Trödelt die Impfkommission bei der Empfehlung für 12-Jährige?
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Trotz freier TermineTrödelt die Impfkommission bei der Empfehlung für 12-Jährige?

Die Impfbereitschaft ist nicht so hoch wie gewünscht, Termine bleiben frei. 12- bis 15-Jährige könnten diese jetzt nutzen, doch die Impfkommission zögert. Dafür erntet sie Kritik.

von
Daniel Graf
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Für 12- bis 15-Jährige ist der Impfstoff von Biontech/Pfizer gemäss Swissmedic wirksam und sicher. 

Für 12- bis 15-Jährige ist der Impfstoff von Biontech/Pfizer gemäss Swissmedic wirksam und sicher.

AFP
Swissmedic hatte den Impfstoff am 4. Juni zugelassen. 

Swissmedic hatte den Impfstoff am 4. Juni zugelassen.

20min/Marco Zangger
Die Kantone warten mit dem Verabreichen aber noch ab. 

Die Kantone warten mit dem Verabreichen aber noch ab.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Die Kantone wünschen sich eine höhere Impfbereitschaft, teilweise bleiben Impftermine frei.

  • Eltern machen derweil Druck, dass auch 12- bis 15-Jährige sich impfen können.

  • Dafür fehlt aber die Empfehlung der Impfkommission – sie soll frühestens in drei Wochen kommen.

Die Schweizer Impfkampagne droht ins Stocken zu geraten: Die Impfbereitschaft flaut wieder ab, im Thurgau bleiben Impftermine offen und in Bern wollen Jüngere sich kaum impfen lassen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) geht derzeit davon aus, dass die Impfbereitschaft zwischen 50 und 75 Prozent betragen wird. Das bedeutet, dass sich auch im besten Fall ein Viertel der Bevölkerung derzeit nicht impfen lassen will – mit möglicherweise gravierenden Folgen für die Herdenimmunität.

Noch nicht impfen lassen können sich die 12- bis 15-Jährigen – obwohl es in dieser Alterskategorie durchaus Impfwillige gäbe. Unter dem Hashtag #savethekids fordern Eltern auf Twitter, dass es bei der Impfung für Kinder und Jugendliche vorwärts geht. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer wurde von Swissmedic geprüft und ist für diese Alterskategorie zugelassen.

Kantone warten auf Empfehlung des Impf-Chefs

Trotzdem verimpfen die Kantone ihn erst an mindestens 16-Jährige. Der Kanton Aargau wollte diese Woche die Termine für 12- bis 15-Jährige freigeben. Das verzögert sich nun aber, wie Michel Hassler von der Gesundheitsdirektion sagt: «Wir gehen aktuell von Mitte Juni aus, können aber noch nicht sagen, wann der erste Termin an die Altersgruppe vergeben wird.» Mehrere andere Kantone geben an, dass sie noch auf die Empfehlung der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) warten.

Beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), dem die EKIF unterstellt ist, heisst es auf Anfrage: «Wir gehen davon aus, dass die Impfung von Jugendlichen ab 12 Jahren grundsätzlich im Sommer 2021, voraussichtlich im Juli, möglich sein sollte», sagt Mediensprecherin Masha Foursova. Jugendliche ab 12 Jahren seien bisher keine Zielgruppe der Impfstrategie gewesen (siehe unten). Und auch der oberste Impf-Chef Christoph Berger sagte am Mittwoch gegenüber dem «Tagesanzeiger», die Impfung für diese Altersklasse komme nicht vor Juli.

«Jugendliche wollen sich schützen»

Das erstaunt Jürg Utzinger, Direktor des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts: «Nachdem Swissmedic Anfang Juni und zuvor bereits die europäischen und die amerikanischen Behörden den Covid-19-Impfstoff von Pfizer/Biontech für diese Altersgruppe freigegeben haben, bin ich davon ausgegangen, dass dies in den nächsten Tagen auch in der Schweiz der Fall sein wird.»

Utzinger hat Verständnis für die Kantone, die noch auf die nationale Empfehlung warten – aber auch für die Eltern, die Druck machen: «Bezogen auf die Bevölkerungszahl war in den vergangenen Tagen die Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen am meisten von Covid-19 betroffen. Auch wenn das Risiko für schwere Verläufe dort geringer ist, kann ich nachvollziehen, dass die Jugendlichen sich schützen wollen.»

Sollte es tatsächlich zur Situation kommen, dass in einzelnen Kantonen Impfstoff liegen zu bleiben droht, weil die Impfbereitschaft bei den über 15-Jährigen abnimmt, müsste eine frühere Veröffentlichung der Empfehlung gemäss Utzinger seriös überprüft werden.

«EKIF muss jetzt handeln»

Deutlicher wird Infektiologe Andreas Widmer: «Jetzt, wo der Impfstoff vorhanden und für 12- bis 15-Jährige geprüft ist, muss die Impfung für diese Alterskategorie freigegeben werden.» Dass Impftermine offen bleiben, obwohl es Impfwillige gäbe, dafür hat Widmer kein Verständnis. «Gerade auch im Hinblick auf die Sommerferien wäre es für viele Familien eine grosse Erleichterung, wenn sie ihre Kinder jetzt zur Impfung anmelden könnten. Die EKIF muss die Empfehlung jetzt so schnell wie möglich veröffentlichen.»

Wie sollen 12- bis 15-Jährige geimpft werden?

Laut BAG-Mediensprecherin Masha Foursova wurde die Impfempfehlung in den letzten Wochen von der EKIF und dem BAG vorbereitet. Nun werde sie mit den Daten der Zulassung ergänzt. «So beschäftigt sich die EKIF zurzeit mit der Frage, wie dieser Gruppe die Impfung empfohlen werden könnte», sagt Foursova. Die Covid-19-Impfung sei für die ganze Bevölkerung freiwillig. Das Ziel bleibe es weiterhin, prioritär die Personen zu schützen, welche ein höheres Risiko hätten, schwer an Covid-19 zu erkranken. «Dieses Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Entsprechend ist der genaue Zeitpunkt des Impfstarts für Jugendliche von der Impfbereitschaft der Erwachsenen und den vorhandenen Mengen des Impfstoffs von Pfizer/Biontech abhängig.» Bund und Kantone informierten, sobald für 12- bis 15-Jährige eine Impfempfehlung vorliege und die Impfung für diese Altersgruppe verfügbar sei.

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