Tagblatts» vom Mittwoch bestätigte. Die Quellen, die einige Gemeinden in der Region mit Wasser versorgen, haben sich seit dem trockenen Sommer 2003 nie mehr richtig erholt. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Trinkwasser zu sparen.

Nur einzelne Regionen betroffen

Unter einer generellen Wasserknappheit leide die Schweiz nicht, sagte Ronald Kozel vom Bundesamt für Wasser und Geologie auf Anfrage. Betroffen seien vor allem oberflächennahe Quellen und Brunnen an Hanglagen und im Mittelland, die ausschliesslich durch Niederschläge gespeist würden. Diese Fassungen wiesen zum Teil auch noch ein Manko aus dem Hitzesommer 2003 auf.

Probleme seien etwa aus dem Jura bekannt, aus dem Kanton Thurgau, dem Tessin und vereinzelten anderen Regionen. Die grossen Wasserfassungen dagegen liegen laut Kozel in den Flusstälern, wo das Grundwasser aus den Flussläufen angereichert wird. Dank dem Schmelzwasser aus den Alpen ist dort die Situation stabiler.

Trend weist in die andere Richtung

Für die anhaltend knappen Niederschläge der letzten beiden Jahre kann auch Schlegel keine Erklärung anbieten. Um einen langjährigen Trend handelt es sich aber offenbar nicht. Eine Studie von MeteoSchweiz deutet nämlich darauf hin, dass die Niederschläge gerade im Winterhalbjahr eher zunehmen.

Die Messdaten zwischen 1864 und 2000 zeigen, dass die Niederschlagsmenge ab Ende 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts besonders auf der Alpennordseite sprunghaft angestiegen ist. Die Niederschlagsmengen reduzierten sich anschliessend zwar wieder, verblieben aber bis zur Jahrhundertwende im Winterhalbjahr vielerorts auf einem höheren Niveau.

(sda)

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